Die Stadtwerke Rüsselsheim haben 2019 das beste Ergebnis seit ihrer Gründung 2001 erzielt. Der Konzernjahresüberschuss stieg gegenüber dem Vorjahr um rund 25 Prozent auf 3,5 Mio. Euro (vorher 2,8 Mio. Euro). Alleiniger Anteilseigener der Stadtwerke Holding* ist die 66.000-Einwohnerstadt Rüsselsheim. Der Konzern versorgt die Rüsselsheimer mit Strom, Wasser, Gas sowie Nahwärme und ist für den ÖPNV verantwortlich.
Jörg Gründinger ging auf der Bilanzpressekonferenz ins Detail: Der Konzernumsatz sei um neun Prozent auf 58,6 Mio. Euro angestiegen. Die Verbesserung des Ergebnisüberschusses sei vor allem auf die Energieversorgung Rüsselsheim GmbH zurückzuführen, erläuterte der Prokurist und Kaufmännischer Leiter bei den Stadtwerken weiter.
Darin wollen die Stadtwerke wachsen
Der Stromabsatz kletterte auf 77,1 Mio. Kilowattstunden (kWh) nach oben. Für 2020 rechnet der Konzern mit 79,3 Mio. kWh. Auch der Gasabsatz stieg um 1,5 Mio. kWh auf 270 Mio. kWh an. Gerade in den Geschäftsfeldern Energievertrieb, Trinkwasserversorgung und Energiedienstleistungen sieht Stadtwerke-Chef Hans-Peter Scheerer weitere Wachstumspotenziale für die kommenden Jahre.
"Im Energievertrieb mag dies ungewöhnlich sein. Aber wir sind erst 2011 eingestiegen und 2018 Grundversorger geworden. Momentan haben wir einen Marktanteil noch unter 50 Prozent. Da ist noch Luft nach oben", erläuterte der Stadtwerke-Chef.
Telekommunikationssparte soll in sechs Jahren Gewinne erwirtschaften
Auch im Telekommunikationsbereich ist das Unternehmen sowohl mit einem eigenen Netz als auch eigenen Produkten umtriebig. Großkunden können bereits die Gigabitgeschwindigkeit buchen. Auch im Privatkundensegment folgt im kommenden Jahr ein Gigabit-Produkt.
"Momentan merken wir, dass Privatkunden sich vor allem auf die 100-Mbit/s-Produkte konzentrieren", gibt Scheerer Einblicke. Aber die Sparte ist mit einem aktuellen Minus von 900.000 Euro noch defizitär. "Wir streben jedoch an, in den nächsten sechs Jahren auch hier Gewinne abzuführen", bekräftigt der Stadtwerke-Chef nach den Anlaufschwierigkeiten.
Genussrechte "haben richtig gut eingeschlagen"
Seit 2015 erhöhen die Stadtwerke stetig ihre Investitionen in ihre Infrastruktur, um diese zu erneuern und zu modernisieren. 2019 lagen diese bei 7,7 Mio. Euro. In diesem Jahr haben sie erstmalig deutschlandweit Genussrechte an dem kommunalen Versorger veräußert, um damit die Investitionssumme zu erhöhen.
"Das Angebot ist richtig gut eingeschlagen. Wir hatten innerhalb kürzester Zeit eine Überzeichnung und statt der geplanten 2,5 Mio. Euro kamen 2,7 Mio. Euro zusammen", freut es den Prokuristen.
Genussrechte sollen bis 2024 veräußert werden
Die eingenommenen finanziellen Mittel machen 25 Prozent der insgesamt 10 Mio. Euro aus, die das Unternehmen in 2020 investiert hat. Da die Nachfrage vorhanden ist, planen die Stadtwerke vorläufig bis 2024 einmal im Jahr Genussrechte zu veräußern.
Im Frühjahr 2021 sollen wieder welche bis zu der Zielsumme von 2,5 Mio. Euro ausgegeben werden. Insgesamt plant das Unternehmen 2021 rund 11,4 Mio. Euro inklusive der Einnahme aus der Veräußerung zu investieren.
Corona geht an den Stadtwerken nahezu spurlos vorbei
An den Investitionsplänen hält der kommunale Versorger trotz Corona fest. Scheerer betont vor dem Hintergrund: "Wir sind in der glücklichen Lage geschäftlich kaum betroffen zu sein. Die Einbrücke im ÖPNV werden durch den Schutzschirm des Landes Hessen und durch eine Vereinbarung mit der Stadt kompensiert."
Inwiefern Unternehmensinsolvenzen sich auswirken könnten, sei momentan schwer vorherzusagen, so der Geschäftsführer. Für das Jahr 2020 rechnen die Stadtwerke mit einem Konzernjahresüberschuss von etwa 2,9 Mio. Euro, bei einem Konzernumsatzerlös von 61,6 Mio. Euro. Für 2021 sieht die Planung einen Konzernjahresüberschuss von 3 Mio. Euro vor, ergänzt Gründinger. (gun)
*Die Holding umfasst fünf Tochter-Unternehmen: Energieversorgung Rüsselsheim, Wasserversorgung Rüsselsheim, Energieservice Rhein-Main, Kommunalservice Rüsselsheim und Glasfaser SWR.

