Bis zu 60 Prozent höhere Materialkosten als beim Verbrenner fallen beim E-Auto an.

Bis zu 60 Prozent höhere Materialkosten als beim Verbrenner fallen beim E-Auto an.

Bild: © Tesla

Der US-Elektroautobauer Tesla will in seiner geplanten Fabrik in Brandenburg gleich mehrere Modelle herstellen. In Grünheide bei Berlin sollen im Jahr geschätzt 500.000 Elektrofahrzeuge der Modelle 3 und Y sowie künftiger Modelle gebaut und montiert werden, heißt es in der Bekanntmachung des Landesamts für Umwelt im Amtsblatt für Brandenburg. Die Inbetriebnahme solle im Juli 2021 erfolgen. Im abgelaufenen Jahr 2019 hatte das Unternehmen insgesamt rund 367.500 Fahrzeuge ausgeliefert.

Mit der Bekanntmachung im Amtsblatt ist das Genehmigungsverfahren für das geplante Werk offiziell eröffnet. In der Fabrik im Kreis Oder-Spree sollen Presswerk, Gießerei, Karosserierohbau, Lackiererei, Sitzefertigung, Kunststoff- und Batteriefertigung sowie die Fertigung von Antrieb und Endmontage untergebracht werden. Auch ein zentrales Versorgungsgebäude und eine Abwasserbehandlungsanlage sind demnach geplant.

Mindestens 3000 Jobs

Angaben zu geplanten Arbeitsplätzen für die Tesla-Fabrik finden sich im Amtsblatt nicht. Auf seiner Webseite hat Tesla derzeit über 30 Jobs für eine "Gigafactory Berlin" ausgeschrieben. Nach bisherigen Angaben der Brandenburger Landesregierung sind in einer ersten Stufe in Grünheide über 3000 Arbeitsplätze geplant, Oder-Spree-Landrat Rolf Lindemann (SPD) hatte im Dezember von bis zu 4000 Mitarbeitern gesprochen.

Bisher hat der Tesla-Vorstand den Kaufvertrag mit dem Land Brandenburg über die Fabrikfläche in Grünheide noch nicht unterzeichnet. Danach muss auch noch der Haushaltsausschuss des Brandenburger Landtags dem Deal zustimmen.

Klimaneutral produzieren

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) sieht einen der Gründe für das Interesse von Unternehmen wie Tesla an einer Ansiedlung in der Region in den "erneuerbaren Energien, die wir in Brandenburg zur Verfügung haben. Den Ausbau haben wir in den vergangenen Jahren vorangetrieben und sind deshalb bei Industrieunternehmen gefragt."

"Es gibt ein riesengroßes Interesse in der Industrie, klimaneutral zu produzieren und erneuerbare Energien aus Brandenburg direkt im Land zu verbrauchen und in Brandenburg zu investieren", sagte Woidke der Deutschen Presse-Agentur. Das Ziel müsse sein, erneuerbare Energien regional zu gewinnen und "teure Stromtransporte über gigantische Leitungen" zu sparen. Er nannte auch die Stabilität des politischen Systems als Vorteil für Brandenburg.

Ausbau von Mobilfunk und Breitband

Die Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg sehen noch Verbesserungspotenzial für den Standort Brandenburg. "Die Investitionen namhafter Unternehmen in Brandenburg machen Mut", sagt Geschäftsführer Alexander Schirp. "Trotzdem muss das Land weiter an seiner Standortqualität arbeiten." Ganz oben stehe der Ausbau des digitalen Breitbandnetzes nicht nur in den Städten, sondern auch auf dem Land. "Hier brauchen die Firmen zügige Fortschritte." Das Gleiche gelte für die Mobilfunkversorgung. Die Lücken des Angebots an Fachkräften dürften nicht größer werden. Die Unternehmen fordern auch mehr Qualität in Schulen und mehr Investitionen in Berufsschulen.

Mit ambitionierten Großvorhaben hat Brandenburg auch schon schlechte Erfahrungen gemacht. Nach dem Mauerfall scheiterten einige wie die Chipfabrik in Frankfurt (Oder) oder das Transportluftschiff Cargolifter. Sie waren mit Millionen vom Land gefördert worden. Tesla soll nun ein Erfolg werden.  (dpa/hp)

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