In manchen Punkten tut sich die deutsche Energiepolitik noch schwer, wenn es um die konsequente Integration der Erneuerbaren in das Versorgungssystem geht.

In manchen Punkten tut sich die deutsche Energiepolitik noch schwer, wenn es um die konsequente Integration der Erneuerbaren in das Versorgungssystem geht.

Bild: © Robert Kneschke/Adobe Stock

Europas Energieversorger sehen sich offensichtlich selbst noch nicht ausreichend für die Umsetzung der Energiewende gerüstet.  So sind nur 14 Prozent der Top-Entscheider der Ansicht, dass ihre bisher angestoßenen Transformationsmaßnahmen ausreichen, um die Energiewende zu schaffen, wie aus einer Analyse von „Strategy&“, der globalen Strategieberatung von PwC, hervorgeht. „Der europäische Energiesektor erlebt aktuell eine der größten Transformationen. Allerdings stehen die Energieversorger bei dieser Mammutaufgabe erst am Anfang“, sagt Johannes Schneider, Partner bei „Strategy&“ Österreich.

Die jüngsten makroökonomischen Entwicklungen hätten zwar bei rund 81 Prozent der befragten Führungskräfte dazu geführt, dass sie sich in ihrem Unternehmen nun stärker auf dessen strategische Ausrichtung fokussieren. Mehr als drei Viertel (77 Prozent) von ihnen hätten bereits strategische Veränderungen eingeleitet – etwa in Form einer Neuausrichtung von Unternehmensbereichen oder der Gesamtunternehmensstrategie. Jedoch seien 86 Prozent der Manager der Meinung, dass in ihrem Unternehmen hinsichtlich der Umgestaltung ihres Operating Models noch zu wenig getan wird, um die Energiewende und zukünftige Herausforderungen zu bewältigen.

Begrenzte Anpassung der Organisationsstruktur

Aus den Ergebnissen der Studie gehe hervor, dass die Energieversorger tiefergehende Änderungen ihres Operating Models bisher noch kaum vorgenommen hätten, heißt es. So gebe der Großteil der Befragten, die bereits eine Änderung eingeleitet haben, an, lediglich kleinere Maßnahmen wie eine begrenzte Anpassung der Organisationsstruktur (91 Prozent), der betrieblichen Abläufe oder Zuständigkeiten (82 Prozent) sowie der Personalressourcen (73 Prozent) bereits durchgeführt zu haben.

Dahingegen seien tiefergehende Maßnahmen zu Organisationstransformation noch deutlich weniger häufig umgesetzt worden. Etwas mehr als die Hälfte (55 Prozent) der Befragten meine, bereits Allianzen gebildet oder M&A-Prozesse initiiert oder unternehmensinterne Prozesse grundlegend überarbeitet zu haben (45 Prozent).

Bisherige Maßnahmen kratzen nur an der Oberfläche

„Wir sehen, dass die bisherigen Maßnahmen nur an der Oberfläche kratzen. Der Ausstieg aus fossilen Energieträgern bei gleichzeitig rasantem Ausbau von Erneuerbaren, von Speichermöglichkeiten und Wasserstoffinfrastruktur erfordert ein grundlegendes Überdenken des organisatorischen Setups“, erklärt „Strategy&“-Experte Schneider.

Bei „Kultur und Mindset“ der größte Handlungsbedarf

In der Studie wurden die Top-Entscheider auch nach jenen Aspekten gefragt, die laut Studienautoren für eine erfolgreiche Transformation am wichtigsten und ausbaufähigsten sind. Das Ergebnis sei überraschend: Im Bereich „Kultur und Mindset“ bestehe aktuell der größte Handlungsbedarf. Insbesondere eine offene Denkweise (88 Prozent) und Flexibilität (82 Prozent) seien für die Befragten ausschlaggebend. Hier spielten vor allem die Veränderungsbereitschaft sowie die Offenheit gegenüber Stakeholdern eine große Rolle.

In den Bereichen „Prozesse und Schnittstellen“ sowie „Strukturen und Ressourcen“ wurden demnach häufig interne Schnittstellen (82 Prozent) und funktionsübergreifende Teams (83 Prozent) als wichtigste Bausteine genannt, was zum Teil auf den zunehmenden Bedarf an interner Zusammenarbeit zur Bereitstellung integrierter Lösungen zurückzuführen sei. Darüber hinaus würden im Bereich „Fähigkeiten“ digitale Kompetenzen am wichtigsten eingeschätzt (79 Prozent).

Transformation verlangt regelrechten Mindset-Shift

Die Ergebnisse der Studie verdeutlichten, dass eine Umgestaltung des Betriebsmodells in allen Dimensionen notwendig sei, so Johannes Schneider, Partner bei „Strategy& Österreich“. Erforderlich seien nicht nur neue Prozesse, Fähigkeiten und Schnittstellen – vor allem im Hinblick auf den digitalen Anlagenbetrieb. „Transformation verlangt einen regelrechten Mindset-Shift. Wir müssen das Operating Model, die Art und Weise wie Energieversorger aufgebaut sind und wie sie ticken, grundlegend transformieren“, resümiert Schneider.

Im Rahmen der Studie „Die eigene Transformation aktiv gestalten – Wie sich europäische Energieversorgungsunternehmen neu organisieren müssen“ wurden den Angaben von „Strategy&“ zufolge Interviews mit zwei Dutzend CEOs und Strategieleitern von Energieunternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz zwischen April und Mai 2023 geführt. (hil)

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper