Bei der Bilanzpressekonferenz im vergangenen April sprach Rumstadt davon, dass einige Investoren Interesse sowohl an einem Einstieg beim fünfgrößten deutschen Stromproduzenten als auch am Kauf von Kraftwerken zeigten. Das Interesse bestehe weiterhin, erklärte Rumstadt im Interview mit der ZfK. Die Steag gehört dem Stadtwerke-Konsortium Rhein-Ruhr (KSBG). Es gebe nach wie vor Unternehmen, "die der Meinung sind, dass man in Deutschland als dem bedeutendsten europäischen Strommarkt in Kapazitäten investieren sollte", so der Energiemanager.
"Auf der Ebene unserer Muttergesellschaft KSBG besteht unter deren Gesellschaftern Konsens, einen Partner mit ins Boot zu holen. Aus der Sicht des Steag-Managements wäre eine Kapitalerhöhung natürlich die schönste Lösung. Aber das habe ich nicht zu entscheiden, das liegt in den Händen der KSBG und deren Anteilseignern. Ich kann mir sowohl institutionelle als auch Finanzinvestoren als Partner vorstellen", sagte Rumstadt.
Dämpfer im Inlandsgeschäft
Mit Finanzinvestoren wie den Versicherungskonzernen Allianz oder Münchner Rück, aber auch mit der australischen Investmentbank Macquarie arbeite der Energiekonzern auf Projektebene schon seit vielen Jahren "vertrauensvoll zusammen". "Es gibt Finanzinvestoren, die haben einen weiten Anlagehorizont und ein klares, völlig berechenbares Motiv, sich zu engagieren. Und sie sind in der Lage, Wachstum mitzugehen", erklärte der Steag-Chef weiter.
Mit Blick auf das bald zu Ende gehende Geschäftsjahr 2018 sprach Rumstadt von einem durchwachsenen Jahr. Während das Unternehmen im Inland Dämpfer habe hinnehmen müssen, sorgte das Auslandgeschäft für "positive Effekte". "In Deutschland mussten wir erhebliche Mehrkosten im Fernwärmebereich verkraften", so der Manager.
Kostenstruktur im Ausland verbessert
Im Auslandsgeschäft lief es besser. "Unser Transformationsprogramm Fit for Future, das wir 2018 am türkischen Kraftwerksstandort Iskenderun aufgelegt haben, übertragen wir nun auch auf unsere anderen Auslandsstandorte, um die Kostenstruktur der Betriebsführung zu optimieren. Da kommen erhebliche Beträge zusammen", sagte Rumstadt. Im April hatte Steag für 2018 bereits ein bis zu 30 Prozent niedrigeres operatives Ergebnis in Aussicht gestellt. "Stand heute werden wir unser EBIT-Ziel erreichen."
Angesichts von in der Kohlekommission diskutierten Überlegungen zu vorzeitigen Stilllegungen bis zum Jahr 2022 betonte Rumstadt, hier sei der Essener Stromerzeuger bereits erheblich in Vorleistung gegangen. "Bis zum Jahr 2022 sehe ich überhaupt keinen Bedarf für Steag, weitere Kraftwerkskapazität aus dem Markt zu nehmen. Wir haben in den vergangenen acht Jahren gut die Hälfte unseres Kraftwerksparks aus unternehmerischer Verantwortung – übrigens ohne staatliche Stilllegungsprämien zu bekommen oder betriebsbedingte Kündigungen auszusprechen – vom Netz genommen", sagte Rumstadt.
Entschädigungsanspruch bekräftigt
Von einem endgültigen Kohleausstieg in den späteren 30er Jahren sei der Konzern nur noch in begrenztem Ausmaß betroffen. Der Kraftwerkspark der Steag sei dann ohnehin "noch einmal deutlich kleiner als heute". Allerdings mit Ausnahmen. So gebe es "hochmoderne Kraftwerke wie etwa Walsum 10 in Duisburg, da kann ich mir im Moment nicht vorstellen, dass wir in absehbarer Zeit einer von der Politik gewollten Abschaltung widerspruchslos zustimmen würden", betonte Rumstadt.
Juristische Schritte seien nicht auszuschließen. "Ich bin der festen Überzeugung, dass wir in einem solchen Fall einen Entschädigungsanspruch haben. Das hat die verfassungsgerichtliche Rechtsprechung zum Kernenergieausstieg gezeigt – und so interpretiere ich auch die Signale, die aktuell aus der Kommission kommen", erklärte der Konzernchef. Generell ziehe es die Steag aber vor, den Kohleausstieg "im gesellschaftlichen und politischen Konsens zu regeln". (hil)
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Das komplette Interview mit Steag-Chef Joachim Rumstadt lesen Sie in der aktuellen Dezember-Ausgabe der ZfK.
