Ein Screenshot von der Webseite des Lokalmediums "Ruhrnachrichten".

Ein Screenshot von der Webseite des Lokalmediums "Ruhrnachrichten".

Bild: © Ruhrnachrichten

Ein junger Mann hält sich von außen an einer fahrenden Bahn fest - ohne Sicherung und am hellichten Tage. Es ist eine gefährliche Aktion, die ihn das Leben kosten könnte. Dieses Video aus Dortmund macht in den Sozialen Medien die Runde.

Auch die lokale Zeitung, die "Ruhrnachrichten", teilen die Aufnahme des U-Bahn-Surfers mit Reaktionen aus der Online-Community. Betitelt wird der Onlineartikel mit dem Zitat: "Ist zwar dumm, macht aber jede Menge Spaß."

Für die Kommunikationsabteilung des betroffenen Kommunalversorgers ist diese Veröffentlichung ein großes Ärgernis. "Ich rufe sehr ungern in Redaktionen an", erzählt Frank Fligge, Leiter der Konzernkommunikation von DSW21 bei einem Vortrag auf dem VKU-PR-Forum. "Ich habe selbst als Journalist gearbeitet und respektiere die journalistische Unabhängigkeit."

Bei dem Artikel habe das Unternehmen aber intervenieren müssen, die Veröffentlichung sei allgemeingefährlich. Nach dem Anruf ändert die Redaktion die Überschrift zu "Sehr unüberlegt und gefährlich".

Der Artikel über den U-Bahn-Surfer ist nur ein Beispiel. Fligge sieht einen zunehmenden Qualitätsverlust bei den lokalen Medien, die zunehmend auf Clickbaiting und Reichweite setzten. Die Artikel würden eine "Neugierlücke" aufreißen, statt nachrichtlich zu informieren.

Sperrige Themen der Daseinsvorsorge

Für Fligge ist das Clickbaiting-Zeitalter die Konsequenz aus der wirtschaftlichen Situation. Die lokalen Medien seien unter Druck und verschwänden bereits an vielen Orten. Gleichzeitig gehe ihre Reichweite zurück.

"Wir können immer weniger davon ausgehen, dass wir mit unseren sperrigen und trockenen Themen der Daseinsvorsorge in der Berichterstattung Niederschlag finden", sagt Fligge.

Stadtwerke müssen eigene Reichweite aufbauen

"Wir müssen unsere eigene digitale Reichweite ausbauen", folgert der Kommunikator. Mittlerweile zöge die DSW-Gruppe "ohne Rücksicht auf Verluste" das eigene Themensetting durch.

Das hieße, zeitgleich auf allen Kanälen zu kommunizieren und nicht wie in der Vergangenheit, der Presse einen Informationsvorsprung zu geben: "Wenn wir eine Medieninfo rausgeben, veröffentlichen wir diese parallel auf unseren eigenen Kanälen."

Am Ende schlussfolgert Fligge: "Stadtwerke machen keinen Journalismus sind aber häufig seriöser." (pfa)

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