Bilanzpressekonferenz bei den Stadtwerken Gießen (von links): Die Aufsichtsratsvorsitzende Astrid Eibelshäuser sowie die Vorstände der Stadtwerke Gießen, Matthias Funk und Jens Schmidt.

Bilanzpressekonferenz bei den Stadtwerken Gießen (von links): Die Aufsichtsratsvorsitzende Astrid Eibelshäuser sowie die Vorstände der Stadtwerke Gießen, Matthias Funk und Jens Schmidt.

Bild: © Stadtwerke Gießen

Die Stadtwerke Gießen (SWG) haben im Coronajahr 2020 gleich in mehreren Bereichen von der Digitalisierung profitiert. Im ÖPNV wurde erfolgreich eine Softwarelösung eingesetzt, die die kommunale Unternehmensgruppe gemeinsam mit dem Beratungshaus Brodtmann Consulting entwickelt hat. Das intelligente Tool Ventura Analytics habe es ermöglicht, die Auslastung der verschiedenen Busse auf den verschiedenen Linien sehr gut zu prognostizieren, heißt es in der Pressemitteilung. Seit Mai stehen die Daten auch Fahrgästen zur Verfügung.

Zudem werde das im vergangenen Jahr aufgebaute LoRaWAN-Netz mittlerweile von einigen Gießener Schulen genutzt, um den CO2-Gehalt in der Raumluft zu messen. Sensoren sammeln die entsprechenden Informationen und übermitteln sie an einen Server bei den SWG. Wird ein kritischer Wert überschritten, sendet der zentrale Rechner ein Signal, das zum Lüften auffordert. „Kommunen und Unternehmen können von der LoRaWAN-Technologie profitieren“, sagt SWG-Vorstand Matthias Funk. Deshalb werde man das Netz in den kommenden Monaten und Jahren immer weiter ausbauen.

Auch Effizienzsteigerungen führen zu wichtigem Ergebnisbeitrag

Trotz Coronakrise und den damit verbundenen deutlichen Einbußen im ÖPNV und im Bäderbereich haben die SWG ihren Jahresgewinn im Geschäftsjahr 2020 auf 10,9 Mio. Euro (2019: 8,7 Mio. Euro) steigern können. Dazu haben maßgeblich steuerliche Effekte sowie der Bauboom und die Strategie „Konsolidieren und Optimieren“ beigetragen, heißt es in der Pressemitteilung. Unter anderem habe die Risikovorsorge in den Vorjahren zu einer verminderten Steuerzahlung geführt. Der Umsatz des Unternehmens legte leicht zu auf 413, 9 Mio. Euro (2019: 410,1 Mio. Euro).

Während der Stromabsatz mit 1,35 Mrd. kWh annähernd konstant blieb, ging der Gasabsatz deutlich zurück auf 880 Mio. kWh (2019: 1,09 Mrd.). Wie in den Vorjahren gehen 2,5 Millionen Euro von dem Gewinn als Ausschüttung an die Stadt Gießen. Insgesamt 8,2 Millionen Euro werden als Rücklage eingestellt.

Erfolgreiche Marktumstellung während des ersten Lockdowns

Die beherrschenden großen Themen bei den SWG waren auch im vergangenen Jahr die Energiewende und die Digitalisierung. Aber auch das Großprojekt Marktraumumstellung, das zu großen Teilen in den ersten Lockdown fiel, konnte erfolgreich abgeschlossen werden. Rund 24.800 Gasgeräte wurden von L- auf H-Gas umgestellt.

Auch bei der Wärmeerzeugung erreichten die SWG einen wichtigen Meilenstein. Mit der  TREA 2 ging ein modernes und laut SWG hocheffizientes Heizkraftwerk, das hochkalorische Abfälle in Wärme und Strom verwandelt, Ende 2020 in den Regelbetrieb.

Anteil regenerativer Brennstoffe in Wärmeerzeugung soll ausgeweitet werden

Angesichts der Einführung einer CO2-Bepreisung hat der Kommunalversorger im laufenden Jahr seine Preise für Erdgas und Fernwärme erhöht. Weitere Preiserhöhungen seien mit Blick auf die geplanten Steigerungen der CO2-Preise in den nächsten Jahren absehbar, heißt es. Um dem entgegenzuwirken, soll der Anteil der regenerativen Brennstoffe bei der Fernwärme-Erzeugung in den nächsten Jahren spürbar erhöht werden, kündigte SWG-Vorstand Jens Schmidt an.

Als zentrale Aufgabe sieht er in den kommenden Jahren  die konsequente Optimierung von Prozessen und Strukturen bei den SWG an.  Das beziehe sich aber nicht nur auf die internen Abläufe, sondern auch auf die zahlreichen Erzeugungsanlagen. „Wir werden noch stärker als bisher auf innovative Lösungen setzen. Um den Einsatz fossiler Energieträger weiter zu reduzieren, die CO2-Emissionen spürbar zu senken und so einen entscheidenden Beitrag zur Energiewende vor Ort und zum Klimaschutz zu leisten.“ (hoe)

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