Ausschnitt aus einer Werbebroschüre von Tender365, einem Gemeinschaftsunternehmen von Gasversorgung Süddeutschland, Exxeta und Eins zum multilateralen Energiehandel.

Ausschnitt aus einer Werbebroschüre von Tender365, einem Gemeinschaftsunternehmen von Gasversorgung Süddeutschland, Exxeta und Eins zum multilateralen Energiehandel.

Bild: © Tender 365

Die Großhandelsplattform Tender 365 hat Ende Mai ihren Betrieb eingestellt. Der digitale Markt für strukturierte Strom- und Gasprodukte sei derzeit noch zu klein und entwickle sich auch kurzfristig nicht, teilt die gleichnamige Gesellschaft auf ihrer Website mit.

"Strukturierte Produkte wie Flexibilitätsprodukte oder temperaturgeführte Produkte, werden nicht so häufig gehandelt wie Standardprodukte", erklärt Geschäftsführer Frank Sonne auf ZfK-Nachfrage. "Da ist eine digitale, medienbruchfreie Anbindung an einen Marktplatz noch nicht so wichtig. Im Bereich von Standardhandelsprodukten gibt es bereits erfolgreiche Plattformen, einen Verdrängungswettbewerb konnten und wollten wir nicht führen."

Gesellschaft bleibt bestehen

Die Gesellschaft selbst bleibt weiter bestehen. Sie will nach eigener Aussage erfolgreiche Teilkonzepte und Funktionen herauslösen und in anderer Form weiterentwickeln. Gemeint sei etwa der Bereich Biogas- und Flexibilitätsprodukte, teilt Sonne mit. "Wir sind derzeit dabei, die Möglichkeiten und Partner zu eruieren."

Das Ende der Plattform deutete sich bereits zu Beginn des Jahres an, als sich die Energieversorger Eins Energie in Sachsen, Gas-Union und die EnBW-Tochter Gasversorgung Süddeutschland (GVS) als Gesellschafter zurückzogen. Übrig blieb IT-Spezialist Exxeta. (Die ZfK berichtete.)

Zuletzt um die 75 Kunden

Schon damals war zu hören, dass die Plattform mit mangelnder Liquidität zu kämpfen habe. Tender 365 hatte zuletzt nach eigenen Angaben um die 75 Kunden. Etwa zehn von ihnen waren 2020 dazugekommen.

Die Gesellschaft will nun beobachten, wie sich andere Verkaufsplattformen für Strukturplattformen und neue multilaterale Plattformen für Standardprodukte entwickeln. Namentlich nennt sie das britische Softwareunternehmen Sphirra, das seit 20. April mit einer eigenen Handelsplattform für Strom- und Gashandel am Markt ist.

Sphirra als Vorbild?

Sphirra will sich neben Marktführer Trayport als zweite große Plattform für den Handel mit außerbörslichen Produkten in Europa etablieren. Die Tender-365-Mutter Exxeta bietet Kunden bereits eine Anbindung an die Plattform an.

Zudem erhofft sich Tender 365 neue Chancen für Plattformen, etwa bei erneuerbaren Energien und Wasserstoff. Welche Rolle dabei die Marke Tender spielen könne und welche Mitstreiter man im Markt gewinnen könne, werde sich zeigen, heißt es auf der Website. (ab)

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