Von Hans-Peter Hoeren
Der Energiedienstleister Rhenag hat daserste komplette Geschäftsjahr nach Vollendung der Rheinlandkooperation erfolgreich abgeschlossen. Im Rahmen der Kooperation hatten die Rhenag-Gesellschafterinnen Rheinenergie und Westenergie im Jahr 2023 ihre Zusammenarbeit im erweiterten Rheinland neu strukturiert und der Rhenag zwölf Beteiligungsgesellschaften übertragen. Für Rhenag brachte dieses Projekt nach eigenen Angaben einen der größten Wachstumsschübe ihrer jüngeren Unternehmensgeschichte.
"Die Rhenag ist damit in eine neue unternehmerische Größenordnung hineingewachsen. 2024 galt es für unser Unternehmen, diesen Wachstumsschub zu verdauen und die gesamte Organisation fit zu machen für die neuen Anforderungen und Erwartungen, denen wir uns nun als eines der größten kommunalen Netzwerke Deutschlands gegenübersehen", schreiben die beiden Vorstände Jan-Bernd Brüning und Till Cremer im Vorwort zum aktuellen Geschäftsbericht.
Beteiligungsgeschäft liefert den höchsten Beitrag zum Ergebnis
"Wir sind in unserer Beteiligungssparte mit nun über 30 Gesellschaften in eine neue Größenordnung hineingewachsen", beschreibt Rhenag-Vorstand Brüning die zentrale Veränderung der Rhenag. Das Beteiligungsgeschäft ist mit einem Ergebnisbeitrag von rund 47 Millionen Euro nun die klar stärkste Sparte der Rhenag. Das Gesamtergebnis des mehrheitlich kommunalen Unternehmens vor Steuern betrug 67,7 Millionen Euro (Vorjahr 71,2 Millionen). Nach Steuern erwirtschaftete das Unternehmen 2024 einen Jahresüberschuss von 56,6 Millionen Euro (Vorjahr 55,1 Millionen Euro).
Zu dem guten Ergebnis trugen neben dem Beteiligungsgeschäft auch die beiden anderen Standbeine bei. Das Energiegeschäft als jetzt zweitgrößtes Geschäftsfeld habe sich trotz schwieriger Rahmenbedingungen insgesamt robust gezeigt, heißt es in der Pressemitteilung. Der Absatz im Gasgeschäft litt zwar unter der erneut sehr milden Witterung, aufgrund einer erfolgreichen Neukundenakquise im Stammgebiet lag der Gasabsatz mit 1,2 Milliarden Kilowattstunden aber auf Vorjahresniveau. Das Unternehmen verfüge im Stammgebiet rechts des Rheins und entlang der Sieg – also dort, wo sie selbst wie ein Stadtwerk agiert – über eine unverändert starke Marke, die Kundenbindung sei auch 2024 hoch gewesen, schreibt das Unternehmen weiter.
Starker Nachfrageschub im Dienstleistungsgeschäft
Das Geschäftsfeld "Stadtwerke-Dienstleistungen", in dem Rhenag bundesweit mit Beratungs- und operative Prozessdienstleistungen sowie ihrer eigenen Abrechnungssoftware Lima am Markt ist, blieb ebenfalls auf Wachstumskurs. Neben dem starken Nachfrageschub aus der gewachsenen Gruppe heraus, konnten sechs weitere Stadtwerke als Kunden gewonnen, Schlüsselkunden gesichert und der Umsatz um über 20 Prozent auf insgesamt 55,2 Millionen Euro (Vorjahr 45,7 Millionen Euro) gesteigert werden. "Die Rhenag hat sich im Kontext der Rheinlandkooperation stark verändert“, betont Rhenag-Vorstand Till Cremer. Man zähle nun zu einem der größten EVU-Netzwerke Deutschlands. Ziel sei es, im Beteiligungsbereich weiter zu wachsen und zum führenden Mehrwertpartner für kleinere und mittlere Stadtwerke zu werden.
Hierfür wurden 2024 mit dem Strategieprojekt“ #rhenag2030“ die Voraussetzungen geschaffen. Die Organisation und internen Prozesse wurden in einem tiefgreifenden Umstrukturierungsprozess so weiterentwickelt, dass die Rhenag ihre Dienstleistungen deutlich skalieren und so perspektivisch weitere Stadtwerke-Beteiligungen im Unternehmens-Netzwerk betreuen und stärken könne.
"Wollen den Erfolg der Stadtwerke sichern
"Hinter dieser klaren Fokussierung auf Wachstum im Beteiligungsbereich steht unsere Überzeugung, dass Stadtwerke die Schlüsselakteure einer lokalen, bürgernahen Energie- und Wärmewende sind", erläutert Jan-Bernd Brüning. Keiner kenne die immer wieder anders gelagerten Versorgungsstrukturen besser als sie. Nur sie könnten damit die Konzepte entwickeln, die vor Ort tatsächlich passten.
"Unser Antrieb ist es, den Erfolg der Stadtwerke zu sichern und so die kommunale Selbstbestimmung auf dem Feld der Energieversorgung zu stärken. Dies ist die zeitgemäße Weiterentwicklung des seit je her in unserer DNA verankerten Versprechens, Partner der Kommunen und der kommunalen Unternehmen zu sein", brachte Vorstand Till Cremer das Selbstverständnis der Rhenag und ihrer rund 700 Mitarbeitenden auf den Punkt.
"Kommunen sollen strukturelle Stärken bei Energiewende voll ausspielen"
Ungeachtet der derzeitigen geopolitischen Zeitenwende bleibe der Klimaschutz eine der größten gesellschaftspolitischen Herausforderungen. "Für uns liegt der Schlüssel für eine erfolgreiche Dekarbonisierung der Energieversorgung darin, die Stadtwerke als Umsetzungsakteure handlungsfähig zu machen", so die beiden Vorstände im Geschäftsbericht. Dazu gehörten zentrale Fragen, wie was kann, was muss das Stadtwerk allein machen, welche Aufgaben können ohne Identitätsverlust ausgelagert oder mit anderen Unternehmen gemeinsam erledigt werden? Es gehe mehr denn je darum, die notwendige Unternehmensgröße über die Gruppe herzustellen, Spezialisten-Know-how und technische Plattformen gemeinsam zu nutzen, hinter dem Kundenvorhang zu standardisieren und zu automatisieren und so Kosten zu optimieren.
Kooperationen seien aber nicht nur auf Unternehmensebene, sondern auch zwischen benachbarten Kommunen eine vielversprechende Strategie. Das Beispiel Wärmeplanung zeige, dass auch hier die Zusammenarbeit über Gemeinde- und Stadtgrenzen hinweg zu deutlichen Effizienzgewinnen führen könne.
Mit operativ vernetzten Stadtwerken und mit klugen interkommunalen Kooperationen könne die kommunale Ebene ihre strukturelle Stärke auch bei der Energiewende voll ausspielen: bürgernahe Daseinsvorsorge zu garantieren und die Transformation mit Blick auf heterogene örtliche Verhältnisse besser zu managen als jede andere politische Ebene.
