
Eine Lanze für die engagierte Kommunikationsarbeit der Stadtwerkesprecher und Stadtwerksprecherinnen während der Energiekrise hat Cornelia Helm, die Kommunikationsverantwortliche der Stadtwerke Hamm, zum Auftakt der ersten ZfK Media Days in Darmstadt gebrochen.
„Man kann auch mit kleinen Ansätzen weiterkommen. Ich habe einmal für die Tageszeitung die Zusammensetzung meiner Stromrechnung aufgemacht und damit einen Sturm der Begeisterung ausgelöst, auch vom WDR kam eine Anfrage“, erklärte Helm in dem ersten Panel der Media Days zur „Zukunft des Journalismus“.

Sie profitiere in der journalistischen Arbeit vor Ort von vielen langjährigen, gewachsenen Arbeits- und Vertrauensbeziehungen zu Journalisten, Anfragen von neuen, noch unerfahrenen Mitarbeitern oder Praktikanten beantworte sie anfangs öfter hingegen noch schriftlich.
Stadtwerke Hamm gehen Thema KI proaktiv an
Bei der Tagung war der aktuelle und künftige Einsatz von Künstlicher Intelligenz und seine Auswirkungen auf die Branche das zentrale Thema. Moderiert wurde die Diskussion von der stellvertretenden ZfK-Chefredakteurin Elwine Happ-Frank.
Bei den Stadtwerken Hamm geht man dieses Thema proaktiv an und sondiert mit dem Lokalradio und der Lokalzeitung die Schaffung einer Cloudlösung, in die Fotos und Informationen gestellt werden könnten. „Wir wollen gemeinsam verstehen, wie man das Thema KI mit Inhalten koppeln kann“, verdeutlichte Helm.
Breites Meinungsspektrum zu KI und Arbeitsplatzsicherheit
In weiten Teilen der Medienlandschaft befindet sich KI noch in einem Erprobungsstadium und wird als digitale Unterstützung eingesetzt, deren Inhalte aber immer noch mal von einem Menschen nachgeprüft und verifiziert werden müssen.
Sicher ist aber, dass Künstliche Intelligenz in der Medienwelt zunehmend an Bedeutung gewinnen dürfte und, dass die Lernkurve bei der Technologie schnell und groß ist.
Die Einschätzungen, was das letztlich für die Arbeitsplätze in der Branche bedeutet, gehen weit auseinander und reichen von entspannter Zuversicht bis hin zu deutlichen Warnungen vor dem Abbau von Jobs und Sozialstandards.
Von Verschlagwortung bis hin zur Suchmaschinen-Optimierung
Beim ZDF etwa wird KI zur Verifikation von Bildmaterial, etwa aus dem Gazastreifen eingesetzt. Bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung beispielsweise für die Online-Verschlagwortung des umfangreichen Archivs.
Auch bei der ZfK setzt man sich mit dem Thema auseinander. „Für die SEO-Optimierung, Vorschläge zu Überschriften, aber auch zur Unterstützung bei der Recherche und zur Automatisierung einzelner Prozesse kann ich mir das sehr gut vorstellen“, erklärte ZfK-Redakteurin Pauline Faust.
"Die junge Generation ist nicht desinteressiert"
Die KI diene der Unterstützung der Redakteure, die journalistische Grundarbeit werde aber auch künftig weiterhin der Mensch leisten, so Faust weiter. „Die junge Generation ist nicht desinteressiert und will verlässliche und gute Infos haben“, stellte sie klar.
Nicht sicher war sie hingegen, wie groß künftig die Bereitschaft in dieser Gruppe sein werde, für recherchierten Content zu bezahlen.
Die eigentlichen Gefahren von KI
„Alle Medien in Deutschland versuchen, irgendwo ein faires Bild von Sachverhalten zu zeichnen. Das verändert sich durch die KI, das ist die eigentliche Gefahr“, resümierte Wulf Schmiese, der Redaktionsleiter des „Heute Journals“ im ZDF.
Vor kurzem habe ihm sein Sohn eine SMS geschickt mit der Botschaft: „Die Israelis sollen den Palästinensern ihr Land zurückgeben“. Diese sei sehr vereinfachend und klar auf der Linie von durch KI veränderten Inhalten gewesen.
"Wir müssen als Journalisten extrem auf der Hut sein"
Gerade auf Kanälen, wie Tiktok, könne man nicht immer nachvollziehen, ob eine Aufeinanderfolge von Bildern, etwa aus dem Gazastreifen, in einem Video authentisch oder durch KI verändert worden sei.
„Da müssen auch wir als Journalisten extrem auf der Hut sein, um solche technische Anwendungen erkennen zu können“, betonte er und verwies dabei auf ein Samsunghandy, bei dem man durch bloßes Antippen alle Fotografierten mit einem Lachen versehen kann.
Schmiese: "Ich habe auch mit 20 nicht permanent Nachrichten geschaut"
„Dass KI Journalismus ersetzt, glaube ich nicht. Das bleibt ein Handwerk, das man weiterhin nur händisch ausüben kann“, prognostizierte Schmiese. Er hoffe, dass auch die junge Generation in einem Prozess der „inneren Reifung“ und des „Älterwerdens“ sich nicht mehr auf „die dünne Suppe“ auf manchen Kanälen verlasse, sondern zunehmend auf die Inhalte seriöser Bezahlzeitungen oder des öffentlich-rechtlichen Fernsehens setze. „Irgendwann kommt diese Reifung. Ich habe auch mit 20 nicht permanent Nachrichten geschaut“.
FAZ hat Leitlinie für KI-Nutzung bereits mehrfach angepasst
Seriöser Bezahljournalismus sei letztlich auch eine Form „der Daseinsvorsorge“, die unabdingbar sei, um Inhalte zu verifizieren und deren Glaubwürdigkeit und Richtigkeit sicherzustellen. „Der Konsument muss wissen, dass es Journalisten gibt, die genau dies tun“.
Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) hat für die Nutzung von KI schon vor längerem eine Leitlinie erarbeitet, die bereits mehrfach angepasst wurde, wie Inga Janović, Verantwortliche Redakteurin der FAZ Metropol, verdeutlichte.
"FAZ muss sich als relevant behaupten"
Auch die FAZ befinde sich in einem Transformationsprozess, „wir sind aber immer noch relevant“, betonte sie. Ob Apps oder neue Kanäle - man konkurriere mit völlig anderen Medien als vor 25 Jahren.
Durch die Mehrfachverwendung von Content aus der FAZ, etwa in Apps oder Portalen, griffen aber letztlich mehr Menschen auf die Inhalte zurück.
Die FAZ müsse sich weiterhin als „relevant“ behaupten, werde aber auch künftig nicht nur ein Nischendasein fristen. Mehr zum Programm der ZfK Media Days finden Sie hier. (hoe)
