Der dänische Energiekonzern Orsted steckt im Jahr 2007 in der Krise. 92 Prozent seiner Energieerzeugung basiert auf fossilen Energieträgern, die restlichen acht auf erneuerbaren Energien. Gleichermaßen teilten sich auch die Einnahmen des Unternehmens auf. Orsted ist damals hauptsächlich auf dem dänischen Markt aktiv, nur rund 12 Prozent des operativen Gewinns kommen aus Märkten außerhalb des nordeuropäischen Landes.
2012 gerät der Konzern unter erheblichen finanziellen Druck. Innerhalb eines Jahres fällt der operative Gewinn um 37 Prozent. Sinkende Energiepreise lassen die Einnahmen aus der konventionellen Erzeugung, den Gas- und Kohlekraftwerken, stark zurückgehen. Gleichzeitig investiert das Unternehmen kräftig in andere Bereiche und steigert seine Nettoverschuldung bis 2012 um 29 Prozent.
Standard & Poors senkte Rating
Die Folge: Die Kredit-Ratingagentur Standard & Poors senkt ihr Rating und setzt den Ausblick auf "negativ". Den Verantwortlichen ist klar, es müssen weitreichende Entscheidungen getroffen werden, um die finanzielle und strategische Gesundheit des Unternehmens wiederherzustellen.
Investitionsprogramm über drei Mrd. Euro
Als Konsequenz setzte Orsted in den folgenden Jahren auf die Geschäftsbereiche, die wirklich zukunftsträchtig erscheinen und initiierte ein Investitionsprogramm über drei Mrd. Euro in Branchen außerhalb des fossilen Kerngeschäfts. Gleichzeitig reduzierten sie durch Effizienzmaßnahmen die operativen Ausgaben des Unternehmens um über 20 Prozent. Trotz dieser Bemühungen schaffte es der Konzern nicht, seine finanzielle Stabilität wiederherzustellen.
Öl- und Gasförderung verkauft
"Wir mussten 1,8 Mrd. Euro an frischem Eigenkapital sammeln, um die Investitionskapazität zu haben, das Unternehmen von einem unprofitablen "Legacy-Business" zu einem zukunftsfähigen, erneuerbaren Kerngeschäft zu transformieren", berichtet CEO Henrik Poulsen auf dem Handelsblatt Energiegipfel in Berlin. Das Geld sammelte Orsted beim dänischen Renten-Fonds und Goldman Sachs ein.
In der Folge verabschiedete man sich von der Gas- und Kohlestromerzeugung und 40 Prozent der Kraftwerkskapazität. Auch der Bereich Öl- und Gasförderung wurde verkauft, um mehr Geld für die Erneuerbaren bereitzustellen und Orsted in ein global agierendes Green-Energy-Unternehmen zu wandeln. Heute zeigt sich: die drastischen Schritte haben sich gelohnt.
Orsted wird "nachhaltigstes Unternehmen der Welt"
Im neuen Kerngeschäft, Offshore-Windkraft, konnte sich Orsted in Europa zum Marktführer entwickeln, da man schon so früh auf die Windkraftparks im Meer setzte. Gleichzeitig hat das Unternehmen es geschafft, sich auf dem US-amerikanischen Markt in den Sektoren Onshore-Wind, Solarenergie und Speicherung zu etablieren.
Neue Projekte in Deutschland
In den nächsten sieben Jahren sollen weitere 30 Mrd. Euro in regenerative Energien investiert werden. Für die erfolgreiche Transformation des Unternehmens und das Ziel bis 2025 vollständig emissionsfrei zu sein, wurde Orsted jetzt auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos als „nachhaltigstes Unternehmen der Welt“ ausgezeichnet.
Auch in Deutschland entstehen neue Projekte. Mit dem „Westküste 100“-Projekt will der Konzern beispielsweise den Hamburger-Flughafen mit „E-Kerosin“, gewonnen aus Windstrom, versorgen. (pm)

