Als „durchaus schmerzhafte Zugeständnisse“ bezeichnete Johannes Teyssen, CEO der Eon SE, die Auflagen der EU-Kommission für die Innogy-Übernahme. Die Essener müssen das Strom- und Gaskundengeschäft von Innogy in der Tschechischen Republik sowie Teile des ungarischen Stromkundengeschäfts der Eon veräußern. In Deutschland muss die „neue“ Eon das Heizstromkundengeschäft sowie den Bau und Betrieb einiger Autobahn-Ladestationen für Elektrofahrzeuge abgeben.
Teyssen machte heute bei einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz keinen Hehl daraus, dass er die Einschätzungen der EU-Kommission in dem einen oder anderen Fall anders bewertet hätte, aber dass es keinen Sinn mache, „mit dem Kopf durch die Wand zu gehen". Im Großen und Ganzen akzeptiere er die Entscheidung. Am schwerwiegendsten ist für Eon die Veräußerung der Tschechien-Aktivitäten, die mit einer Million Kunden ein „sehr profitables Geschäft“ seien. Auch der von der EU-Auflage betroffene Teil des Ungarn-Geschäfts sei an sich wettbewerbsfähig.
E-Ladesäulen noch unwichtig
Was das Heizstromkundengeschäft in Deutschland betrifft, ist es aus Sicht von Eon ein eher kleines Segment. Ähnlich sei die Lage bei den 34 E-Schnellladesäulen, die an süddeutschen Autobahnen zum Teil erst aufgebaut werden. Insgesamt muss Eon ein Umsatzvolumen von etwa 2 Milliarden Euro abgeben. „Die damit verbundene Ergebnisbelastung liegt im sehr niedrigen dreistelligen Millionen Euro-Bereich“, sagte Teyssen.
Als eine „offene Wunde, die reichlich blutet“, bezeichnete der Eon-Chef das Innogy-Vertriebsgeschäft in England. Bislang konnte der Vorstand wegen rechtlicher Vorgaben im Zusammenhang mit der Fusion noch keinen genauen Einblick in die Zahlen nehmen. Da müsse jedoch „zügig etwas passieren“. Was den Gesamtkonzern betrifft, wird die Marke Innogy nicht weitergeführt, sie wird in die Eon-Marke überführt. Wie die Struktur des neuen Unternehmens im Detail aussieht, wird Eon auf einem Capital Day im kommenden Frühjahr bekannt geben. „Heute feiern wir, morgen beginnt die Detailarbeit“, so Teyssen.
AR: Erst größer, dann kleiner
Wie bereits von der Eon-Hauptversammlung im Mai beschlossen wurde, wird der Aufsichtsrat nach Vollzug der Übernahme von Innogy von 14 auf 20 Mitglieder vergrößert. „Zu einem späteren Zeitpunkt wird die Anzahl auf zwölf Personen sinken“, sagte Teyssen.
Für die Vertreter der Anteilseigner wird Eon den RWE-Vorstandsvorsitzenden Rolf Martin Schmitz zur gerichtlichen Bestellung vorschlagen, zudem den Unternehmer Ulrich Grillo und die US-amerikanische Unternehmensberaterin Deborah B. Wilkens, die derzeit beide Mitglieder des Innogy-Aufsichtsrats sind. Außerdem werden Monika Krebber, Stefan May und René Pöhls als Vertreter der Innogy-Arbeitnehmer Mitglieder des Eon-Aufsichtsrats.
Signal an die Stadtwerke
Die Führung der neuen Eon liegt weiter in den Händen der bisherigen Vorstandsmitglieder. Die Hauptgeschäftsführerin der Verbandes kommunaler Unternehmen wird, wie bereits bekannt wurde, ab Januar 2020 die Leitung „einer der größten und wichtigsten operativen Einheiten im deutschen Netzgeschäft der Eon übernehmen. Mit Reiche setzen wir ein klares Signal, wie wichtig uns die weiterhin enge Partnerschaft mit Kommunen und Stadtwerken ist“, so Teyssen.
Reiche wird Vorstandsvorsitzende einer Gesellschaft, die derzeit den Arbeitstitel „Westenergie“ trägt, führte Teyssen weiter aus. Sie umfasse die Netze in Nordrhein-Westfalen, in Teilen Niedersachsens, in Teilen von Rheinland-Pfalz und des Saarlands und sei das mit Abstand größte Netzunternehmen Deutschlands. (hp)



