Von Andreas-Lorenz Meyer
In der Verbandsgemeinde Winnweiler bei Kaiserslautern entsteht in den nächsten Jahren der Windpark Sippersfeld mit bis zu fünf Windenergieanlagen der 7-Megawatt-Klasse. Baubeginn ist für 2028/2029 geplant, der Betrieb könnte dann 2030 starten.
Solche oder ähnliche Projekte werden die Stadtwerke Kaiserslautern in Zukunft auch fernab der Pfalz in Angriff nehmen. Voraussichtlich zum 1. Juli 2025 möchten sie zusammen mit den Stadtwerken Augsburg eine Gesellschaft mit dem Schwerpunkt Erneuerbarenprojekte gründen.
Bindeglieder vor Ort
Die Vorbereitungen sind in vollem Gang. Der Antrag der Stadt Augsburg, Alleingesellschafterin der Stadtwerke Augsburg, wurde bereits an die zuständige Regierung von Schwaben übermittelt. Und auch die Stadt Kaiserslautern legt ihren Antrag jetzt der Aufsichts- und Dienstleistungdirektion in Trier vor. "Wir rechnen damit, dass die Zustimmung zügig erfolgt", so Arvid Blume, Vorstand der Stadtwerke Kaiserslautern.
Sitz der Gesellschaft wird Augsburg sein. Die Struktur muss erst noch aufgebaut, ein Geschäftsführer noch benannt werden. Geplant ist, die Arbeit im dritten Quartal 2025 aufzunehmen, ab dann Projekte anzugehen und mit den Stakeholdern vor Ort zu entwickeln. "Zunächst müssen wir jedoch die Grundlagen schaffen und unter anderem Arbeitskräfte akquirieren", so Blume.
Die Expertise für die fachliche Planungsarbeit und technische Entwicklung sei bei den Stadtwerken Kaiserslautern bereits vorhanden. Außerdem können auch buchhalterische Aufgaben, Controlling oder Marketing und Öffentlichkeitsarbeit aus den Muttergesellschaften selbst kommen. Letztendlich gibt es aber originäre Aufgaben, die in der neuen Gesellschaft verortet sein müssen. Dazu gehört es, ortsgebundene Lösungen unter Beteiligung aller Akteure zu finden. "Wir müssen mit Experten vor Ort in den direkten Austausch gehen und die mögliche Nutzung von Flächen sowie die Entwicklung bürgerfreundlicher Modelle beim Ausbau der erneuerbaren Energien klären.“
Hinsichtlich der Aufgabenteilung stimmen sich beide Stadtwerke noch ab. "Natürlich gibt es Bereiche, die dem einen oder anderen mehr liegen oder die sich auch aufgrund der örtlichen Verbindungen anbieten. Am Ende geht es uns um eine schlanke, transparente und partnerschaftliche Kooperation.“
Ziel Klimaneutralität 2040
Mehr als 300 Kilometer liegen zwischen Augsburg und Kaiserslautern. Welche Motivation steckt hinter dieser Kooperation über die Distanz? Die Stadtwerke Kaiserslautern haben in den letzten Jahren begonnen, Wind- und Solarkraftprojekte zu planen, um ihr Erneuerbarenportfolio bis 2040 auf 700 bis 800 Megawatt auszubauen. Genau hier setze die neue Gesellschaft an, erläutert Blume: Man wolle das Ziel nicht nur durch Eigenentwicklungen in Kaiserslautern und den angrenzenden Regionen erreichen. "In Bayern und Baden-Württemberg gibt es im bundesweiten Vergleich enorme Potenziale in den Bereichen Wind und Photovoltaik, die noch nicht erschlossen sind. In beiden Bundesländern möchten wir aktiv werden und uns damit als regionale Stadtwerke unabhängiger aufstellen. Denn dadurch, dass wir unsere gesamten Aktivitäten bisher in nur einer Region bündeln, sind wir abhängig von regionalen Wetterlagen." Es gehe darum, die Dekarbonisierungsstrategie breiter aufzustellen.
Als Vorteil sieht Blume auch, dass die Stadtwerke in Zukunft noch mehr Kommunen bei der Umsetzung der Energiewende unterstützen könnten. Insgesamt biete die neue Gesellschaft die Chance, zum Treiber der Energiewende zu werden und wie angestrebt bis 2040 treibhausgasneutral zu sein. "Damit lägen wir fünf Jahre vor dem durch das Klimaschutzgesetz der Bundesregierung vorgegebenen Zeitpunkt."
Kompetenzen zusammenbringen
Eine agile Gesellschaft mit Fokus auf Projektakquise und Projektentwicklung – so charakterisiert Rainer Nauerz, Geschäftsführer der Stadtwerke Augsburg, die neue Gesellschaft. Die Ziele, die bei seinem Unternehmen hinter der Gründung stehen, erklärt er so: "Bislang verfügen wir als drittgrößtes Stadtwerk in Bayern nur über wenige Anlagen im Bereich erneuerbare Energien. Wir wollen unseren Beitrag zur Energiewende aber steigern und dazu unsere Eigenerzeugung besonders im Bereich der Stromerzeugung mit Windkraft und Photovoltaik deutlich ausbauen." Das ermögliche die Gesellschaft, indem sie die Kompetenzen aus beiden Häusern zusammenbringe.
"Wir sind in Bayern und Baden-Württemberg mit bestehenden Partnerschaften und Kontakten gut verwurzelt und können so die notwendigen Flächen besser akquirieren als es die Stadtwerke Kaiserslautern könnten. Diese bringen ihrerseits das Know-how in Sachen Erneuerbarenprojekte in die Gesellschaft ein, von dem wir natürlich profitieren wollen." Konkrete Projekte könnten jetzt vor der Gründung zwar noch nicht benannt werden, aber eins stehe schon fest: Die Gesellschaft sei eine Win-win-Konstellation für beide Seiten. Nauerz kennt den pfälzischen Partner gut, er ist vorher Co-Chef der Stadtwerke Kaiserslautern gewesen – diese Verbindung spiele bei der geplanten Gesellschaft aber keine große Rolle.



