ZfK: Die Bundesregierung hat nun erste Vorstellungen für die kommunale Wärmeplanung vorgelegt. Wie gehen Sie bei der N-Ergie dieses Thema an?
Render: Wir in Nürnberg haben den Weg gewählt, die kommunale Wärmeplanung gemeinsam mit der Stadt zu realisieren. Die Stadt muss diese Aufgabe ja nachher übernehmen. Wichtig ist deshalb, das vorab im Konsens zu erarbeiten, damit von Beginn an das Verständnis füreinander vorhanden ist. Dieser Gedanke ist noch zu wenig im Gesetz verankert. Sonst besteht die Gefahr, dass die Städte und Gemeinden eine Planung machen, die völlig unrealistisch ist. Oder umgekehrt die Stadtwerke Ideen vorantreiben, die an den Vorstellungen der Kommune vorbeiläuft. Es muss wirklich partnerschaftlich mit der Energiebranche laufen. Es gibt Beispiele, wo das nicht funktioniert. Wir haben das frühzeitig in Nürnberg gemacht. Hier läuft es Hand in Hand.
ZfK: Für Großstädte sollen die Wärmepläne bis Ende 2026 fertig sein, kleinere Städte sollen zwei Jahre länger Zeit haben. Ist das ein sinnvoller Zeitrahmen?
Render: Wie gesagt: Wir müssen Tempo aufnehmen. Insbesondere bei der Wärmewende, wo wir in Deutschland noch ziemlich am Anfang stehen. Deshalb empfinde ich es als guten Zeitplan. Wir werden versuchen, auch Maßnahmen bereits im Prozess abzuleiten und mit der Umsetzung zu beginnen – wir werden also Tempo aufnehmen.
ZfK: Ist die Forderung nach einem 50-prozentigen Anteil erneuerbarer Wärme für die Fernwärme bereits im Jahr 2030 unrealistisch?
Render: Für einige Versorger wird das sicher sehr sportlich und wahrscheinlich nicht überall bis dahin machbar. Es wird vielleicht auch nicht entscheidend sein, ob es 2030 erst 45 oder schon 55 Prozent sind, solange am Ende die Null beim CO2 Ausstoß steht. Bei der N-ERGIE sind wir aufgrund einer guten Ausgangslage sehr zuversichtlich, das zu schaffen. Wir haben uns sogar zum Ziel gesetzt, die Fernwärme bis 2035 komplett CO2-neutral zu gestalten.
ZfK: Mit dem Oster- und Sommerpaket sind die Rahmenbedingungen für den Erneuerbaren-Ausbau verbessert worden. Nehmen Sie bei sich in der Region bei der Planung von Projekten schon Verbesserungen wahr?
Render: Die Genehmigungsverfahren sind zumindest in Bayern nicht der große Haken. Deshalb würde ich die Verfahren als große Entschuldigung nicht nach vorn stellen. Trotzdem sollten wir es ernst meinen, diese zu vereinfachen. Das sind schon schwierige Vorgaben. Wir kennen ja die Dauer und die Zeiträume und haben uns darauf eingestellt. Und selbstverständlich machen wir immer Druck. Wenn der Gesetzgeber sagt, eine Umweltverträglichkeitsvorprüfung dauert so lange, anschließend müssen die Unterlagen so und so lange ausgelegt werden und dann gibt es Einwendungen, die müssen beantwortet werden. Das sind die Fristen, die wir alle einzuhalten haben. Der Gesetzgeber kann und sollte daran schrauben und festlegen, dass es schneller gehen und andere Fristen geben soll. Dass die Anträge von den Behörden verlangsamt bearbeitet werden, kann ich für Bayern nicht bestätigen. Schon weil nicht so viele Anträge da waren.
ZfK: Aber jetzt kommt auch in Bayern Tempo rein?
Render: Ja, auch wir als N-ERGIE werden in den nächsten Jahren die Erneuerbaren deutlich stärker ausbauen. Wir sind gerade in enorm vielen Gesprächen mit den Kommunen vor Ort, um partnerschaftlich Flächen zu entwickeln. Da kommt bei uns schon Schwung rein.
ZfK: Wie könnte man das noch schneller hinbekommen?
Render: Das ist schlussendlich eine privatwirtschaftliche Frage. Der Landwirt entscheidet sich für das beste Angebot und schaut sich natürlich auch viele Projektentwickler und Konzepte an. Von daher glaube ich nicht, dass es bei der Flächenbereitstellung viel schneller geht. Das wären dann Eingriffe ins Privatrecht, die so groß wären, dass wir alles über den Haufen schmeißen würden. Wir haben nun mal den Run auf die Flächen, dort sind jetzt alle unterwegs. Die nachfolgenden Verfahren könnten beschleunigt werden.
ZfK: Die Stadtwerke Münster haben jüngst die Ablehnung eines Genehmigungsantrages für eine Windkraftanlage, bei dem es um Einwände der Bundeswehr wegen Flugrouten ging, vor Gericht überprüfen lassen und am Ende Recht bekommen. Dafür gab es viel Zustimmung aus der Branche. Ist eine solche Hartnäckigkeit unerlässlich, wenn man den von der Politik angemahnten Erneuerbaren-Ausbau auch wirklich durchsetzen will?
Render: Klares ja, wenn ich an ein Projekt glaube, würde ich das genauso tun. Da kann ich die Haltung der Kollegen in Münster sehr gut nachvollziehen. Wenn ich noch ergänzen darf, ich sehe diese klare Haltung als Schritt zwei. Schritt eins ist noch etwas anderes. Und zwar erst einmal die Bevölkerung und alle Behörden dafür zu begeistern, dass das gut ist, was wir als Stadtwerke tun. Wir haben seit 2012 den Knick bei der Photovoltaik gehabt. Wir haben 2016/17 einen Einbruch bei der Windkraft erlebt. Ich denke, wenn wir alle weiterhin Begeisterung schüren, ist schon viel geschafft. Man kann es in einigen Bundesländern sehen. Etwa in Schleswig-Holstein, da ist die Begeisterung für den Ausbau der Erneuerbaren seit 15 Jahren da. Und dort gibt es auch weniger solche Diskussionen. Deswegen, Haltung in Schritt zwei wie in Münster? Ja, sehe ich auch so. Aber bitte nach der Begeisterung, nach dem Erklären. Wir gehen gern in die Region und erzählen den Landräten und Bürgermeistern, was am Ausbau der Erneuerbaren und der Stromnetze gut ist, warum es gut ist und wie sie vor Ort profitieren können. Wir machen die Bürger mit zu Beteiligten. Das ist der Schritt eins. Und wenn dann Schritt zwei kommt, heißt es, Haltung zu zeigen.
Das Interview führten Klaus Hinkel und Hans-Peter Hoeren
Lesen Sie in der aktuellen ZfK-Juni-Printausgabe das große Interview mit N-Ergie-Chef Maik Render zum Heizungsstreit, zu einem möglichen Interesse am Bau eines wasserstofffähigen Gaskraftwerks, neuen Finanzierungschancen für Stadtwerke und dem Missbrauchsverfahren des Bundeskartellamtes zu Energiepreisen. Zum Abo geht es hier.
