Der Groll etablierter Energieversorger auf Deutschlands gängige Vergleichsportale scheint groß. Auf dem "Handelsblatt"-Energiegipfel sprach Enercity-Vorstandsvorsitzende Susanna Zapreva nun aus, was andere Stadtwerke in Gesprächen schon länger beklagen.
Für sie seien Verivox, Check 24 und Co. "nicht einfach Vergleichsportale, sondern Vertriebsplattformen", sagte die Chefin des Hannoveraner Regionalversorgers. Nach ihrer Auffassung sind auch sie verantwortlich für die aktuelle Situation. Schließlich finde über sie der "meiste Wettbewerb" statt.
Vergleichsportale für Billiganbieter wichtig
Hintergrund ist, dass in den vergangenen Wochen vor allem sogenannte Billiganbieter inmitten extrem gestiegener Beschaffungspreise Preise für Bestandskunden teils drastisch erhöhten, Verträge kündigten, ihre Energielieferung komplett einstellten oder gar pleite gingen. Dadurch fielen bundesweit hunderttausende Kunden in die Ersatzversorgung.
Viele Grundversorger führten daraufhin separate, teils deutlich teurere Grund- und Ersatzversorgungstarife für Neukunden ein, was wiederum Verbraucherschützer auf den Plan rief. Für viele Billiganbieter sind Vergleichsportale ein zentraler Vertriebskanal, um Neukunden zu gewinnen.
"Kunden werden in Irre geführt"
Zapreva kritisierte, dass es Discounteranbieter sehr leicht hätten, sich bei Vergleichsportalen an vorderer Stelle zu platzieren. Kunden dagegen bekämen keinen umfassenden Eindruck davon, welche Auswahl es wirklich gebe. "Denn die, die zahlen, sind drauf, und die, die nicht zahlen, nicht."
Zudem bevorzuge die vorgenommene Reihung Anbieter, die mit Boni ihre Preise im ersten Jahr nach unten drückten, führte sie aus. Die Folge: Oft übersehen Kunden, dass die Tarife in den Folgejahren deutlich teurer werden als andere Angebote. "Da werden Kunden wieder in die Irre geführt", urteilt Zapreva.
"Lage hat sich noch verschlimmert"
Die Lage habe sich in den vergangenen Monaten noch verschlimmert, sagte die Enercity-Chefin. Der Grund: Häufig sind Grundversorgungstarife nun günstiger als die billigsten Angebote auf Vergleichsportalen.
Wiesen Vergleichsportale früher noch darauf hin, wie viel Geld Kunden in der Grundversorgung beim Wechsel zu anderen Angeboten sparen, fällt dieser Hinweis nun weg, sobald der Grundversorgungstarif günstiger ist als gelistete Tarife. Auch wird nicht darauf aufmerksam gemacht, dass der Grundversorgungstarif in diesen Fällen billiger ist. "Dass das überhaupt zulässig ist, ist das wahre Problem", sagte Zapreva.
Grundversorger mahnen Verivox ab
Tatsächlich wurden bei Verivox zu Beginn der Energiekrise die Kosten des Grundversorgungstarifs generell nicht angezeigt, wenn diese günstiger waren als gelistete Angebote. Nach einer Abmahnung durch drei Grundversorger, zu denen die Stadtwerke Bad Bergzabern (Rheinland-Pfalz) gehörten, änderte das Vergleichsportal seine Einstellungen.
Seitdem sind in einem kleinen Feld links oben die Kosten des Grundversorgungstarifs aufgeführt, solange der Nutzer keine anderen Voreinstellungen vorgenommen hat. (aba)
Wie die kleinen Stadtwerke Bad Bergzabern gegen das große Verivox vorgingen und wie Geschäftsführer Christian Müller das Ergebnis bewertet, lesen Sie in der aktuellen Printausgabe der ZfK auf Seite 25. Hier geht's direkt zum Artikel. Und hier geht's zum Abo.
