2022, im zweiten Geschäftsjahr nach der Rekommunalisierung des Berliner Stromnetzes erreicht Stromnetz Berlin einen Gewinn von 82,7 Mio. Euro. Das gesamte Geld wird in das Stromnetz reinvestiert.
Der Netzausbau ist laut Geschäftsführer Erik Landeck eine große Aufgabe: "Wir können als Netzanbieter nicht warten, sondern müssen den Kunden einen Schritt voraus sein", sagt der Ingenieur bei der Vorstellung des aktuellen Jahresabschlusses. Bis 2033 soll die Höchstlast auf 4,1 GW angehoben werden, das ist eine Verdopplung zum vergangenen Jahr. Dafür sollen in den nächsten vier Jahren 1,7 Milliarden Euro investiert werden. 2023 sind dafür rund 285 Mio. Euro eingeplant, im vergangenen Jahr waren es noch 265 Mio..
Die Mittel beschafft das Mutterunternehmen Berlin Energie und Netzholding. Diese zahlt auch die Ertragssteuern für den Netzbetreiber, wodurch das Ergebnis sich dieses Jahr zu 2021 (46 Mio.) verbessern konnte. Die Konzessionsabgabe an das Land Berlin belief sich auf 137,5 Mio. Euro (2021: 143,2 Mio.).
Seit Unternehmensgründung hat sich die Einschätzung des Unternehmens für den Netzausbau drastisch geändert: "Wir rechneten mit einer Stagnierung beim Leistungsbedarf, die sahen wir auch in den Zahlen." Jüngst kam die Wärmewende hinzu. Und vor rund zwei Jahren wurde Berlin als Standort für Datacenter entdeckt. Dem Unternehmen liegen dazu verschiedene Anfragen vor. "Davon wird rund ein Drittel umgesetzt werden, das sind dann 550 MW zusätzliche Leistung."
Ausbildungsakademie in der Zukunft
Für die Vorhaben braucht das Unternehmen mehr als seine rund 1700 Mitarbeiter, 150 neue Stellen wurden im vergangenen Jahr bereits geschaffen. Neue Mitarbeiter zu gewinnen sei kein Problem, sagt der Geschäftsführer: "Wir haben Glück, eine so sinnstiftende Arbeit bieten zu können, die Energiewende in Berlin zu gestalten." 127 Auszubildende arbeiteten per 31. Dezember vergangenen Jahres beim Unternehmen, für mehr fehlten die Kapazitäten. Eine Ausbildungsakademie sei in der Planung, genaueres konnte Landeck dazu noch nicht sagen, nur: "Wir brauchen nicht nur für unser Unternehmen, sondern auch für ganz Berlin Fachkräfte in der Energiebranche, um die Energiewende bewältigen zu können."
Beschaffung bei Smart Meter gelöst
In 2022 konnte das Unternehmen seine Ziele für das Rollout von Smart Metern nicht umsetzen. Es habe Probleme in der Beschaffung gegeben, womit etwa 20 Prozent der geplanten Geräte nicht eingebaut werden konnten. Das Problem sei 2023 aber gelöst, mit neuen Bezugsstellen: 21.000 Meter will Stromnetz Berlin in der Stadt installieren.
Wann ist der Rollout fertig? Das kann der Chef nicht sagen. "Was sind hundert Prozent?", fragt er. Die vom Gesetzgeber festgelegten Vielverbraucher, oder doch alle 2,3 Millionen Zähler? "In der Branche gibt es Stimmen, die von einem Full Rollout ausgehen – so wie in jedem anderen europäischen Land." Vorteil sei hier, dass variable Tarife möglich werden.
Anmeldung von PV, zeitweise zu langsam
Wie alle Netzbetreiber sah sich Stromnetz Berlin Anfang 2022 mit einer Vielzahl von Anmeldungen von Betreibern von PV-Anlagen konfrontiert. Laut dem Unternehmen verzehnfachte sich die Dynamik zeitweise, so dass die gesetzlich vorgegebenen 36 Tage nicht eingehalten werden konnten. Zum neuen Jahr kann die Zeit wieder eingehalten werden. Das liegt auch an einem Ausbau des Personals und einer Automatisierung mit Web-Formular. (pfa)

