Die Stadtwerke Münster wollen bis 2030 alle rund 100 Busse elektrifizieren, aktuell fährt bereits die Linie 14 (Bild) komplett elektrisch.

Die Stadtwerke Münster wollen bis 2030 alle rund 100 Busse elektrifizieren, aktuell fährt bereits die Linie 14 (Bild) komplett elektrisch.

Bild: © SW Münster

Ein gutes Ergebnis in zweistelliger Millionenhöhe im Geschäftsjahr 2018 hatten die Stadtwerke Münster bereits im April in Aussicht gestellt, nun stehen die offiziellen Zahlen fest: Der Kommunalversorger hat im vergangenen Jahr einen Jahresüberschuss von 26,8 Mio. Euro (2017: 14,1 Mio. Euro) erwirtschaftet – eine maßgebliche Rolle spielten dabei auch Einmaleffekte. "Das unseren Erwartungen entsprechende gute operative Ergebnis haben wir vor allem durch die Auflösung von Rückstellungen deutlich erhöht", erklärte Interims-Geschäftsführer Stefan Grützmacher. Die Auflösung der Rückstellung hänge mit formalen Gründen zusammen, lediglich der Bilanzausweis des weiterhin bestehenden Risikos im Bereich Netze ändere sich. Die absoluten Umsatzerlöse bewegten sich mit 547 Mio. Euro auf einem konstanten Niveau.

Besonders im privaten Stromkundenvertrieb in Münster und dem Münsterland sind die Stadtwerke Münster weiterhin auf Erfolgskurs. Die Kundenzahl in diesem Segment wurde auf den Rekordwert von über 165.000 gesteigert. In Münster versorgt das kommunale Unternehmen nach eigenen Angaben vier von fünf Privatkunden. Deutliche Zuwächse gab es hier auch beim Ökostrom – die Absatzmenge stieg um 16,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr, die Zahl der Ökostromverträge kletterte von 7800 bis zum Jahresende 2018 auf 8800. Der Stromabsatz insgesamt ging im Vergleich zum Rekordjahr 2017 indes um 14,1 Prozent zurück auf 1,24 Mrd. kWh. Hintergrund sind laut den Stadtwerken vor allem Verluste von mengenstarken, aber margenschwachen Geschäftskunden. Auch in den Sparten Erdgas und Fernwärme setzten die Stadtwerke Münster witterungsbedingt etwas weniger ab als im Vorjahr.

Rückläufige Stromproduktion, mehr Fahrgäste

Im Bereich der eigenen Stromerzeugung gab es ebenfalls einen Rückgang von 460 Mio. kWh auf 423 Mio. kWh. Hauptursachen waren vor allem ein schwerwiegender Schaden in einem Teil der Gas- und Dampfturbinenanlage am Hafen sowie Abschaltungen an verschiedenen Windenergieanlagen, zum Beispiel aufgrund von Schattenwurf. Positiv entwickeln sich hingegen weiterhin die Fahrgastzahlen: 46,3 Mio. Fahrgäste nutzten den öffentlichen Personennahverkehr – das entspricht einem Plus von 2,2 Prozent. Seit August 2018 hat das Unternehmen fünf zusätzliche Elektrobusse im Einsatz, die Linie 14 ist damit komplett elektrifiziert. Bis 2030 soll die gesamte Busflotte in Münster elektrifiziert sein, einige der Fahrzeuge auch mit Brennstoffzelle und Wasserstoffantrieb, um höhere Reichweiten zu ermöglichen. Bereits in diesem Jahr sollen erste Wasserstoffbusse erprobt werden.

Insbesondere das Trendthema Digitalisierung hat die Stadtwerke im vergangenen Jahr an verschiedenen Stellen beschäftigt. "Wir verstehen uns als Treiber für eine digitale, smarte Stadt", so Geschäftsführer Stefan Grützmacher. 2018 wurde unter anderem mit dem Aufbau eines Hochgeschwindigkeits-Glasfasernetzes begonnen. Außerdem läuft der Ausbau eines LoRaWAN-Netzwerks, mit Hilfe dessen künftig unter anderem Fernwärmeschächte überwacht werden sollen.

GuD-Anlage soll erneuert werden

6,5 Mio. Euro aus dem Jahresüberschuss werden gemäß Vereinbarung als Vorabgewinnausschüttung an die Stadt Münster als Gesellschafterin ausgeschüttet. Weitere 20,3 Mio. Euro überführen die Stadtwerke in die Gewinnrückstellungen, vor allem als Risikovorsorge. Die gute Eigenkapitalbasis werde das Unternehmen für anstehende Investitionen brauchen und auch, um Unternehmensrisiken abzusichern, bekräftigte Aufsichtsratsvorsitzender Alfons Reinkemeier.

Unter anderem soll die Gas- und Dampfturbinenanlage am Hafen nach 15 Jahren Betriebszeit erneuert werden, diese produziert in Kraft-Wärme-Kopplung Strom und Fernwärme. Geprüft wird nun der Neubau eines Gasmotorenkraftwerks mit sechs Gasmotoren am Hafen. Das Investitionsvolumen liegt zwischen 75 und 85 Mio. Euro, bis zu 90 Prozent der Summe würden aus im Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz vorgesehenen Mitteln gefördert. Eine endgültige Entscheidung über das Großprojekt soll in der zweiten Jahreshälfte des kommenden Jahres fallen.

Jahresüberschuss wird 2019 sinken

Für das laufende Jahr rechnen die Stadtwerke Münster mit einem soliden operativen Ergebnis, der Jahresüberschuss werde aufgrund voraussichtlich fehlender Sondereffekte deutlich geringer ausfallen als 2018. Ab 1. September respektive 1. Oktober nimmt das neue Führungsduo Sebastian Jurczyk und Frank Gäfgen in Münster die Arbeit auf. Diese werden das Unternehmen in einer neuen Struktur führen, so Reinkemeier. "Sie übernehmen aus meiner Sicht ein gesundes Unternehmen mit vielen guten Ideen und einer hohen Bedeutung für Münster", erklärte der Aufsichtsratsvorsitzende der Stadtwerke. (hoe)

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