Dunkle Wolken über Deutschlands drittgrößtem Gasimporteur VNG: Der Leipziger Konzern beantragte am Freitag zusätzliche Staatshilfen.

Dunkle Wolken über Deutschlands drittgrößtem Gasimporteur VNG: Der Leipziger Konzern beantragte am Freitag zusätzliche Staatshilfen.

Bild: © Jan Woitas/dpa

Es war eine brisante Nachricht, die Gasimporteur VNG im fünften Absatz seines Hilferufs nach dem deutschen Staat versteckte. Demnach hätte der Leipziger Konzern Lieferausfälle aus seinem Direktvertrag mit der russischen Gazprom-Tochter Gazprom Export noch "aus eigener Kraft und gemeinsam mit weiteren Stabilisierungsmaßnahmen [seiner] Anteilseigner" schultern können.

Für "nicht tragbar" hielt er hingegen finanzielle Belastungen aus einem Kontrakt, den er mit einem inländischen Vorlieferanten abgeschlossen hatte und ein Volumen von 65 TWh jährlich umfasste. "Dieser Vertrag wird seit Mitte Mai nicht mehr durchgängig bedient", hieß es in der Presseaussendung des drittgrößten Gasimporteurs Deutschlands.

Fall Gazprom Germania

Dass hinter dem inländischen Vorlieferanten der Gashändler Wintershall Erdgas Handelshaus (WIEH) steckt, berichtete die ZfK bereits am Freitag. WIEH ist eine Tochter der früheren Gazprom-Germania-Gruppe, die sich nun Sefe-Gruppe nennt und hinter Uniper Deutschlands zweitgrößter Gasimporteur ist. Über das Wochenende kamen weitere Details an die Öffentlichkeit.

Fakt ist: Ende März versuchte der Gazprom-Konzern seinen deutschen Ableger samt WIEH abzustoßen, woraufhin die Bundesregierung einschritt, den Verkauf stoppte und die Bundesnetzagentur als Treuhänderin installierte. In der Folge belegte Russland Gazprom Germania mit Sanktionen. Dies führte dazu, dass auch WIEH keine russischen Gaslieferungen mehr erhielt.

Übereinkunft zwischen VNG und Sefe

Damit war fraglich, ob WIEH seinen Großkunden VNG überhaupt weiter beliefern kann. Immerhin aber erhielt die Sefe-Gruppe im Juni eine milliardenschwere Finanzspritze des Bundes.

Laut "Handelsblatt" kamen die beiden Handelspartner zu folgender Übereinkunft. Die WIEH-Mutter Sefe soll offenbar in den vergangenen Monaten große Geldsummen an VNG gezahlt haben, damit diese sich das fehlende Gas am Markt beschaffen konnte. "Seit Juni trägt Sefe diese Kosten mit Ausnahme mehrerer Tage im August", teilte das Unternehmen demnach der Zeitung mit. Sefe bestätigte die Aussagen auf ZfK-Anfrage.

Ein Fall fürs Gericht

Gasimporteur VNG stellte die Lage dramatischer dar: "Die Kosten der Ersatzbeschaffung hat VNG im August bei historisch hohen Gaspreisen anders als zuvor erwartet zu erheblichen Teilen tragen müssen", hieß es in der Presseaussendung des Konzerns.

Wie die ZfK erfuhr, schaltete VNG schließlich die Justiz ein – und bekam Recht. Das Landgericht Frankfurt verpflichtete WIEH dazu, die VNG bis zum 30. September weiter zu beliefern. Daraufhin legte die WIEH Berufung vor dem Oberlandesgericht Frankfurt ein. Am 19. September sollte die Verhandlung stattfinden. Dann aber eine neue Wende.

Gerichtstermin aufgehoben

Wie ein Gerichtssprecher der ZfK am Montag mitteilte, wurde der Termin aufgehoben. "Die Parteien haben übereinstimmend das Ruhen des Verfahrens beantragt." Die ZfK wollte sowohl von VNG als auch von Sefe wissen, ob es eine außergerichtliche Einigung gegeben habe und, wenn ja, wie diese aussehen würde. VNG und Sefe wollten den Sachverhalt nicht weiter kommentieren. (aba)

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