Mit der Direct Air Capture-Technologie von Climeworks wird Kohlenstoffdioxid der Umgebungsluft entzogen und CO2-freie Luft zurück in die Atmosphäre abgegeben. Climeworks’ neue Anlage auf Island transportiert das aus der Luft gefilterte CO2 unter die Erdoberfläche, wo es durch natürliche Prozesse mineralisiert, teilt der Autohersteller mit. Das Kohlenstoffdioxid werde so dauerhaft aus der Atmosphäre entfernt.
Dabei werden mehr als 90 Prozent des CO2 dauerhaft unter der Erde gespeichert. Mit diesem hohen Reduktionsvermögen sei die Anlage laut Audi besonders effizient. Zudem lasse sich die Technologie bis in den Mega-Tonnen-pro-Jahr-Bereich skalieren und biete damit großes Zukunftspotenzial.
Gute geologische Bedingungen
Island ist einer von mehreren Orten auf der Welt, der ideale Bedingungen für diesen Prozess bietet. Durch seinen vulkanischen Ursprung ist das Land eines der leistungsstärksten Geothermiegebiete der Welt. Die Erdwärme ist hier besonders energiereich, weshalb sie sich auch günstig und nahezu CO2-neutral in elektrische Energie umwandeln lässt. Außerdem weist das auf Island vorhandene Gestein eine ideale Zusammensetzung zur Speicherung großer CO2-Mengen auf.
Die Entwicklung der CO2-Capturing-Technologie des Züricher Umwelt-Start-ups Climeworks begleitet Audi seit 2013. Bis 2025 will der Volkswagen-Konzern den ökologischen Fußabdruck von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg um 30 Prozent gegenüber 2015 senken. Audi hat sich deshalb in allen Bereichen des Unternehmens anspruchsvolle Ziele gesetzt. Alle zahlen darauf ein, bis 2050 unternehmensweit bilanzielle CO2-Neutralität zu erreichen.
So funktioniert die Technologie
Zunächst saugt die Anlage Luft an und leitet sie in den CO2-Kollektor, in dessen Inneren sich ein selektives Filtermaterial befindet. Er bindet das in der Luft enthaltene CO2 mittels eines speziell entwickelten Adsorbermaterials. Ist dieser Filter mit CO2 gesättigt, wird er über die Abwärme eines nahegelegenen Geothermie-Kraftwerks auf 100 Grad Celsius erhitzt und damit die CO2‑Moleküle aus ihm gelöst. Anschließend strömt Wasser vom Hellisheiði-Kraftwerk durch die Anlage und befördert das Kohlenstoffdioxid zirka 2000 Meter tief unter die Erde.
Durch natürliche Prozesse reagieren die CO2-Moleküle mit dem Basaltgestein und wandeln sich über einen Zeitraum von mehreren Jahren selbst zu Carbonaten, das heißt sie mineralisieren. So wird das CO2 dauerhaft unterirdisch eingelagert. Das Wasser geht wieder zurück in den Kreislauf des Geothermie-Kraftwerks. Die Anlage wird rund um die Uhr in Betrieb sein und pro Jahr 4000 Tonnen Kohlenstoffdioxid aus der Atmosphäre filtern. Ein Viertel davon zahlt auf das Konto von Audi ein. Um diese Menge auf natürlichem Weg zu binden, wären 80.000 Bäume notwendig. (hp)
