"Die Transformation von Shell in Deutschland hat begonnen und wird sich beschleunigen", erklärte Deutschland-Chef Fabian Ziegler am Dienstag während einer virtuellen Veranstaltung in Berlin. Das Unternehmen habe einen Plan entworfen, wie in Deutschland die eigenen Treibhausgasemissionen und jene, die entstehen, wenn Kunden Shell-Produkte verbrauchen, binnen eines Jahrzehnts um mehr als ein Drittel gesenkt oder kompensiert werden könnten. Allerdings müsse dafür die Politik die notwendigen Rahmenbedingungen schaffen und müssen Kunden vermehrt CO2-ärmere Produkte nachfragen, sagte Ziegler weiter.
Zur Umsetzung der Strategie kündigte der Manager an, in Deutschland "führender Anbieter von grünem Wasserstoff für Industrie- und Transportkunden" werden zu wollen, die Elektrolyse-Kapazität in der Rheinland-Raffinerie bei Köln zu verzehnfachen sowie weitere Wasserstoff-Projekte zu untersuchen. Zudem wolle Shell durch Offshore-Wind oder die kombinierte Offshore-Wind-/Wasserstoff-Produktion in die Produktion erneuerbarer Energien einsteigen.
Rund 1000 Schnellladesäulen bis zum Jahr 2030
An den Tankstellen des Ölkonzerns werden den Planungen zufolge bis zum Jahr 2030 rund 1000 Schnellladesäulen errichtet. Die Rohöl-Raffinerie im Rheinland werde zu einem "kohlenstoffarmen Energiepark" umgebaut, mit weniger Rohölverarbeitung, mehr Einsatz regenerativer Eingangsstoffe sowie "klarem Fokus auf zukunftsorientierten Energielösungen und Spezialchemieprodukten".
Ziegler avisierte im Rahmen des Transformationsprozesses eine Investitionsoffensive. "Um unser langjähriges Know-how mit neuen Denkansätzen zu vereinen, schauen wir dabei auch auf Start-ups," so der Manager.
Weltweit fallen bis zu 9000 Stellen weg
Der Shell-Konzern insgesamt muss wegen des drastischen Ölpreisverfalls während der Corona-Krise Tausende Stellen abbauen. Bis Ende 2022 sollen 7000 bis 9000 Stellen gestrichen werden, teilte das britisch-niederländische Ungternehmen am Mittwoch in London mit. Darin seien die rund 1500 Mitarbeiter enthalten, die bereits eine Abfindung in einem seit einiger Zeit laufenden Stellenabbau angenommen haben. Shell beschäftigte zuletzt eigenen Angaben zufolge mehr als 80.000 Menschen in über 70 Ländern.
Durch den Stellenabbau sollen die jährlichen Kosten um 2 bis 2,5 Milliarden US-Dollar (rund 1,7 bis 2,1 Mrd. Euro) gesenkt werden. Shell kündigte zudem wegen des anhaltenden Drucks auf die Margen eine Abschreibung von 1 bis 1,5 Milliarden Dollar im dritten Quartal an. "Wir müssen eine schlankere, wettbewerbsorientiertere Organisation werden, die beweglicher auf die Bedürfnisse von Kunden reagieren kann", sagte Konzern-Chef Ben van Beurden. In der Branche ist Shell kein Einzelfall: Auch der französische Konzern Total sowie die US-Ölmultis ExxonMobil und Chevron hatten zuletzt herbe Verluste ausweisen müssen. (hil/dpa)



