Matthias Lux ist Vorsitzender Geschäftsführer der Stadtwerke Halle, die nun der Stadt aushelfen sollen.

Matthias Lux ist Vorsitzender Geschäftsführer der Stadtwerke Halle, die nun der Stadt aushelfen sollen.

Bild: © Stadtwerke Halle

Halle an der Saale ist verschuldet: über eine halbe Milliarde Euro steht die sachsen-anhaltische Stadt im Minus. Das Landesverwaltungsamt hat daher Sparmaßnahmen angeordnet, eine Zwangsverwaltung steht sonst im Raum. Der Stadtrat rang sich am Mittwoch, 25. März, nun zu einem Sparhaushalt für das aktuelle Kalenderjahr durch: Mit 26 Ja-Stimmen, zu 25-Nein- Stimmen und drei Enthaltungen.

Die Zustimmung sei nur möglich geworden, da vor der Sitzung bekannt geworden sei, dass "da ein bisschen Geld aufgetaucht ist" – von den Stadtwerken Halle (SWH), hieß es in einem Bericht des MDR. Die Stadtwerke Halle und ihre Verkehrstochter Havag schütten einmalig acht Millionen aus, fünf sollen von den Stadtwerken kommen und drei von der Havag. Die Stadtwerke Halle gehören hundertprozentig der Stadt.

Gute Gewinne machen es möglich

"Die SWH-Gruppe war in die Gespräche eingebunden und hat eine Alternative vorgeschlagen, die der Stadtrat übernommen hat", erklärt Matthias Lux, vorsitzender Geschäftsführer der Stadtwerke Halle. Das Geld sei nicht "einfach aufgetaucht". "Hintergrund ist, dass sich abzeichnet, dass die SWH-Gruppe 2025 ein um circa 5 Millionen Euro besseres Jahresergebnis als geplant erreichen wird." Unter anderem läge dies an guten Ergebnissen bei Energie und Entsorgungsleistungen sowie Effekten aus einem Ergebnis- und Effizienzsteigerungsprogramm. Die Stadtwerke schlossen bereits das Geschäftsjahr 2024 mit einem außergewöhnlich hohen Jahresüberschuss von 21 Millionen Euro ab, rund doppelt so viel wie im Vorjahr.

Laut dem Geschäftsführer stammen fünf Millionen Euro aus dem erwarteten besseren Jahresergebnis der SWH-Gruppe in 2025, das von den Geschäftsfeldern Energie und Entsorgungsleistungen getragen wird. Zudem gab es mehr Besucher im Freizeitbad Maya mare – alles Effekte, die nicht aus der Havag kommen. "Um der Stadt Luft zu verschaffen, haben wir hier eine Gewinnausschüttung von 5 Mio. Euro verteilt auf die Jahre 2026 und 2027 vorgeschlagen", erklärt Lux.

Stadtwerke haben selbst riesigen Investitionsbedarf

Bei den drei Millionen von der Havag handelt es sich um folgendes: Mehr Fahrgäste und Vertriebserfolge einerseits und ein teilweise schon 2025 wirkendes Effizienzsteigerungsprogramm andererseits führen dazu, dass die HAVAG in 2025 einen um circa drei Millionen geringeren Ausgleichsbedarf ausweise. Diese drei Millionen Euro minderten den geplanten städtischen Anteil des Zuschusses zum ÖPNV um zweimal 1,5 Millionen Euro.

Dabei haben die Stadtwerke selbst einen riesigen Investitionsbedarf über fast alle Geschäftsfelder. Den gesamten Transformationsprozess bezifferte die Stadtwerke-Gruppe im Jahresabschluss 2024 einen Investitionsmehrbedarf von 1.207 Millionen Euro in zehn Jahren. Dort hieß es auch: "Stadtwerke und Gesellschafterin suchen hier seit Beginn des Prozesses in den beteiligten Gremien nach der besten Lösung beim Einsatz von Fremd- und Eigenkapital."

"Wir halten am Transformationskurs im Geschäftsfeld Energie fest", versicherte Lux nun. Ebenso an den geplanten Investitionen in den Feldern "Mobilität", "Wasser und Entsorgung“ sowie "Service“. Sie zusammen machten den genannten Investitionsbetrag aus. Diese Überzeugung sei von dem Konsolidierungsbeitrag nicht betroffen, da es sich um ein Mehrergebnis (im Sinne von "mehr als geplant") handelt.

Wenn es der Mutter schlecht geht, müssen die Töchter helfen.

Matthias Lux, vorsitzender Geschäftsführer der Stadtwerke Halle

Auch die vereinbarten Therausierungen sollen Bestand haben. Konkret geht es um eine langfristige Wirtschaftsplanung, die einen Eigenkapitalanteil an der Finanzierung von circa 150 Millionen Euro für zehn Jahre vorsieht – etwa 100 Millionen davon aus Einlagen. "An unseren planmäßigen Thesaurierungen halten wir fest, sie sind davon nicht tangiert", so Lux. "Wir können die Ausschüttung vornehmen, ohne den geplanten Kurs zu beeinträchtigen." Zudem gelte: "Wenn es der Mutter (Stadt) schlecht geht, müssen die Töchter (wir) helfen."

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