Ein Gastbeitrag von Peter-Georg Albrecht
Wie erreichen Stadtwerke umweltbewusste Menschen (nicht Last Generation– die radikaler auftreten) und können sie von der Sinnhaftigkeit einiger Projekte überzeugen? Dafür muss man verstehen, dass der "umweltengagierte" Bürger vor allem eins ist – ein normaler Bürger – mit seinen Stärken und vor allem Widersprüchen. So zeigen Befragte der Hochschule Magdeburg-Stendal, dass sie felsenfest davon überzeugt sind, dass klima- und umweltpolitisch mehr gehandelt werden müsse.
Es sei sogar fast zu spät und es dürfe nicht mehr gezögert werden. Sie sprechen sich für "sehr sehr radikales" Handeln aus, wie die Studie "Umweltpolitik ohne Durchsetzungsvermögen? Staatliches Handeln aus der Perspektive von Umweltengagierten" belegt. Aber darauf angesprochen, wie man Menschen von klimafreundlichen Verhalten überzeugen könnte, verstricken sie sich in Widersprüchen.
Keine Strafen, lieber Anreize
Wissenschaftliche Leitfadeninterviews der Hochschule Magdeburg-Stendal mit weniger politisch aktiven Umweltengagierten lassen folgende Schlüsse zu:
- Strafen sollten gemieden werden: Denn staatliche Strafen sind laut den Befragten zwar wirksam, jedoch oft nur kurzfristig. Gesetze, die die Menschen zu einem solchen Verhalten zwingen, seien nur in Ausnahmefällen sinnvoll.
- Staatliche Belohnungen werden von den Befragten gegenüber Strafen bevorzugt, weil sie wirksamer sind: Effektive Belohnungen sind für die Befragten bspw. staatliche Fördermittel. Diese Belohnungen helfen insbesondere finanziell nur gering ausgestatteten Bevölkerungsschichten, sich umweltfreundlich zu verhalten. Sie kommen Umweltengagierten zugute, insbesondere wenn durch sie noch nicht agierende Personengruppen mit einem Umweltengagement zusammengebracht werden.

Auch Belohnungen können ins Leere verlaufen
Allerdings können staatliche Belohnungen auch unwirksam ins Leere laufen, wenn ihnen Werte und Einstellungen in der Bevölkerung entgegenstehen. Belohnungen wären sogar gar nicht notwendig, würden Preise und Märkte umweltfreundliches Verhalten befördern, so die Befragten. Sie wünschen sich mehr als staatliche Bestrafungen und Belohnungen, um intrinsische Motivationen für die Umwelt zu fördern. Möglicherweise gelinge dies, wenn es durch staatliche Unterstützung zu mehr Gemeinschaftlichkeit komme.
Kommunalwirtschaft geht mit gutem Beispiel voran
Und wie schafft man diese? Nun ein Blick in die Kommunalwirtschaft zeigt Ansätze, die mancherorts funktioniert haben. Beispielsweise über Bürgerbeteiligungen, wodurch die Menschen direkt mitwirken konnten, wie es das Stadtwerk am See oder die Stadtwerke Rüsselsheim bereits taten.
Oder im Falle von dem Rhein-Hunsrück-Kreis: Die Menschen wurden mit den Einnahmen von Windkraftanlagen finanziell gefördert. Die Kommunen bezuschussten PV-Anlagen von Hauseigentümern oder boten ganze Tauschtage für alte Glühbirnen gegen neue, kostenlose LED-Leuchtmittel an.
Bewusstsein für klimaschonendes Verhalten fördern
Man kann auch ein Bewusstsein für klimaschonendes Verhalten schaffen. Hierfür stehen exemplarisch die CO2-Einsparaktionen, wie es die Stadtwerke Bielefeld oder Bad Kreuznach machen. Belohnt werden die Menschen für ihre CO2-Einsparungen in dem die kommunalen Unternehmen Bäume pflanzen.
Die Menschen blicken "hoch zum Staat": Aber zu wenig auf die Stadtwerke und die kommunalen Unternehmen, die vor Ort viel bewirken. Hier zeigt sich, dass aber gerade diese ein Hebel sind, um umweltengagiertes Verhalten zu fördern oder die Menschen mit zu entlasten, vor allem, wenn diese durch die "erneuerbaren Energien" gefördert wurden. (gun)



