Wer derzeit einen neuen Strom- oder Gasvertrag sucht, ist eher nicht zu beneiden. Angebote sind rar und oft ziemlich teuer. Wohl denen, die da noch eine Preisgarantie haben oder ohnehin nie aus der Grundversorgung gingen.
Und doch gibt es sie noch, die Schnäppchen. Obwohl Schnäppchen von heute noch vor wenigen Wochen bisweilen als teure Tarife gegolten hätten und sich manches Billigangebot schnell als Trugschluss erweisen könnte.
27,92 Cent in Nürnberg
Recht günstig sind häufig noch Sondertarife des Vor-Ort-Versorgers. Wer in Nürnberg wohnt und sich für den Tarif Strom Smart des Lokalversorgers N-Energie entscheidet, zahlt bei einem Jahresverbrauch von 1500 kWh gerade einmal 27,92 Cent pro kWh. Für andere Teile Deutschlands steht dieses Angebot hingegen nicht zur Verfügung.
Ähnliches Spiel bei Regionalversorger Enercity mit Sitz in Hannover. Für den Innenbereich der niedersächsischen Hauptstadt sind Stromverträge mit eineinhalbjähriger Laufzeit noch für einen Arbeitspreis von 28,35 Cent pro kWh zu haben. In Bremen berechnet Lokalversorger SWB gar nur 26,98 Cent pro kWh.
32,70 Cent in Berlin und Hamburg
Vergleichsweise günstig sind auch die Strompreise beim schwedischen Energieriesen Vattenfall. Zumindest für Berliner und Hamburger Neukunden, wo der Konzern zugleich Grundversorger ist. In beiden Städten wirbt Vattenfall bei Strom mit einem Arbeitspreis von 32,70 Cent (Quelle Verivox, Stand Freitagnachmittag).
Deutlich teurer sind die Preise dort, wo Vattenfall nicht Grundversorger ist. Beispiel Dortmund, wo Lokalmatador DEW 21 diesen Status innehat. Dort bieten die Schweden einen Arbeitspreis von 44,10 Cent pro kWh an (Quelle Verivox, Stand Freitagnachmittag). Das reicht aber immer noch für Platz vier im Verivox-Ranking.
Digitalanbieter in 30er-Zone
In der 30er-Cent-Zone bewegen sich zudem junge, digitale Stromanbieter wie Octopus Energy und Ostrom. Beide befinden sich mitten im Wachstumsprozess.
Ostrom berechnet für einen Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 1500 kWh in Berlin-Pankow 38,27 Cent pro kWh, Octopus Energy 38,18 Cent pro kWh. Beide Anbieter werben mit monatlich kündbaren Tarifen.
Aggressive Preise bei Billiganbietern
Verhältnismäßig niedrige Strompreise sind auch bei den Billiganbietern Primastrom und Voxenergie zu haben, die beide zum Dachunternehmen Primaholding gehören. Hier kostet eine Kilowattstunde Strom 32,24 Cent (Berlin-Pankow, Jahresverbrauch 1500 kWh).
Allerdings haben die beiden Marken in der Branche gelinde gesagt nicht den allerbesten Ruf. Erst im Februar vergangenen Jahres warnte etwa die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg vor Primastroms "perfiden Maschen". Konkret ging es um falsche Vodafone-Mitarbeiter, die Verbraucher dazu gebracht hätten, Unterlagen zu unterzeichnen, die zu einem ungewollten Vertragsschluss geführt und bestehendes Recht ausgehebelt hätten, wie die Organisation ausführte.
Plötzliche Vertragskündigung
Zudem beschwerten sich Voxenergie- und Primastrom-Kunden in jüngster Zeit auf dem Portal Trustpilot über versteckte Abschlags- und Preiserhöhungen. Einem Kunden kündigte Primastrom kurz vor Silvester kurzerhand den Stromvertrag.
Dies geht aus einem Schreiben hervor, das der ZfK vom Portal "www.Verbraucherhilfe-Stromanbieter.de" zugespielt wurde. Das Portal hat auf Sonderseiten eine Reihe weiterer Unterlagen über Voxenergie und Primastrom veröffentlicht, die das Geschäftsgebären der Anbieter dokumentieren.
Schnäppchen aus Schwarzenberg
Ein Schnäppchen ergatterte jüngst eine Neukundin bei den Stadtwerken Schwarzenberg (Sachsen), die nach eigenen Angaben nicht in der Stadt selbst wohnt. Sie zahlt einen Gas-Verbrauchspreis von 6,19 Cent pro kWh brutto inklusive Preisgarantie bis Ende 2022. Noch Ende Oktober hatten die Stadtwerke online mit diesem Angebot samt 50 Euro Neukundenbonus geworben, wie die Kundin auf Twitter dokumentierte.
Diese Zeiten sind nun vorbei. "Aktuell können wir Ihnen aufgrund der angespannten Marktsituation keine neuen Strom- und Gasprodukte anbieten", steht inzwischen auf der Website der Stadtwerke Schwarzenberg.
Eprimo: "Ein Fehler ist aufgetreten"
Auch auf den Seiten der Stadtwerke Flensburg werden Schnäppchenjäger nicht fündig. "Mit Blick auf die aktuelle, schwer vorhersagbare Entwicklung an den Strom- und Erdgas-Beschaffungsmärkten bieten wir vorübergehend keine Energieprodukte für Neukunden an", heißt es dort. Dabei belegte das Kommunalunternehmen, das bundesweit tätig ist, noch vor einigen Wochen auf gängigen Vergleichsportalen vordere Plätze.
Und auch Eons Discountermarke Eprimo scheint keine Neukunden mehr aufnehmen zu wollen. Wer nach Stromangeboten etwa für Berlin oder Essen sucht (Jahresverbrauch 2500 kWh), wird lediglich auf eine Seite weitergeleitet, auf der steht: "Ein Fehler ist aufgetreten." (aba)
