Der verstaatlichte Energiekonzern Uniper hat in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres einen deutlichen Umsatz- und Ergebnisrückgang hinnehmen müssen. Das um die außerordentlichen Kosten bereinigte operative Ergebnis (Adjusted Ebitda) nach drei Quartalen 2024 ging dabei von 5,8 Mrd. Euro nach den ersten neun Monaten 2023 auf 1,7 Mrd. Euro zurück. Der Umsatz ging ebenfalls zurück, und zwar auf 48,26 Mrd. Euro (Q1-Q3 2023).
Uniper habe sich in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2024 in einem zunehmend normalisierten Marktumfeld "operativ stabil entwickelt", ordnete Finanzvorständin, Jutta Dönges, das Ergebnis ein. "Unseren im August angehobenen Ausblick für das Geschäftsjahr 2024 können wir somit heute bestätigen."
Uniper bleibt auf Kurs
Bei Unipers Dekarbonisierungsstrategie sieht Dönges ihr Unternehmen auf einem guten Weg. "Knapp 50 Prozent der von uns im Jahr 2024 bislang produzierten Strommenge ist CO2-frei und den Kohleausstieg setzen wir konsequent um".
Angesichts des außergewöhnlich guten Ergebnisses im vergangenen Jahr sieht sich Uniper trotz des Ergebnisrückgangs in diesem Geschäftsjahr weiterhin auf Kurs. So hat das Unternehmen mit den Rückzahlungen angefangen, die es aus den realisierten Schadensersatzansprüchen gegen Gazprom Export erhalten hat.
Uniper hatte zum 30. Juni 2024 eine Rückstellung für die Weiterleitung von Erlösen in Höhe von rund 540 Mio. Euro erfasst. Ende September hatte Uniper dann diese Rückstellung zum Teil in Anspruch genommen und 530 Mio. Euro an die Bundesrepublik Deutschland gezahlt.
Die erste Tranche von 530 Mio. Euro ist der erste Beitrag von insgesamt 13,5 Mrd. Euro, die Uniper an die Bundesrepublik erstatten muss. Uniper hatte sich im Rahmen der Stabilisierungsmaßnahmen gegenüber der Bundesregierung verpflichtet, erzielte Schadensersatzleistungen für die Gaslieferkürzungen nach Abzug von Verfahrenskosten und Steuern an die Staatskasse weiterzuleiten.
Rückgänge in fast allen Segmenten
Das Adjusted Ebitda im Segment Flexible Generation erreichte nach den ersten neun Monaten 2024 ein Ergebnis in Höhe von 1,06 Mrd. Euro und lag damit unter dem Vorjahresergebnis von 1,6 Mrd. Euro. Grund dafür war vor allem der Rückgang positiver Ergebnisbeiträge aus Absicherungsgeschäften im Bereich der Handelsmarge bei fossil befeuerten Anlagen aufgrund des insgesamt gefallenen Preisniveaus.
Temporär positiv wirkten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum geringere Aufwendungen aus der Bewertung der Rückstellungen für CO2-Zertifikate vor dem Hintergrund der gesunkenen Preise für CO2-Zertifikate und geringerer Emissionen, teilte Uniper mit.
Das Adjusted Ebitda im Segment Greener Commodities lag mit 699 Mio. Euro unter dem Niveau des Vorjahreszeitraums (3,97 Mrd. Euro). Das Gasgeschäft konnte die außergewöhnlich hohen Ergebnisse des Vorjahreszeitraums nicht wiederholen. Im Vorjahr hatte das Segment von signifikanten Minderkosten aus der Ersatzbeschaffung von entfallenen Lieferungen russischer Gasmengen sowie ungewöhnlich hohen Handelsergebnissen profitiert. Der Stromhandel konnte ebenfalls aufgrund des geänderten Marktumfelds nicht an das außergewöhnlich positive Ergebnis des Vorjahreszeitraums anknüpfen.
Im Segment Green Generation lag das Adjusted Ebidta mit 738 Mio. Euro hingegen über dem Vorjahresergebnis in Höhe von 590 Mio. Euro. Der Ergebnisanstieg war insbesondere auf die schwedische Kernenergie zurückzuführen, die von preisbedingt höheren Ergebnisbeiträgen sowie von gestiegenen Erzeugungsmengen profitierte.
Kohleausstieg macht Fortschritte
Ende September hatte Uniper die Kohlekraftwerke Ratcliffe-on-Soar in Großbritannien und Heyden 4 in Petershagen in Deutschland stillgelegt. Damit treibt das Unternehmen den Kohleausstieg voran. Ende September hatte Uniper zudem den von der EU-Kommission vorgeschriebenen Verkaufsprozess des Kohlekraftwerks Datteln 4 gestartet.
Der Kohleausstieg sei eine wesentliche Stellschraube, um Unipers CO2-Ziele zu erreichen. Bis 2040 will der Düsseldorfer Konzern vollständige CO2-Neutralität erreichen und strebt eine CO2-Reduktion von mindestens 55 Prozent bis 2030 im Vergleich zu 2019 an. (am)
