Blick auf das Werk der Meyer Burger Technology AG in Freiberg. Der Schweizer Maschinenbauer nimmt sein Werk in Sachsen jetzt offiziell in Betrieb.

Blick auf das Werk der Meyer Burger Technology AG in Freiberg. Der Schweizer Maschinenbauer nimmt sein Werk in Sachsen jetzt offiziell in Betrieb.

Bild: Hendrik Schmidt/dpa

Neustart für einen traditionsreichen Solarstandort: Der Schweizer Maschinenbauer Meyer Burger Technology AG hat im sächsischen Freiberg ein neues Werk zur Produktion von Solarmodulen in Betrieb genommen. «Wir haben vor einigen Jahren die Solarproduktion verloren und jetzt bringen wir sie zurück», sagte Geschäftsführer Gunter Erfurt zur Eröffnung am Mittwoch.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) sprach von einem guten Tag: «Hier sieht man einmal mehr, was möglich ist, wenn man in Technologie investiert und nicht aufgibt.» Nach dem Scheitern des ersten Versuchs vor zehn Jahren werde nun eine Renaissance der Solarindustrie in Europa angestoßen, «mit viel Wissenschaft, Leidenschaft und technischem Know-how».

Produktionskapazität soll auf 1 GW wachsen

Das Unternehmen hat in den vergangenen acht Monaten den ehemaligen Standort des pleite gegangenen Solarherstellers Solarworld umgebaut, modernisiert und automatisiert. Nach dem Hochfahren der Produktion sollen in Freiberg vorerst rund 3000 Hochleistungsmodule pro Tag vom Band laufen. Das entspricht einer jährlichen Produktionskapazität von 400 MW – später soll sie auf rund 1 GW wachsen. Meyer Burger will zunächst Solaranlagen für Dächer von Eigenheimen, aber auch für kleinere Kraftwerke bauen.

Die Zellen dafür stammen aus dem am 18. Mai eröffneten Werk in Thalheim (Sachsen-Anhalt), wo Meyer Burger ehemalige Bereiche der einstigen Solarfirma Sovello übernahm. An den beiden Standorten sollen anfangs rund 300 Arbeitsplätze entstehen, langfristig sind bis zu 3500 Stellen geplant. In den Aufbau der beiden Werke investiert das Unternehmen rund 145 Mio. Euro.

Neuste Modultechnologie

«Die Solarenergie hat sich in den letzten 20 Jahren zu einer der preislich günstigsten Elektroenergieerzeugungsformen entwickelt», sagte Geschäftsführer Erfurt. Ihr gehöre die Zukunft, auch weil sie eine sehr klimafreundliche Technologie sei. «Die wollen wir jetzt wieder in Sachsen, Deutschland, Europa fertigen.» Dabei komme die allerneueste Technologie jetzt nur noch in die eigenen Werke. «Unsere Solarmodule erzeugen etwa 20 Prozent mehr Energie auf der gleichen Fläche.» Dieser Vorsprung solle gehalten, wenn nicht gar ausgebaut werden.

«Wir brauchen die technologische Möglichkeit, die Dinge selbst produzieren zu können, trotz geteilter Wertschöpfung auf der Welt», sagte Kretschmer. «Das Versprechen, in den nächsten Jahren aus der Braunkohle auszusteigen, geht einher mit dem Wunsch und dem Bekenntnis, dass dieses Land auch künftig Energieland bleiben soll, die eigene Energieversorgung sichern will mit erneuerbaren Energien.» Dafür sei die Solarproduktion ein ganz wesentlicher Beitrag.

600 Mitarbeiter in der ganzen Welt

Meyer Burger will mit der Produktion von Solarzellen und Solarmodulen in Ostdeutschland der Branche neuen Schwung verleihen und Europa als Solarstandort stärken. Bisher hatte es Maschinen zur Solarproduktion in Hohenstein-Ernstthal hergestellt und vor allem nach China geliefert. Die Konkurrenz billiger Solarmodule aus Asien hatte vor etwa zehn Jahren für eine schwere Krise der Branche in Deutschland gesorgt.

Künftig will Meyer Burger die Technologie ausschließlich selbst nutzen. Das Unternehmen beschäftigt derzeit rund 600 Mitarbeiter an Forschungsstätten in der Schweiz, Entwicklungs- und Fertigungsstätten in Deutschland sowie Vertriebsstandorten in Europa, den USA und Asien. (dpa/lm)

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