Von Hans-Peter Hoeren
Es gibt ihn noch: den guten alten Aprilscherz. Und auch einige Pressestellen von Stadtwerken setzen diesen vermeintlich in die Jahre gekommenen Kalauer immer noch effektiv ein.
Und das Schlimmste dabei: Es gibt auch noch Redakteure bei der ZfK, die im ersten Moment darauf reinfallen, beispielsweise der Autor dieses Textes, der in diesem Jahr den Stadtwerken Bamberg auf den Leim gegangen ist. Die hatten gleich so viel Freude an ihrem Scherz, dass sie ihn auf allen Social-Media-Kanälen, als Pressmitteilung mit Bild und als Audiodatei unter das Volk brachten.
"Wer künftig am Automaten sein Busticket zieht, kann gleich noch frische Brötchen dazu kaufen", so die vermeintlich frohe Kunde aus Bamberg. Möglich machen soll dies die deutschlandweit einzigartige "Brötchentaste" an den Fahrscheinautomaten der Stadtwerke Bamberg am Zentralen Omnibus-Bahnhof (ZOB).
Fahrscheinautomat hält Brötchen frisch und warm
"Damit reagieren wir auf den Wunsch vieler Bambergerinnen und Bamberger, Wege zu bündeln und Zeit zu sparen", wird ein Stadtwerke-Sprecher zitiert. "Wer morgens Bus fährt, hat meistens auch Hunger.“
Das Prinzip sei denkbar einfach: Beim Ticketkauf drücke man die neue "Brötchentaste", wählt zwischen Kaiser-, Vollkorn- oder Laugenbrötchen, die nach dem Bezahlen aus einem separaten Auswurfschacht entnommen werden können. Die Innovation habe man gemeinsam mit dem Hersteller der Fahrscheinautomaten entwickelt. Das Zusatzmodell werfe die Brötchen nicht nur in gewünschter Stückzahl aus, sondern halte die Backwaren auch noch knusprig warm und frisch.
Besitzer des Deutschlandtickets erhalten "Brötchenrabatte"
"Für die Zukunft ist der Verkauf von Bamberger Hörnla und Butterbrezeln geplant. Besitzer einer Monatskarte oder des Deutschlandtickets sollen künftig auch Brötchenrabatte erhalten", hieß es weiter. Als stolzer Besitzer des Deutschlandtickets sah ich da schon bei meinem nächsten Bamberg-Besuch die Rabatte purzeln am Brötchenautomaten am ZOB und leitete die Pressemitteilung im vollen Ernst an die interessierten Kolleg*innen zur Prüfung für den Newsletter weiter.
Bambergs Stadtwerke-Sprecher Jan Giersberg hätte seinen Spaß gehabt, an meiner sich langsam einstellenden, schmerzhaften Erkenntnis, auf den Scherz hereingefallen zu sein.
Stadtwerke greifen Diskussion aus Stadtrat auf
"Die Welt ist so traurig und voller so vieler schlechter Nachrichten, da ist es doch schön, mal einen Tag lang die Leute zum Schmunzeln zu bringen", so der Kommunikationschef der Stadtwerke auf Anfrage. Das Presseteam und die Mitarbeitenden hätten schon bei der Entwicklung des Ganzen "ihre helle Freude" gehabt. Die "Brötchentaste" ist in der Bamberger Lokalpolitik im Übrigen ein geflügeltes Wort, die Diskussion darüber stadtbekannt.
Auf Antrag einiger Stadtratsfraktionen war die Stadtverwaltung zum Jahresanfang beauftragt worden in einem zentrumsnahen Gebiet eine so genannte "Brötchentaste" einzuführen, die ein Minuten langes, kostenfreies Parken ermöglicht, zu prüfen. Damit solle der Einzelhandel gestärkt werden und insbesondere auch der Einkauf beim lokalen Bäcker.
Die Stadtwerke greifen mit der Lösung eine Diskussion im Bamberger Stadtrat auf, heißt dehalb dann heute auch in der Pressemitteilung des kommunalen Versorgers. "Wir gehen davon aus, dass auch in der Zukunft hier viele gute Ideen geboren werden, mit denen wir unser Geschäftsmodell weiterentwickeln können", wird ein augenzwinkernder Stadtwerke-Sprecher zitiert.
Wenn der Aprilscherz zur Titelstory wird
Die meisten Bamberger Bürgerinnen und Bürger hätten diese Anspielung verstanden und geschmunzelt. Dass Aprilscherze aber auch zu ernsthaften Verwicklungen führen können, hat Jan Giersberg aber auch schon erlebt. Vor Jahren hatten die Stadtwerke am ersten April darüber informiert, dass eine belebte Durchgangsstraße zur verkehrsberuhigten Zone umgewidmet werde. Ein Beschluss, der gar nicht in die Zuständigkeit der Stadtwerke fällt.
Das lokale Wochenblatt nahm das aber wörtlich und machte eine Titelgeschichte daraus, die für einige Irritationen sorgte. "Auf diesen Aprilscherz werde ich heute manchmal noch in den Lokalen Bambergs angesprochen", erzählt der Stadtwerkesprecher.
Die Rhönenergie und eine neue Art von Balkonkraftwerk
Die Bamberger Stadtwerke waren gestern nicht die Einzigen, die einen Aprilscherz in Umlauf brachten. Laut der Zeitung "Osthessen News" hat etwa die Rhönenergie jetzt eine neue Art von Balkonkraftwerk vorgestellt.
Es handle sich dabei um eine von dem Unternehmen gezüchtete Pflanze, die nicht nur Sauerstoff, sondern auch elektrische Energie abgebe. Die Energiestaude hercula soli heuna produziere bei einer Höhe von zwei Metern und einer Blattoberfläche von insgesamt 4,5 Quadratmetern am Tag rund sechs Kilowattstunden Strom – sofern sie gut gewässert und regelmäßig gedüngt werde. Diese Energiemenge liefere in etwa auch ein herkömmliches 940-Watt-Balkonkraftwerk, das dabei aber keinen Sauerstoff generiert.

