Viele Energieversorger kaufen Strom und Gas in Tranchen zu verschiedenen Zeitpunkten ein und versuchen so das Risiko zu streuen. Viele in der Branche sind überzeugt, dass sich dieser Ansatz auch in der jüngsten Energiekrise bewährt hat.
Bei stark fallenden Preisen an den Energiemärkten ist diese Beschaffungsstrategie aber nicht mehr zielführend, schreibt Aik Wirsbinna, Prokurist und Bereichsleiter Vertrieb und Kundenservice bei den Stadtwerken Pforzheim, in einem Gastbeitrag für die ZfK. Er empfiehlt stattdessen ein alternatives Beschaffungsmodell.
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Was sich in den vergangenen Jahren und insbesondere in der Energiekrise als risikoarmes Erfolgsmodell bewährt hat, könnte nun zu einem Wettbewerbsnachteil werden, insbesondere für kommunale Energielieferanten im Privatkundengeschäft: Die Tranchenbeschaffungsmodelle, bei denen über einen längeren Zeitraum, meistens in einer Periode von drei Jahren, ein Teil der prognostizierten Absatzmenge eingekauft wird, sind nicht mehr wettbewerbsfähig.
Ziel dieser Beschaffungsstrategie ist es, einen durchschnittlichen Beschaffungspreis zu erhalten, der kurzfristige Preisausschläge ausgleicht. Im Wesentlichen wird damit versucht, günstige Einkaufszeitpunkte auszuloten, um den Risiken einer einmaligen Entscheidung entgegenzuwirken.
Das Dilemma mit den bereits beschafften Terminpositionen
Die prozentualen Verteilungen und Freiheitsgrade der zu beschaffenden Mengen sind sehr unterschiedlich festgelegt. Die Risikoausgewogenheit dieser Strategie hat viele kommunale Energielieferanten dazu bewogen, diesen Ansatz in die Risikohandbücher und Beschaffungsleitfäden aufzunehmen und sich durch die Unternehmensgremien freigeben zu lassen.
Jedoch zeigt sich nun mit einem starken Preisverfall an den Energiemärkten, dass die Strategie nicht mehr konkurrenzfähig ist. Selbst wenn es einem gelingt, sich am untersten Beschaffungskorridor zu bedienen, sind bereits beschaffte Mengen für 2025 oder 2026, und sei der Anteil noch so gering, schlichtweg nicht mehr profitabel zu vermarkten.
Ein schneller Rückverkauf der bereits beschafften Terminpositionen ist den meisten Beschaffungsleitfäden meist nicht vorgesehen respektive erlaubt. Sofern die Märkte nicht wieder enorme Sprünge nach oben machen, wird es schwer werden, diese Mengen, insbesondere an Neukunden, zu veräußern, da sie den Durchschnittspreis enorm beeinflussen können.
Hohe formale Hürden im Freigabeprozess kommunaler Unternehmen
Es kommt zu einer Verzerrung von Bestands- und Neukundenangeboten. Ein schneller Ausstieg oder eine höhere Flexibilität in den Modellen bedürfen allerdings meistens eines Freigabeprozesses, der bei kommunalen Unternehmen jedoch häufig mit hohen formalen Hürden verbunden sein dürfte.
Fakt ist: Die Kunden sind durch die allgemeinen Teuerungsraten und durch den Wegfall der Preisgrenzen preis- und kostenorientierter geworden.
Alternatives Beschaffungsmodell
Und der Onlinemarkt mit den Discountanbietern ist wieder voll entfacht. Was also tun? Eine Alternative zum bisher praktizierten Tranchenbeschaffungsmodell könnte eine stärkere Ausweitung von Kampagnenmodellen sein. Die Bepreisung für entsprechende Vertragsverlängerungen erfolgt hier nicht auf Grundlage des durchschnittlichen Marktpreises, sondern auf Basis des aktuellen Marktpreises.
Die Anforderungen an die Mengen und Verlängerungsquotenprognose steigen in diesem Modell stark an und somit auch die neuen Preisrisiken. Darüber hinaus muss auch das Abrechnungssystem in der Lage sein, diese Dynamik ohne Zunahme von Komplikationen in der Produktwelt zu verarbeiten.
Ein Vorteil von Kampagnenpreisen ist, dass sie mit den Marktpreisen gehen. Die Angebote positionieren sich in einem härter werdenden Wettbewerb besser, auch wenn die Preise wieder einmal steigen sollten.



