Ein Stromzähler in einem privaten Haushalt.

Ein Stromzähler in einem privaten Haushalt.

Bild: © Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa

Die Insolvenzwelle bei Energiediscountern sorgt bei den Grundversorgern zunehmend für Unmut. «Die Grundversorger stecken jetzt die Prügel für den Schaden ein, den Unternehmen mit fragwürdigen Geschäftsmodellen verursacht haben», fasst der Geschäftsführer der Stadtwerke Suhl/Zella-Mehlis, Tino Schäfer, zusammen. Kunden, die von einer solchen Insolvenz betroffen seien oder wegen extremer Preiserhöhungen einseitig gekündigt hätten, fielen zunächst in die Grundversorgung zurück. Weil diese Entwicklung bei der Planung der Grundversorger nicht absehbar gewesen sei, müssten manche Unternehmen nun teuer Strom nachkaufen, um den Ansturm zu bewältigen.

So wurden in der Landeshauptstadt rund 1500 Strom- und 500 Gaskunden durch die Grundversorgung aufgefangen, wie Stadtwerke-Sprecher Ivo Dierbach sagte. Bei den Stadtwerken Jena waren rund 1000 Kunden betroffen, bei den Stadtwerken Suhl/Zella-Mehlis 500 bis 600, so die Sprecher. Im Versorgungsgebiet der Stadtwerke Nordhausen kamen einem Sprecher zufolge etwa 160 Haushalts- und Gewerbekunden dazu.

Unterschiedliche Folgen

Die Folgen sind unterschiedlich. Im Versorgungsgebiet Suhl/ Zella-Mehlis etwa könnten die Preise von 2021 in den kommenden Monaten gehalten werden, sagte Schäfer. Gleiches gilt für die Energieversorgung Nordhausen. Der Neukundenwechsel mache dort nur etwa ein Prozent der rund 20 000 Kunden aus und sei eher moderat.

Die Stadtwerke Energie Jena-Pößneck mussten bereits Ende 2021 zum ersten Mal zwischen Neu- und Bestandskunden unterscheiden, sagte Sprecherin Tina Schnabel. «Neue Kunden in der Grund- beziehungsweise Ersatzversorgung zahlen einen höheren Preis, der zumindest teilweise die zusätzlichen Belastungen durch gestiegene Beschaffungspreise berücksichtigt.» Ein Wechsel in einen günstigeren Tarif sei aber möglich.

Die Stadtwerke Erfurt mussten Dierbach zufolge den Vertrieb von Strom und Gas an Neukunden vorläufig einstellen. Der Grundpreis für die Grund- und Ersatzversorgung werde dort ab 1. März um etwa vier Cent pro Kilowattstunde angehoben. Auch bisher nicht von einer Erhöhung betroffene Grundversorger rechnen damit, dass die Preise in Zukunft weiter steigen könnten.

Wegfall der EEG-Umlage kurze Entspannung

«Aktuell müssen wir - wie fast alle Stadtwerke deutschlandweit - für etwas geradestehen, was andere Marktakteure wie "Energie-Billiganbieter" oder auch Vergleichsportale mit "Schnäppchenansatz" zu verantworten haben», fasste Schnabel die Lage zusammen. Die Stadtwerke Weimar fordern daher, dass für Anbieter ein Ende der Geschäftstätigkeit ohne Erfüllung der Vertragspflichten erschwert wird. Der Stadtwerke-Manager Schäfer sprach sich dafür aus, Unternehmen mit «fragwürdigen Geschäftsmodellen» stärker zu regulieren. Im vergangenen Jahr hätten innerhalb weniger Monate so viele Energieversorger Insolvenz angemeldet wie normalerweise in fünf Jahren.

Die Entscheidung, die EEG-Umlage nun früher als geplant abzuschaffen, sei begrüßenswert, aber zu kurz gegriffen, sagte Schäfer: «Die Bezugskosten haben sich in den vergangenen Monaten massiv erhöht, die Börsenpreise für Strom haben sich vervielfacht.» Der Wegfall der EEG-Umlage bringe eine kurzfristige Entspannung. Ein deutlicher Temperaturabfall in den kommenden Monaten und höherer Energiebedarf könne die Situation wieder verschärfen. Um die absehbaren deutlichen Preissteigerungen zu verhindern, müssten Wege gefunden werden, die Bezugspreise langfristig zu senken. (dpa/sg)

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