Der Bau des ersten Hybrid-Kraftwerks in Deutschland, der Ausbau der Fernwärme, die Beteiligung an diversen Start-ups und der Bau eines Accelerators für junge Unternehmen: Die Technischen Werke Ludwigshafen (TWL) haben in den Jahren 2013 bis 2017 kräftig in neue Projekte investiert. In den kommenden fünf Jahren stehen die Zeichen auf Konsolidierung und Rückbesinnung auf das Kerngeschäft als wichtigster Ertragsquelle. Das sind zwei der zentralen Pfeiler der "Übergangsstrategie 2023", die der Aufsichtsrat des Kommunalversorgers Ende März genehmigt hat. Das Ziel: die Stärkung der Position als kommunaler und regionaler Energiedienstleister. Am Montag wurde das Konzept auf einer Mitarbeiterversammlung vorgestellt.
Aktionspaket mit 40 Einzelmaßnahmen
Als Kerngeschäft definiert der TWL-Vorstand aktuell im Wesentlichen den Commodityvertrieb, das Netzgeschäft und den Messstellenbetrieb. Auf diese Bereiche und auf das erweiterte Kerngeschäft, wie beispielsweise nachhaltige Quartierslösungen, wolle man sich konzentrieren, so der Kaufmännische Vorstand Dieter Feid. Zum erweiteren Kerngeschäft wird beispielsweise auch die E-Mobilität und das Submetering gezählt. Die neue Strategie definiere fünf Stoßrichtungen, denen bereits circa 40 Maßnahmen zugeordnet sind. Die fünf strategischen Stoßrichtungen lauten: finanzieller Spielraum, vertriebliches Wachstum, Transparenz und Effizienz, Unternehmenskultur und Know-how sowie Evolution.
TWL-Konzern 2017 erstmals in den roten Zahlen
"Es geht uns um die nachhaltige Sicherung des finanziellen Handlungsspielraums. Das Unternehmen hat keine finanziellen Schwierigkeiten, vielmehr brauchen wir in den nächsten Jahren Luft zum Atmen mit Blick auf künftige Investitionen", erklärte der Technische Vorstand Thomas Mösl im Gespräch mit der ZfK. Die Jahresergebnisse der TWL waren in den vergangenen Jahren auf Ebene der AG stabil, auf Konzernebene rutschte das Unternehmen 2017 zum ersten Mal in der Unternehmensgeschichte in die roten Zahlen. "Durch das Aktionspaket mit mehreren Dutzend Einzelmaßnahmen soll auf Konzernebene schnellstmöglich der Turnaround geschafft und perspektivisch der im Branchenvergleich relativ hohe Verschuldungsgrad zurückgefahren werden", erklärte der Kaufmännische Vorstand Dieter Feid.
"Beteiligungen erfordern viel Ressourcen"
In einem ersten Schritt hatte zuvor das seit Ende Mai vergangenen Jahres amtierende Führungsduo - dessen Verträge ab Januar diesen Jahres um fünf Jahre verlängert worden waren - die bisherige, stark auf Beteiiligungswachstum fokussierende Strategie überprüft und angepasst, ebenso wurde die Aufbauorganisation verändert. "Strategien und Ziele sind kein Selbstzweck. Unsere wirtschaftlichen Ziele ließen sich mit der Strategie, die wir ablösen, nicht erreichen", so Feid. Das Unternehmen sei in den vergangenen Jahren auf der Beteiligungsseite sehr stark gewachsen, ergänzt Thomas Mösl. "Die administrativen Ressourcen, um dies zu managen und abzustimmen, sind bei einem kleineren oder mittleren Stadtwerk aber begrenzt, da kann man sich schnell verzetteln", so Mösl.
"Powercloud-Beteiligung war wirtschaftlich gesehen interessant"
Die TWL hatten sich in den vergangenen Monaten unter anderem die 25,1- Prozent-Beteiligung an dem Cloud-Software-Anbieter Powercloud und die Mehrheitsbeteiligung an an der Softwarefirma Webfactory veräußert. "Hier ging es nicht einfach ums Verkaufen. Die Beteiligung an Powercloud war rein wirtschaftlich gesehen interessant, wir konnten aber nicht das entsprechende Kapital für den vom Mehrheitsgesellschafter von Powercloud verfolgten Wachstumskurs bereitstellen", betont Dieter Feid. Zudem hätte die Kommunalaufsicht die geplante Internationalisierungskurs der Powercloud-Beteiligung nicht mitgetragen. Der Verkauf von Webfactory hänge hingegen damit zusammen, dass die Softwarefirma wenig mit dem Kerngeschäft von TWL zu tun gehabt habe und die Ludwigshafener den weltweiten Vertrieb und Support nicht unterstützen konnten.
Redimensionierung beim Accelerator "Freischwimmer"
Ob weitere Anpassungen im Beteiligungsportfolio bevorstehen, dazu wollten sich die beiden Vorstände nicht äußern. Redimensioniert wurde das Vorgehen mit Blick auf den Start-up-Accelerator "Freischwimmer". Dieser soll bis Ende diesen Jahres fertiggestellt sein. Coworkingspaces, in denen Jungunternehmen arbeiten, gibt es dort seit einiger Zeit. Auch eine Akademie ist geplant, bei der Dritte und die TWL entsprechende Angebote machen. "Wir haben allerdings davon Abstand genommen, uns im Rahmen des Freischwimmers regelmäßig selbst an Start-ups zu beteiligen und mit finanziellen Mitteln ins Risiko gehen, die wir anderweitig benötigen", bekräftigt Feid.
Investitionen in Digitalisierung und Automatisierung
Beispiele für anstehende Investitionen sind beispielsweise neue Verwaltungs- und Betriebsgebäude in Ludwigshafen. Zum dritten Quartal zieht ein Teil der Belegschaft in den neuen Innenstadt-Standort in der Bismarckstraße um, auf dem Werksgelände an der Industriestraße soll zudem bis 2023 ein neues Zuhause für die Technik entstehen. Die TWL will als Stadtwerk auch in Zukunft gezielt in neuen Geschäftsfeldern wachsen. Natürlich bleibe gerade hier auch der Freischwimmer als Impulsgeber für neue Geschäftsideen sehr interessant für das Unternehmen, heißt es. Um die Zukunft erfolgreich zu gestalten, sind auch Investitionen in den Einsatz neuer Technologien für die Digitalisierung und Automatisierung von Prozessen geplant. (hoe)



