Setzen auf grüne und dekarbonisierte Gase: Bodo Rodestock, Vorstand Finanzen, Personal & IT bei der VNG; Ulf Heitmüller, Vorstandsvorsitzender, Hans-Joachim Polk, Vorstand Infrastruktur/Technik (v.l.)

Setzen auf grüne und dekarbonisierte Gase: Bodo Rodestock, Vorstand Finanzen, Personal & IT bei der VNG; Ulf Heitmüller, Vorstandsvorsitzender, Hans-Joachim Polk, Vorstand Infrastruktur/Technik (v.l.)

Bild: © Torsten Pross

Von Ariane Mohl

Der ostdeutsche Energiekonzern VNG schließt eine Rückkehr zu Pipeline-Gaslieferungen aus Russland aktuell aus. Man habe aktuell keine Lieferbeziehungen zu Russland und habe mit Erfolg andere Bezugsquellen aufgetan. Eine direkte Wiederaufnahme der Lieferbeziehungen mit Russland sei "schwierig vorstellbar". Die Frage stelle sich so gar nicht. Russland habe die Gaslieferungen an Deutschland einseitig vertragsbrüchig eingestellt, gab VNG-Chef Ulf Heitmüller bei der Bilanzpressekonferenz seines Unternehmens zu bedenken. Insgesamt gebe es rund um das Thema "Erdgas aus Russland" viele Spekulationen, an denen man sich nicht beteiligen wolle.

Trotz der unsicheren politischen und regulatorischen Rahmenbedingungen setzt die VNG weiter auf den Ausbau erneuerbarer und dekarbonisierter Gase. "Zwar halten wir an unserem strategischen Kurs in Richtung grüner Gase fest, aber solange keine verlässliche Regulatorik gegeben ist, sehen wir uns weiter mit großen Unsicherheiten konfrontiert", erläutert Heitmüller. Die VNG bekenne sich klar zu weiteren Investitionen unter anderem in Biogas und Wasserstoff, brauche dazu aber stabile politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen.

VNG will Technologieoffenheit

Konkret fordert Heitmüller von der neuen Bundesregierung, dass sie zügig eine Kraftwerksstrategie vorlegt. Deutschland müsse zudem das Streitthema CCS/CCU angehen und einen passenden Rahmen für den Wasserstoffhochlauf schaffen. Die ersten bekannt gewordenen Ansätze und Vorhaben von Union und SPD seien vielversprechend. Insgesamt müsse es nun darum gehen, einen pragmatischen und technologieoffenen Ansatz zu etablieren, mahnte Heitmüller. Von der neuen Bundesregierung erhofft sich der Energiemanager einen Perspektivwechsel. Sie müsse viel stärker als die alte Bundesregierung die Sichtweisen von Investoren einnehmen, auf deren Kapital man bei der Energiewende zwingend angewiesen sei.  

Ähnlich argumentierte Hans-Joachim Polk, VNG-Vorstandsmitglied für Infrastruktur und Technik. "Wir brauchen von der Politik eine Biomassestrategie, die der Branche eine echte Zukunfts- und Wachstumsperspektive gibt", ergänzte er. Biogas sei ein regionaler Wertschöpfungstreiber und zudem flexibel einsetzbar.

VNG als Pionier

Kernelement der Energiewende sei aber Wasserstoff – ein Themenfeld, auf dem die VNG laut Polk "Pionierarbeit" leiste. Von der Politik wünscht sich der Technikchef hier eine rechtssichere Definition von grünem und dekarbonisiertem Wasserstoff. Auf der Kundenseite brauche es mehr Klimaschutzverträge, für Unternehmen eine Capexförderung. Die VNG, aber auch andere Firmen seien bereit, in Wasserstoff zu investieren. Aber das passiere eben auch nur dann, wenn die Politik zügig für gute Rahmenbedingungen sorge. "Nur dann kommen unsere Projekte richtig ins Laufen." Für den Hochlauf essentiell sei auch, dass die Bundesregierung die Befreiung der Elektrolyseure von Netzentgelten über das Jahr 2030 hinaus verlängere.

Bis 2035 will VNG – bei entsprechenden Voraussetzungen – bis zu fünf Milliarden Euro in Mittel- und Ostdeutschland investieren. Bereits 2024 flossen 329 Millionen Euro in Infrastrukturprojekte und das Geschäft mit Biogas und Wasserstoff.

Vorzeigeprojekt der VNG ist der Energiepark Bad Lauchstädt in Sachsen-Anhalt. Noch in diesem Jahr soll dort ein 30-Megawatt-Elektrolyseur in Betrieb gehen. Pro Jahr will die VNG dort 2700 Tonnen grünen Wasserstoff herstellen. Dieser soll ins Netz eingespeist werden. Ankerkunde ist die Total Energies Raffinerie Mitteldeutschland. Ontras wiederum nimmt mit einer 25 Kilometer langen Leitung von Bad Lauchstädt nach Leuna eine weitere Wertschöpfungsstufe des Energieparks in Betrieb – und damit das erste Teilstück des Wasserstoff-Kernnetzes in Ostdeutschland.

Ein weiteres Projekt ist ein Elektrolyseur in Lutherstadt Wittenberg. Ab 2029 sollen jährlich etwa 50.000 Tonnen grüner Wasserstoff produziert werden, um die lokal ansässige Industrie sowie durch den Anschluss an das Wasserstoff-Kernnetz auch überregionale Abnehmer, dabei zu unterstützen, Erdgas perspektivisch zu ersetzen und CO2-Emissionen zu reduzieren.

Russland wird nicht gebraucht

Auch im klassischen Gasgeschäft lief es für die VNG rund. "Auf dem Weg zu einem klimaneutralen Energiesystem bleibt Erdgas noch einige Zeit ein wichtiger Energieträger", ist Ulf Heitmüller überzeugt. Als erstem deutschen Unternehmen sei es VNG gelungen, Pipelinegas aus Algerien zu beziehen. Man arbeite im Rahmen der eigenen Diversifizierungsstrategie aber weiter daran, neue Lieferverträge abzuschließen.

Der Gasabsatz lag im Geschäftsjahr 2024 bei rund 352 Milliarden Kilowattstunden. Speicher-, Netz- und Biogasgeschäft trugen ebenfalls positiv zum Ergebnis bei, wie Finanz-, Personal- und IT-Chef Bodo Rodestock ausführte.

Insgesamt ist das Geschäftsjahr 2024 für die VNG gut gelaufen. Das bereinigte operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern belief sich auf 321 Millionen Euro. Das Konzernergebnis lag bei 232 Millionen Euro – beide Kennzahlen blieben allerdings hinter den Rekordwerten von 2023 zurück. Der Umsatz sank infolge gesunkener Marktpreise von 23,2 Milliarden Euro auf rund 16,1 Milliarden Euro.

Finanzchef Rodestock spricht von "sehr guten Ergebnissen aus den Jahren 2023 und 2024". Auf diesem stabilen Fundament wolle man aufbauen. Bis zu 5 Milliarden Euro will die VNG bis 2030 in Mittel- und Ostdeutschland investieren - allerdings nur, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Im laufenden Jahr sollen laut Rodestock 329 Millionen. Euro über alle Geschäftsbereiche hinweg in die Hand genommen werden.

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