Dem angeschlagenen Essener Steag-Konzern droht ohne finanzielle Unterstützung seiner Gesellschafter und der Banken ab September 2022 eine Liquiditätskrise. Dies schreibt die Westdeutsche Allgemeine Zeitung unter Berufung auf ein Sanierungsgutachten der Unternehmensberatung Roland Berger.
Grund sind vor allem Wertminderungen der Steinkohlekraftwerke durch den Kohleausstieg sowie weitere Rückstellungen. Die Berater geben dem Unternehmen grundsätzlich aber eine gute Sanierungsperspektive, allerdings stünden der Steag vier harte Jahre bevor. Unter anderem müssten weltweit in den kommenden Jahren 1550 der rund 6000 Arbeitsplätze des Unternehmens abgebaut werden.
Ausschüttungen an Gesellschafter werden gestundet
Auftraggeber des Gutachtens ist die Kommunale Beteiligungsgesellschaft (KSBG). In dieser sind die Steag-Anteile der Kommunen Dortmund, Essen, Duisburg, Bochum, Oberhausen und Dinslaken gebündelt.
Um die Finanzierungslücke der Steag, die vor allem mit hohen Kreditlasten zusammenhängen soll, kurzfristig zu schließen, wird die vertraglich vereinbarte Gewinnabführung an die Gesellschafter in diesem und im kommenden Jahr gestundet. Dieses Geld wird benötigt, um die jährlichen Tilgungsraten der KSBG für den Kauf der Steag-Anteile zu bedienen.
Vereinbarung der Gesellschafter
Auf einen Teil davon verzichten die Banken, rund 30 Mio. Euro übernehmen die Städte Duisburg, Dortmund, Essen und Dinslaken. Bochum und Oberhausen waren nicht mehr bereit, finanzielle Mittel für die Steag zur Verfügung zu stellen. Als Gegenleistung sollen die Städte, die jetzt einspringen und finanzielle Lasten für andere mittragen, bei dem angestrebten Verkauf der Steag nach erfolgreicher Restrukturierung bevorzugt behandelt werden.
"Tragfähiges Finanzierungskonzept" angemahnt
Bis zu einer Verkaufssumme von 375 Millionen Euro sollen die Kommunen, die jetzt noch einmal nachschießen, einen deutlich größeren Anteil erhalten. Alles, was darüber liegt, soll nach den alten Anteilen ausgezahlt werden. Laut ZfK-Informationen haben sich die Steag-Eigentümer und die RAG-Stiftung, die in Kürze in einem Treuhänder-Modell die Steag sanieren soll, einvernehmlich auf dieses Vorgehen geeinigt.
Langfristig werde aber ein "tragfähiges Finanzierungskonzept" zur Schließung der Finanzierungslücken der Steag benötigt, heißt es in dem Gutachten. Für das Geschäftsjahr 2020 rechnet die Steag laut dem Artikel mit einem Verlust von 278 Mio. Euro, im laufenden Jahr mit einem Defizit von 130 Mio. Euro. 2022 halten die Gutacher dann wieder eine schwarze Null für möglich, 2025 dann sogar einen Gewinn von rund 175 Mio. Euro.
Der zu erzielende Verkaufspreis des sanierten Steag-Konzerns wird von Beratungsunternehmen auf 200 Mio. bis 1,1 Mrd. Euro geschätzt – in Abhängigkeit von der Situation des Unternehmens und des Marktes in drei Jahren.
Treuhandvertrag soll Ende Juni/Anfang Juli unterschrieben werden
Ende Juni/Anfang Juli dieses Jahres soll der Treuhandvertrag mit der RAG-Stiftung unterschrieben und die Gesellschafteranteile auf diese übertragen werden. Im Laufe des Jahres 2023 soll die Steag dann saniert sein und die vereinbarten Ausschüttungen leisten können. Neben den seit längerem verkaufswilligen fünf Steag-Gesellschaftern hatte jüngst auch Dortmund betont, dass eine Veräußerung der Beteiligung kein Tabu mehr sei. (hoe)
