"Mehr Erneuerbare, mehr Elektromobilität, mehr Power-to-Gas", lautet der Dreiklang von Stefan Kapferer, Hauptgeschäftsführer des BDEW, um die Energiewirtschaft wieder zu einer Wachstumsbranche zu machen. Nicht nur der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft rechnet seinen Mitgliedern gute Marktchancen aus – auch drei Viertel der Unternehmen selbst gehen für dieses Jahr von guten oder sogar sehr guten Geschäften aus. Das geht aus einer Umfrage von BDEW und Ernst & Young hervor, die im Juni veröffentlich wird.
Aus Sicht von Kapferer liegen in der Energiewende und der Abkehr von fossilen Energieträgern Chancen für Innovationen und dementsprechend neue Märkte: "Um die Energiewelt von morgen aufzubauen, muss massiv in die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien und in neue Speichertechnologien investiert werden. Die Branche hat zudem die große Chance, sich mit der Mobilität ein ganz neues Geschäftsfeld zu erschließen."
Nachfrage nach Flottenmanagement wird steigen
Allein die Investitionen in Ladeinfrastruktur könnten sich für Versorger wirtschaftlich lohnen: Wächst der Anteil der E-Fahrzeuge von aktuell zwei auf zehn Prozent in den nächsten Jahren, müssten im öffentlichen Raum jährlich mindestens 9000 Ladepunkte errichtet werden. Hinzu kommen mehrere hunderttausend private Wallboxen im Wohn- und Arbeitsbereich. Wer hier investiert, schreibt nicht nur bei jedem Ladevorgang schwarze Zahlen, sondern kann auch sein Dienstleistungsangebot erweitern.
Vor allem dem Flottenmanagement schreibt der BDEW eine hohe Nachfrage bis ins Jahr 2030 zu. Immerhin schreiben die Grenzwerte aus Brüssel vor, dass der CO2-Ausstoß von Pkw-Fuhrparks und leichten Nutzfahrzeugen um 37,5 Prozent beziehungsweise 31 Prozent sinken muss. Eine Koordination der Autos, Transporter und Lastwagen, wer, wann, wie lange laden kann, wird für Mittelständler genau wie für Großkonzerne unausweichlich.
Regularien machen es der Windkraft schwer
Neben neuen Verkehrskonzepten sieht der BDEW auch bei der Stromerzeugung Potenzial: Soll das 65-Prozent-Ziel der Bundesregierung erreicht werden, muss die erneuerbare Stromproduktion von heute 120 GWh auf bis zu 220 GWh gesteigert werden. Dieser ambitionierte Ausbaupfad lässt sich nicht nur über Neubauprojekte erzielen, sondern auch über Repowering. Nach Angaben der Fachagentur Wind fallen bis Ende 2025 16 GW aus der EEG-Vergütung. Allerdings hat insbesondere die Windkraft, egal ob Alt- oder Neuanlagen, nach wie vor mit rechtlichen Hürden zu kämpfen.
Laut BDEW könnten rund 40 Prozent der 16 GW nicht repowert werde. Zwei Drittel davon scheitern an planungsrechtlichen Bestimmungen, wie Abstandsregelungen oder Flächenausweisungen. Der Verband fordert dementsprechende Anpassungen sowie eine CO2-Bepreisung im NON-ETS-Bereich und auch der Offshore-Deckel müsse von bislang 15 GW auf mindestens 17 GW angehoben werden.
Power-to-Gas muss von Steuern und Umlagen befreit werden
Auch bei der Sektorenkopplung sieht der BDEW Nachbesserungsbedarf. Einerseits sollten Strom- und Gasnetze aufeinander abgestimmt werden, andererseits müssten Hemmnisse der Marktintegration von Power-to-Gas-Technologien, wie Stromsteuern und -umlagen, abgebaut werden. Denn der Trend zu PtG-Anlagen im Industriemaßstab zieht ordentlich an. Gleich mehrere Großprojekte im dreistelligen MW-Bereich sind in Planung. (ls)



