Insgesamt 400.000 Kunden hat der Essener Konzern auf dem britischen Endkundenmarkt in den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres verloren, erklärte Eon-Finanzchef Marc Spieker am Mittwoch bei der Vorlage des Zwischenberichts für das erste Halbjahr. In Großbritannien hat die Regulierungsbehörde Ofgem Anfang dieses Jahres Preisobergrenzen eingeführt. Das führte zu deutlichen Einbußen. Der immense Wettbewerbsdruck belastet dort alle Energieversorger. Spieker nannte Churn-Raten von fast 30 Prozent im ersten Halbjahr.
"Die Entwicklung ist so nicht nachhaltig", sagte der Eon-Finanzchef in der Telefonkonferenz mit Journalisten. Der britische Regulierer greife aber schon ein und habe etwa die Markteintrittshürden für neue Anbieter angehoben. Eon wolle das britische Endkundengeschäft keinesfalls aufgeben. "Der Markt ist unbestritten schwierig aber mitnichten perspektivlos. Man muss den Blick für das lange Ende behalten." In allen anderen Märkten sei die Zahl der Haushaltskunden stabil gehalten oder sogar gesteigert worden. Die Entwicklung führte zu einem Ergebniseinbruch im Geschäftsfeld Kundenlösungen.
Regionale Verteilnetze ausgebaut
In Deutschland habe Eon im ersten Halbjahr 100.000 Kunden dazu gewonnen, sagte Spieker. Im deutschen Vertriebsgeschäft sanken allerdings die Margen, weil zu Jahresbeginn "signifikant gestiegene Netzentgelte" erst später und sukzessive an die Kunden weitergegeben werden. Den Rückgang will Eon deshalb im Jahresverlauf durch bereits erfolgte Preiserhöhungen wieder ausgleichen.
Im Geschäftsfeld Energienetze lag der bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) mit rund 1 Mrd. Euro um 31 Mio. Euro geringfügig unter dem Niveau des Vorjahres. In Deutschland ging das Ergebnis im Netzgeschäft vor allem durch den Wegfall positiver Einmaleffekte aus dem Vorjahr zurück. Zusätzlich habe hier der Rückgang der zulässigen Eigenkapitalverzinsung mit dem Beginn der dritten Regulierungsperiode Strom das Ergebnis beeinflusst, so Spieker. Diese negativen Effekte habe man jedoch durch den Ausbau der regionalen Verteilnetze und entsprechender Ergebnisbeiträge kompensieren können.
Neue Windparks an Land und auf dem Meer
Am schnellsten wuchs in den ersten sechs Monaten das Geschäft mit den erneuerbaren Energien. Der Umsatz in diesem Bereich legte um neun Prozent zu, das bereinigte EBIT kletterte um 39 Mio. auf 275 Mio. Euro. Neue Windparks an Land und auf dem Meer in Deutschland, Großbritannien und den USA führten dazu, dass der Konzern mehr Strom produzieren konnte. Insbesondere geringere Energiepreise in Großbritannien und das Auslaufen von Anreizmechanismen in Italien wirkten sich hingegen hier negativ auf das Halbjahresergebnis aus. Im Saldo bleibe bei den Erneuerbaren aber ein klares Plus.
Alles in allem kletterte im Vergleich zum Vorjahr der Umsatz im ersten Halbjahr zwar um rund fünf Prozent auf 16,1 Mrd. Euro. Das bereinigte EBIT sank aber im Vergleich zum starken Vorjahr um zwölf Prozent auf rund 1,7 Mrd. Euro. Der bereinigte Konzernüberschuss lag mit rund 0,9 Mrd. Euro 16 Prozent unter dem Vorjahreswert. "Insgesamt entspricht das Halbjahresergebnis unserer Planung", sagte Finanzvorstand Marc Spieker.
Dividendenvorschlag bestätigt
Eon bestätigte seine Prognose für das laufende Jahr. Das Management erwartet weiterhin ein bereinigtes EBIT von 2,9 bis 3,1 Mrd. Euro und einen bereinigten Konzernüberschuss von 1,4 bis 1,6 Mrd. Euro. "Unseren Dividendenvorschlag von 46 Cent pro Aktie für 2019 bestätigen wir ebenfalls", sagte Spieker.
Wegen des gesunkenen Zinsniveaus musste der Konzern die Pensionsrückstellungen erneut erhöhen. Diese Entwicklung und ein technischer Effekt einer neuen Rechnungslegungsvorschrift führten dazu, dass die Nettoverschuldung des Konzerns um rund 3,6 auf 20,2 Mrd. Euro stieg.
Innogy-Zeitplan nochmals bestätigt
Mit der Übernahme der RWE-Tochter Innogy kommt Eon wie geplant voran. Man sei zuversichtlich, dass die Transaktion im September stattfinden könne, hieß es weiter. Noch steht die Genehmigung der Europäischen Kommission aus. Eon hatte dazu jüngst Zugeständnisse gemacht. Nach der Übernahme will Eon den Vertrieb und das Netzgeschäft von Innogy behalten. Das Geschäft mit erneuerbaren Energien von Innogy und Eon reicht der Konzern komplett an RWE weiter. (hil/dpa)
