Das Verwaltungsgebäude der Steag in Essen.

Das Verwaltungsgebäude der Steag in Essen.

Bild: © Steag

Steinkohlekraftwerke müssen laut dem Vorsitzenden der Steag-Geschäftsführung, Joachim Rumstadt, in der Startphase des Kohleausstiegs bis 2022 die Hauptlast der Stilllegungen tragen - ungeachtet einer besseren CO2-Bilanz und einer höheren Flexibilität im Vergleich zu Braunkohlekraftwerken. Die Braunkohle hingegen werde gemäß den Empfehlungen der Kommission für Wachstum, Struktur und Beschäftigung (WSB) komplett verschont.

"Dies ist keine ökonomische, keine ökologische, sondern eine rein politische Entscheidung. Hier wird offenbar Rücksicht auf die bevorstehenden Landtagswahlen genommen", kritisierte Rumstadt zum Auftakt der Bilanzpressekonferenz am Dienstag in Essen. Die Steag zählt zu den führenden Betreibern von Steinkohlekraftwerken in Deutschland. Von den 12,5 GW Leistung, die bis Ende 2022 vom Netz gehen, entfallen laut Steag fast zwei Drittel auf Steinkohlekraftwerke.

Steag für einzelvertragliche Regelung der Stilllegungsprämien

Der Energiemanager begrüßte ausdrücklich, dass die Kohlekommision sich gegen einen entschädigungslosen Eingriff in die Eigentumsrechte der Kraftwerksbetreiber ausgesprochen hat und  die "ordnungsrechtlich veranlasste Stillegung nur als letztes Mittel offengehalten hat".  Dies schaffe nach den schlechten Erfahrungen beim Ausstieg aus der Kernenergie Rechtssicherheit. Er machte gleichzeitig deutlich, dass der Essener Energiekonzern einzelvertragliche, differenzierende Regelungen bei der Festlegung von Stilllegungsprämien gegenüber einem öffentlichen Auktionsverfahren präferiere. Als Orientierungsgröße für eine angemessene Entschädigung nannte er  rund 600 Mio. Euro pro GW im Steinkohlebereich.

Zum Thema Stilllegungen habe es bisher noch keine Gespräche mit den zuständigen Bundes- und Fachbehörden gegeben, versicherte Rumstadt auf Journalisten-Nachfrage. Mit Blick auf 2022 sehe er eine ganze Reihe anderer Steinkohlekraftwerke in Deutschland, die zeitlich vor weiteren Steag-Anlagen aus dem Markt gingen.  "Von der technischen Seite können wir sämtliche unserer Standorte bis 2038 fahren", erklärte er. Ob das dann tatsächlich der Fall sei, hänge vom gesetzlichen Rahmen und der Entwicklung der Erzeugungskapazitäten in Europa ab, dort stünden ja ebenfalls etliche Kraftwerksstillegungen an.

Viel Potenzial bei Umrüstung von Kohle auf Gas

Steag werden die Herusforderung Kohleausstieg annehmen. "Und wir werden sie auch dieses Mal bestehen. Ich bin fest davon überzeugt: Unsere Strategie bildet die Zukunft ab", bekräftigte der Steag-Chef. An einigen Stellen nenne der Bericht der Kohlekommission bereits Anforderungen an das energiewirtschaftliche Modell der Zukunft, für die Steag schon heute passende Lösungen anbiete. Als Beispiel nannte er den Neubau von Gas- und Dampfturbinen-Anlagen an bereits bestehenden Steag-Kraftwerksstandorten. "Wir sind gespannt, welche Fördermöglichkeiten es beispielsweise für Umrüstungen von Kraftwerksstandorten von Steinkohle- auf Gasbefeuerung und für den Neubau von Gas- und Dampf-Anlagen geben wird", so Rumstadt.

Diese Potenziale lassen sich aber nur mit einer Verlängerung des KWK-Gesetzes  heben, ergänzte Steag-Geschäftsführungsmitglied Wolfgang Cieslik. Auch im Bereich der Wärmeversorgung mittels KWK kann die Steag als einer der größten Fernwärmeanbieter in Deutschland viel Know-how einbringen. Zudem verfügt das Unternehmen über verschiedene qualifizierte Energieknotenpunkte, an denen Zugänge zu Strom- und Wärmenetzen liegen, so in Herne, Duisburg-Walsum und Vöklingen-Fenne. Diese Standorte wolle man so ausbauen, dass die "Energieversorgung in Deutschland die Stabilität behält, die wir als Industrienation dringend benötigen." Einen Artikel über die Bilanzzahlen der Steag finden Sie hier.  (hoe)

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