Der Düsseldorfer Stromproduzent Uniper konnte in den ersten neun Monaten dieses Jahres sein operatives Ergebnis (bereinigtes EBIT) im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 405 Mio. Euro nahezu verdoppeln. Nach einem starken Halbjahr habe der M-Dax-Konzern das positive Ergebnis im dritten Quartal aufgrund der "Saisonalität des Gasgeschäfts" nicht weiter ausbauen können, wie Uniper am Dienstag mitteilte.
Der bereinigte Konzernüberschuss betrug nach den ersten drei Quartalen 308 Mio. Euro. Für das Gesamtjahr 2020 erwartet Uniper nach wie vor ein bereinigtes EBIT zwischen 800 Mio. Euro und einer Milliarde Euro sowie einen bereinigten Konzernüberschuss zwischen 600 und 800 Mio. Euro. Das schwache dritte Quartal - mit einem negativen operativen Ergebnis - sei erwartet worden, sagte Finanzvorstand Sascha Biebert. Man sei weiterhin auf Kurs, die Gesamtjahresziele zu erreichen.
Stromproduktion für 2021 und 2022 weitgehend abgesichert
Im Segment Europäische Erzeugung hätten insbesondere Unipers Wasser- und Kernkraftwerke positive Ergebnisbeiträge geliefert, wie Uniper weiter mitteilte. In Summe leicht gesunkene Produktionsvolumina habe man durch gestiegene Strompreise für die Kernkraftwerke kompensieren können. Auch das Wiederinkrafttreten des britischen Kapazitätsmarktes habe sich ausgewirkt. Auf der anderen Seite standen höhere Aufwendungen bei Rückstellungen für CO2-Zertifikate.
Uniper-Vorstandschef Andreas Schierenbeck geht für die nächsten Monate von einer Erholung der deutschen Stromnachfrage aus. Sollte sich der derzeitige "Lockdown light" nicht weiter verschlimmern und die Produktion von Automobil- und Großindustrie weiter stabilisieren, könne bald wieder das Vorkrisenniveau erreicht werden, sagte Schienbeck bei einer Telefonkonferenz mit Journalisten. Die Stromproduktion für den deutschen Markt hat Uniper für das kommende Jahr zu 95 Prozent zum Preis von 46 Euro/MWh und für das Jahr 2022 zu 80 Prozent zum Preis von 48 Euro/MWh abgesichert.
Nord Stream 2: "Es fehlen ja nur noch wenige Kilometer"
Mit Blick auf die umstrittene Gaspipeline Nord Stream 2 erklärte Schierenbeck, er gehe davon aus, dass diese fertiggestellt werde. "Es fehlen ja nur noch wenige Kilometer, technisch ist das ja keine Herausforderung", sagte der Uniper-Chef. Uniper ist bei der politisch umstrittenen Ostsee-Pipeline als Finanzpartner des Konzerns Gazprom mit einem Volumen von 700 Mio. Euro engagiert. Das Projekt stößt insbesondere in den USA auf Kritik, die Trump-Administration drängte bisher unter Sanktionsdrohungen auf einen Stopp.
Da die Erdgas-Förderung in Europa in den kommenden Jahren deutlich zurückgehe, verfolge Uniper eine zweigleisige Strategie, erklärte Schierenbeck. "Wir wollen den Bezug von Pipeline-Gas ausbauen und zugleich unsere Fähigkeiten im Bereich LNG stärken", so der CEO. Die bisherige Planung für einen LNG-Terminal in Wilhelmshaven hatte Uniper jedoch vor wenigen Tagen auf den Prüfstand gestellt.
Neue Optionen für den Standort Wilhelmshaven
Zwar hätten im Feststellungsverfahren über den Bedarf der Marktteilnehmer mehrere Unternehmen ihr allgemeines Interesse bekundet. Doch habe es zu wenig verbindliche Buchungen gegeben, hieß es. Nunmehr werden mehrere neue Optionen geprüft, "wie der Standort Wilhelmshaven als Importhafen für umweltfreundliches Gas genutzt werden kann", sagte Schierenbeck. (hil)



