Bei den jüngsten Aschaffenburger Energiegesprächen stand die Digitalisierung im Zentrum des Geschehens. Professor Jens Strüker, Studiendekan Energiemanagement von der Hochschule Fresenius, Fachbereich Wirtschaft & Medien, stellte Blockchain vor und was sie im Detail leisten kann, welches Potenzial in dieser Technologie für die Energiewirtschaft und für unser tägliches Leben steckt. Und: Welche Bedeutung Blockchain künftig für Energieerzeuger und -kunden haben wird.
Strüker erläuterte das Prinzip der dezentralen Transaktionsnachhaltung, mit der Datensicherheitsprobleme gelöst werden können. Eine Blockchain sei geeignet, Kopien sowie Veränderungen an Dateien zu verhindern und stellt somit die Unveränderlichkeit von Einträgen sicher. Des Weiteren ging er auf asymmetrische Verschlüsselungsmethoden, kreatives Hashen sowie den für Blockchains wie Bitcoin oder Ethereum typischen Proof of Work (PoW) ein. Im Rahmen von PoW gesteht der Algorithmus Teilnehmern, die eine komplizierte kryptografische Aufgabe lösen und damit Transaktionen validieren und somit neue Blöcke auf der Blockchain generieren, eine Belohnung zu (Mining).
Nachteile des PoW-Algorithmus
Allerdings hat der Proof-of-Work(PoW)-Algorithmus einige Nachteile. So erfordert das Lösen der komplizierten Rechenaufgaben sehr viel Zeit und Elektrizität und ist damit verhältnismäßig kostenintensiv. Beispielsweise verbraucht die Bitcoin-Blockchain mehr Energie als das Land Dänemark.
Abschließend zeigte Strüker, wie Blockchain die Ineffizienz von dezentralen Energiesystemen mit hohem Erneuerbaren-Anteil verbessern kann, nämlich in dem Milliarden von Geräten in Echtzeit kommunizieren und sich gegen Knappheitssignale aus Netz und Markt optimieren. Des Weiteren ging er auf Mieter-, Eigenstrom und Quartiersanwendungen ein und zeigt die Vorteile, die sich für die Ladeinfrastruktur für Elektromobilität ergeben.
Unser Leben 4.0
Den Bogen zum Thema "Unser Leben 4.0" schlug Referent Dieter Gerlach, Geschäftsführer der AVG. Wie sich die Aschaffenburger Stadtwerke auf die digitale Energiewende vorbereiten, was heute bereits schon Realität ist, was geplant ist und wo experimentiert wird, zeigte Gerlach unter der Überschrift „Digitale Transformation bei den Stadtwerken“ auf.
Dabei ging Gerlach nicht nur auf die Möglichkeiten der Blockchain ein, sondern präsentierte auch die Themen, mit denen sich die AVG aktuell beschäftigt. „Der digitale Strukturwandel fordert uns als Stadtwerke in unseren internen Prozessen, vor allem aber in den Angeboten gegenüber unseren Kunden“, so Gerlach.
Digitales Kundenportal
Beispiel Erreichbarkeit für Kunden: Neben der analogen Erreichbarkeit, einer besonderen Stärke örtlicher Versorger insbesondere im Vergleich zu anderen Wettbewerbern, arbeitet die AVG derzeit an einer webbasierten, digitalen Kunden-Portal-Lösung, die es dem Kunden ermöglicht, zu jeder Tages- und Nacht-Zeit mit der AVG zu kommunizieren und standardisierte Vertragsangelegenheiten innerhalb des Portals, losgelöst von Raum und Zeit, selbstständig erledigen zu können. „Die Zahl derer, die einen solchen Service erwarten, ist ständig zunehmend“, erläuterte Gerlach. Allerdings werden die Unternehmen viele Jahre beide Wege parallel bedienen müssen, da der Anteil derer, die den analogen Kontakt bevorzugen, geringer werde, aber noch beachtlich hoch sei.
Ähnlich neu organisiert werden muss der Mobilitätssektor: Derzeit arbeitet die AVG an einer Plattform, zusammen mit dem Unternehmen Moovel, um Kunden ein vollumfängliches Mobilitätsangebot für die Region anzubieten. „Wir sehen unsere künftige Aufgabe darin, Mobilität zu organisieren“, so Gerlach. Dies bedeutet: Teile davon werde die AVG durch eigene Leistung erbringen, aber auch ergänzende Angebote zur klassischen ÖPNV-Leistung anbieten oder mit Partnern zu realisieren. „Entscheidend ist, dass die Kommune die Mobilität organisiert, unabhängig davon, ob Sie alle Teilleistungen selbst erbringt“, erläuterte der AVG-Chef. Schließlich gilt: Wer die Mobilität organisiert, hat Einfluss auf die Preisgestaltung und die Angebotsvielfalt. „Die sollten die Kommunen im Interesse ihrer Bürger nicht aus den Händen geben.“ (al)

Jens Strüker, Studiendekan Energiemanagement von der Hochschule Fresenius, Fachbereich Wirtschaft & Medien, Frankfurt, präsentierte Einzelheiten der Blockchain-Technologie.
Bild: © AVG
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