Der Regionalversorger Rheinenergie baut seine Position als Anbieter von Wärme- und Energielösungen aus. Von dem Karlsruher Energiekonzern EnBW übernimmt das Kölner Unternehmen das komplette Contracting-Portfolio, teilten beide Versorger gemeinsam mit. Es umfasst deutschlandweit rund 200 Anlagen. Zum Kaufpreis haben die Parteien Stillschweigen vereinbart.
Für die Transaktion ist die Bestätigung der zuständigen Kommunalaufsicht sowie die Zustimmung der zuständigen Kartellbehörde nötig. Diese werden spätestens Anfang 2027 erwartet. Bis dahin führt die EnBW das Geschäft fort.
Mit der geplanten Transaktion baut die Rheinenergie ihr Energiedienstleistungsgeschäft deutlich aus und steigt zu einem der drei führenden Anbieter komplexer Energiedienstleistungen in Deutschland auf. Teil der Vereinbarung sei zudem der Übergang der rund 150 Contracting-Mitarbeitenden der EnBW zur Rheinenergie. Das Kölner Unternehmen hat angekündigt, den Standort Stuttgart mit der gesamten Belegschaft zu erhalten. Betriebsbedingte Kündigungen seien bis Ende 2029 ausgeschlossen, hieß es aus Köln.
Rheinenergie wächst deutlich
Damit wächst Rheinenergie auf rund 800 Anlagen und 1.100 MW installierte Leistung und gehört künftig zu den führenden drei Anbietern komplexer Energiedienstleistungen (EDL) in Deutschland. "Die Energiewende findet nicht nur in Stromnetzen und Erzeugungsanlagen statt, sondern zunehmend direkt bei unseren Kunden – in Industrieunternehmen, Quartieren, Krankenhäusern, Kommunen und der Wohnungswirtschaft", ordnete der Vorstandschef von Rheinenergie, Andreas Feicht, die Übernahme ein. Deshalb baue die Rheinenergie das EDL-Geschäft seit Jahren konsequent bundesweit aus. Die Übernahme des EnBW-Portfolios beschleunige diesen Weg.
Fokus auf Erzeugung
Für EnBW hingegen bedeutet der Verkauf des Contracting-Geschäfts die Schärfung des strategischen Fokus auf Erzeugung. "Diese Fokussierung unterstützt die Umsetzung unseres ambitionierten Wachstumsprogramms, damit EnBW auch weiterhin ihre zentrale Rolle in der Transformation des Energiesystems wahrnehmen kann", so Peter Heydecker, Vorstand für Nachhaltige Erzeugungsinfrastruktur bei der EnBW.
Nach eigenen Angaben plant EnBW bis 2030 Investitionen von bis zu 50 Milliarden Euro insbesondere in den weiteren Ausbau der Strom- und Gasnetze, erneuerbare Energien, wasserstofffähige Gaskraftwerke sowie die Elektromobilität. Vor diesem Hintergrund sei die kontinuierliche Überprüfung des Portfolios hinsichtlich Wirtschaftlichkeit und Übereinstimmung mit der strategischen Ausrichtung "fester Bestandteil der Geschäftsroutine", hieß es weiter.
Konsolidierung im Contracting-Markt
Die EnBW war bereits seit einigen Monaten auf der Suche nach einem Käufer der Contracting-Sparte. Nach Einschätzung der EnBW befinde sich der Markt bereits in einer Konsolidierungsphase. Diese werde durch einen hohen Kapitalbedarf, steigende Wettbewerbsintensität und den Umbau der Wärmeversorgung angetrieben, hieß es dazu aus Karlsruhe im März dieses Jahres. Analysen zeigten zudem, dass diese Entwicklung Teil einer breiteren Umstrukturierung in der Energie- und Infrastrukturbranche ist.
Wärmegeschäft gewinnt an Bedeutung
Das Wärmegeschäft gewinnt nicht nur in Köln an Bedeutung. So hatte der Oldenburger Versorger EWE bereits 2023 den Vertriebsfokus im Wärmegeschäft auf nachhaltige Wärmelösungen wie Wärmepumpen für Privatkunden gelegt. Dafür wurde der Vertrieb von Gasheizungen aus dem Portfolio genommen und in der bisherigen Tochter WCG Wärme Contracting gebündelt. Die WCG wurde dann im März dieses Jahres an den britischen Infrastrukturinvestor Pioneer Point Partners
Seitdem konzentriert sich EWE auf Privatkunden und kleinere Gewerbebetriebe mit Heizungsanlagen unter 70 Kilowatt Leistung. Für diese bietet der Energieversorger die Installation und den Betrieb von erneuerbaren Energiesystemen wie Photovoltaikanlagen, Stromspeichern und Wärmepumpen an.