Der Essener Energiekonzern Steag hat im vergangenen Jahr sein Konzernergebnis nach Steuern deutlich auf 131,9 Mio. Euro (Vorjahr: 12,7 Mio. Euro) gesteigert. An die Stadtwerkegesellschafter, die ihre Anteile in der Kommunalen Beteiligungsgesellschaft gebündelt haben, werden erneut 45 Mio. Euro abgeführt. Auch operativ verzeichnete das Unternehmen einen Zuwachs, das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) kletterte auf 210,2 Mio. Euro (Vorjahr: 160,2 Mio.). Hierzu trugen aber auch positive Einmaleffekte bei.
Über 60 Prozent des Ebit entfällt auf den Bereich Kraftwirtschaft, der Rest auf die Bereiche erneuerbare Energien und dezentrale Anlagen. Der Konzernumsatz hingegen ist weiter eingebrochen von 2,9 Mrd. Euro im Vorjahr auf nunmehr 2,1 Mrd. Euro. Begründet wird der Rückgang mit der insgesamt geringeren Auslastung der inländischen Steinkohlekraftwerke.
Große Energieverbraucher drosseln Produktion
Der Ausblick für das laufende Jahr fiel indes ähnlich verhalten aus wie bei sämtlichen Bilanzpressekonferenzen der vergangenen Wochen. Als einer der großen Strom- und Wärmeerzeuger bekomme auch die Steag die Auswirkungen der Corona-Pandemie deutlich zu spüren, heißt es in einer Pressemitteilung. Große Energieverbraucher, vor allem aus der Industrie, unterbrechen oder drosseln ihre Produktion. In der Folge seien die Stromnachfrage gesunken und die Strompreise gefallen. "Der Start in das Jahr 2020 war recht erfreulich, in den ersten drei Monaten lagen wir über Plan", sagt Joachim Rumstadt, der Vorsitzende der Geschäftsführung der Steag GmbH. Doch nun gebe es eine deutliche Trendwende.
Ausweitung der Kurzarbeit wird geprüft
Das gelte insbesondere für den für die Steag wichtigen Strommarkt Türkei. Ferner befinden sich 140 Beschäftigte der in Deutschland tätigen Konzerntochter Steag Technischer Service derzeit in Kurzarbeit. Der Hintergrund: Sowohl an den Steag-Kraftwerken als auch den Anlagen externer Kunden wurden Instandhaltungsmaßnahmen verschoben oder auf ein Minimum zurückgefahren. Auch in anderen Unternehmensbereichen werde die Einführung von Kurzarbeit geprüft.
Zentralen Einfluss auf den weiteren Umbau der Steag in Richtung erneuerbare Energien und die dafür benötigten Investitionsmöglichkeiten hat das Kohleverstromungsbeendigungsgesetz (KVBG). Dieses soll voraussichtlich im Sommer verabschiedet werden. Hier sehen sich die Steag und die anderen Steinkohlekraftwerksbetreiber in puncto Stilllegungsfristen und der Höhe der Entschädigungszahlungen gegenüber der Braunkohle deutlich benachteiligt und fordern Nachbesserungen. Trage die Bundesregierung diesen Einwänden nicht Rechnung, behalte sich die Steag vor, Klage gegen das KVBG zu erheben, so das Unternehmen.
Meilensteine im Transformationsprozess
Der Energiekonzern durchläuft seit 2016 einen umfassenden Transformationsprozess. Hier sieht die Geschäftsführung das Unternehmen auf Kurs. Auch im vergangenen Jahr seien wichtige Meilensteine erreicht worden. Beispielhaft wurde die strategische wichtige Akquisition der Steag Solar Energy Solutions (SENS) genannt, rund um die der Konzern ein starkes Standbein bei der Entwicklung und schlüsselfertigen Errichtung großer Freiflächen-Photovoltaik-Anlagen aufbaut.
Weitere Beispiele sind das Wasserstoff-Projekt „HdydroHub Fenne“, das im Rahmen der Reallabore der Energiewende gefördert wird, sowie der Bau eines Gas- und Dampfturbinenkraftwerks in Herne gemeinsam mit Siemens und die Errichtung einer neuen Prozessdampfversorgung für die BP-Raffinerie in Gelsenkirchen-Scholven.
Neue Möglichkeiten in der Finanzierung
Alle diese Beispiele zeigten, dass Steag den Beschlüssen des Pariser Klimaschutzabkommens und den CO2-Reduzierungszielen der Europäischen Union in ihrem unternehmerischen Handeln konkret Rechnung trage. Im Vergleich zu 1990 hat das Unternehmen seine CO2-Emissionen bis Ende 2019 um 79 Prozent gesenkt.
Der Konzernumbau eröffnet auch neue Möglichkeiten in der Finanzierung. Anfang des Jahres wurde der Prozess für ein grünes ESG-Rating erfolgreich abgeschlossen. Ein solches Rating, das insbesondere Umweltthemen bewertet, wird als Auswahlkriterium für institutionelle Investoren zunehmend wichtiger. Auf dieser Basis strebt STEAG an, erstmals grüne Finanzierungsinstrumente zu platzieren.
Verhaltener Ausblick
Für das laufende Geschäftsjahr ist die Steag-Geschäftsführung zu Jahresbeginn von einem Umsatzanstieg auf 2,4 Milliarden Euro ausgegangen. Für das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) war wegen des Fehlens ähnlich hoher positiver Einmaleffekte wie 2019 zunächst ein Minus von rund zehn Prozent eingeplant. Wegen der negativen Auswirkungen der Coronakrise auf die Wirtschaft wird nunmehr davon ausgegangen, dass die ursprünglichen Planungen trotz bereits eingeleiteter ergebnissteigernder Maßnahmen nicht mehr erreicht werden können. (hoe)
