Die Stadtwerke Energie Jena-Pößneck haben sich mit zehn Prozent am Jenaer Start-up Energy13 beteiligt. Erst 2022 entstand das Unternehmen von einem Netzwerk aus Wissenschaftlern, Ingenieuren und Finanzexperten aus den Bereichen Chemie, Biophysik und Infrastruktur. Das Unternehmen setzt bei Wasserstoffproduktion auf Aluminium als Energieträger. "Die Beteiligung in Höhe von zehn Prozent ist für uns ein Baustein, um künftige Entwicklungen im Wasserstoffbereich aktiv mitzugestalten", sagt der Geschäftsführer der Stadtwerke, André Sack, im Interview.
Welche strategischen Ziele verfolgen die Stadtwerke mit dem Einstieg?
Mit der Beteiligung an Energy13 verfolgen die Stadtwerke Energie Jena-Pößneck das strategische Ziel, frühzeitig Know-how und Zugang zu innovativen Technologien zur Produktion und Speicherung von Wasserstoff aufzubauen. Als kommunales Unternehmen engagieren wir uns aktiv für eine nachhaltige Energieversorgung – dazu gehört auch die Erschließung neuer, klimafreundlicher Energieträger. Die Beteiligung in Höhe von zehn Prozent ist für uns ein Baustein, um künftige Entwicklungen im Wasserstoffbereich aktiv mitzugestalten und potenzielle Anwendungsfelder zu identifizieren. Zum Kaufpreis der Anteile haben beide Partner Stillschweigen vereinbart.
Sehen Sie vor Ort einen Abnehmermarkt für Wasserstoff?
Vor dem Hintergrund der angestrebten Dekarbonisierung energieintensiver Prozesse – etwa in der Metallverarbeitung, Stahlproduktion, Chemie-, Glas- oder Zementindustrie – wächst der Bedarf an Wasserstoff deutlich. Auch der Energiesektor selbst ist auf klimaneutrale, schaltbare Gaskraftwerke angewiesen, um Versorgungssicherheit mit Strom und Wärme langfristig zu gewährleisten.
In unserem Versorgungsgebiet in Jena und der Region sehen wir vor allem im industriellen Umfeld ein wachsendes Interesse an Wasserstofflösungen. Auch wenn der lokale Markt aktuell noch in den Anfängen steckt, schätzen wir das Potenzial langfristig als hoch ein – insbesondere mit Blick auf mittelständische Industrieunternehmen und die kommunale Energieversorgung.
Wie schätzen Sie das Potenzial ein?
Es ist absehbar, dass Wasserstoff auf Basis von Erdgas aus dem Ausland den Bedarf allein nicht decken kann – insbesondere unter dem Aspekt einer sicheren, unabhängigen Versorgung. Umso wichtiger sind effiziente, dezentrale Speicherlösungen wie das Energy13-Verfahren.
Warum haben Sie sich ausgerechnet für die Investition zum Einstieg in den Wasserstoffmarkt entschieden?
Das Verfahren von Energy13 bietet aus unserer Sicht einen innovativen Ansatz zur sicheren und effizienten Speicherung regenerativ erzeugter Energie in Form von Aluminium – einem Material mit hoher Verfügbarkeit, großer Energiedichte und vollständiger Wiederverwertbarkeit.
Aluminium, das zunehmend aus erneuerbaren Energien hergestellt wird, lässt sich im Energy13-Verfahren gezielt einsetzen, um Energie flexibel und standortunabhängig in Form von Wasserstoff und Strom bereitzustellen. Erste Prototypen haben gezeigt, dass die Technologie zuverlässig funktioniert und an unterschiedliche Bedarfe angepasst werden kann.
Angesichts der Herausforderungen bei der flächendeckenden Versorgung mit grünem oder importiertem Wasserstoff – etwa über stromintensive Elektrolyseure oder ein noch im Aufbau befindliches Wasserstoffnetz – bietet die Energy13-Lösung eine vielversprechende, dezentrale Alternative mit hohem Anwendungspotenzial.
Das Interview führte Artjom Maksimenko
