"Der Zuspruch zeigt, dass wir auf guter Augenhöhe mit den Kunden hier in der Region sind. Viele ehemalige Kunden konnten wir zurückgewinnen", sagt Jan Schulz, Geschäftsführer der Stadtwerke Nordfriesland.

"Der Zuspruch zeigt, dass wir auf guter Augenhöhe mit den Kunden hier in der Region sind. Viele ehemalige Kunden konnten wir zurückgewinnen", sagt Jan Schulz, Geschäftsführer der Stadtwerke Nordfriesland.

Bild: © Stadtwerke Nordfriesland

Drei Jahre nach der Fusion der nordfriesischen Stadt- und Gemeindewerke Leck, Bredtstedt und Niebüll ist die Stadtwerke Nordfriesland GmbH weiter auf Wachstumskurs. Seit dem Zusammenschluss der drei kleinen Versorger konnte das Ergebnis der Stadtwerke Nordfriesland GmbH im Vergleich zu 2018 um 50 Prozent verbessert werden, heißt es in einer Pressemitteilung.

Das bereinigte Jahresergebnis 2021 liegt mit 3,5 Mio. Euro um 16 Prozent über dem des Vorjahres und steigt damit das dritte Jahr in Folge. Maßgeblicher Erfolgsfaktor seien die erfolgreichen Restrukturierungsmaßnahmen in allen Arbeitsbereichen, erklärt Geschäftsführer Jan Schulz (39). „Die Fusion als eine einmalige Chance haben wir entschlossen genutzt“, resümiert er. Im Grunde sei man das Großprojekt wie eine Neugründung angegangen.
 


Dabei sei in der Analyse-Phase 2019/2020 ganz grundlegend gefragt worden: „Was kann dieses Unternehmen eigentlich und was kann es aber auch nicht? Von welchen Dingen sollten wir uns trennen und auf welche Bereiche sollten wir uns künftig konzentrieren?“

Optimierung des Vertriebs und "frischer Außenauftritt"

Im Ergebnis seien Aufbau- und Ablauforganisation auf Effizienz und Effektivität getrimmt; betriebswirtschaftliche Kennzahlen seien zu wichtigen Steuerungskriterien für das Unternehmen geworden, erläutert der Geschäftsführer.

Unter anderem wurde die Beschaffungsstruktur angepasst und der Vertrieb optimiert. Verträge mit B2B-Kunden wurden auf Profitabilität überprüft. Daneben konnten im Privatkundengeschäft deutliche Neuzugänge verbucht werden. Hilfreich, so Schulz, sei dabei der inzwischen „unkompliziert-frische Außenauftritt“.

„Der Zuspruch zeigt, dass wir auf guter Augenhöhe mit den Kunden hier in der Region sind. Viele ehemalige Kunden konnten wir zurückgewinnen.“ Die Anzahl der privaten Endkunden in den Bereichen Strom und Gas wuchs in den vergangenen vier Jahren um über 4000 Neuzugänge. 2021 wurden im Bereich Strom 60 GW/h verkauft, bei Gas waren es 114 GW/h.

"Die Preise werden im kommenden Jahr steigen, insbesondere beim Erdgas"

Während die Coronapandemie nur punktuelle Effekte auf den Betrieb hatte, wird sich der Ukrainekrieg im 2022er Geschäftsjahr deutlich auswirken. „Wir können – und wir müssen – jetzt schon sagen, dass die Preise steigen werden. Das wird sich 2023 besonders beim Erdgas bemerkbar machen. Die Marktpreise kennen leider weiterhin nur den Weg nach oben“, erklärt Schulz

Das Jahr 2021 habe deutlich gezeigt, dass das klassische Stadtwerke-Modell nach wie vor seine Existenzberechtigung habe, so Schulz. Etliche Unternehmen, vor allem Billiganbieter, seien aus dem Markt ausgeschieden, die Kunden hätten dafür zum Teil teuer bezahlen müssen.

Kommunal geprägte Betriebe, wie die Stadtwerke Nordfriesland GmbH, hingegen seien stabil geblieben, „weil wir eben nicht nur nach Gewinnmaximierung streben.“ Dies stehe, so Schulz, keineswegs im Widerspruch dazu, weiterhin betriebswirtschaftlich zu arbeiten, intern weiter Prozesse zu hinterfragen, Kosten zu senken und den Synergieprozess weiter zu treiben.

Regionalität und Kundenloyalität als wichtige Trümpfe

„Der Fusionsprozess hat uns am Ende besser gemacht. Ob das ein Modell für andere sein kann, muss immer im Einzelfall geprüft werden. Denn wenn die Ursprungsunternehmen keinen Sinnzusammenhang haben, droht die Gefahr, dass die Unternehmensmarke verwässert. Das schwächt am Ende die Akzeptanz bei den Kunden.“ Die Stadtwerke Nordfriesland hingegen setzten konsequent auf Regionalität und Loyalität der Kunden.

Jenseits der internen Restrukturierungserfolge sieht Jan Schulz die Pandemie und die Energiepreiskrise „als Turbo für tiefgreifende Veränderungen in kommunalen Versorgungsunternehmen“. Hilfreich sei „eine Denke, wie beim Start-up: Optimismus, Tatkraft, Resilienz und Wille zur Veränderung“.

Die Zukunft sieht Jan Schulz als „unglaublich herausfordernd“ für die gesamte Branche an. Nicht nur die Themen Digitalisierung, Abläufe und Organisation von kleinen und mittelgroßen Stadtwerken müssten auf den Prüfstand, sondern ebenfalls die Beschaffung und der Vertrieb. „Wir brauchen sicherlich ganz neue Produkte, ganz neue Preismodelle. Wir müssen als Kommunalversorger auch an diesen Punkten viel flexibler werden und uns neuen Herausforderungen stellen, wenn wir nicht abgehängt werden wollen.“ (hoe)

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