Eigentlich wollen die Ingolstädter über das Mannheimer Unternehmen MVV Energie gar nicht klagen. Eigentlich sagt auch Oberbürgermeister Christian Scharpf (SPD), dass Stadt und Firma bei den Stadtwerken Ingolstadt gut zusammengearbeitet hätten, das Klima gut gewesen sei und Ingolstadt auch in verschiedenen Bereichen vom Know-how des Unternehmens profitiert habe. "Von daher gibt es überhaupt keinen Grund zur Klage", betont er. (Die ZfK berichtete).
Und eigentlich ist auch die MVV zufrieden, spricht von einer "vertrauensvollen Partnerschaft", dank derer die Stadtwerke Ingolstadt ein "innovativer Impulsgeber" seien, "der die zuverlässige Energieversorgung für die Bevölkerung und die Wirtschaft mit seiner gesellschaftlichen Verantwortung und neuen Geschäftsmodellen" verbinde. "Wir werden daher die erfolgreiche Zusammenarbeit mit der Stadt und den Stadtwerken Ingolstadt gerne auch in den kommenden Jahren in der bewährten Form fortsetzen", teilt ein Unternehmenssprecher auf Anfrage mit.
Ingolstadt diskutiert drei Optionen
Allerdings stehen die Zeichen auf Kündigung des Vertrags, der der MVV seit Jahren fast die Hälfte der Anteile (48,4 Prozent) an den Stadtwerken Ingolstadt zusichert. Seitdem nämlich fließen Gewinne der Stadtwerke auch fast zur Hälfte nach Mannheim und nicht mehr wie früher ausschließlich in die Ingolstädter Stadtkasse. Dadurch entgeht Ingolstadt Geld, das der Oberbürgermeister und mit ihm wohl auch viele Stadträte gern woanders wieder ausgeben würden: für den öffentlichen Nahverkehr etwa.
Bis zum Jahresende kann der Stadtrat den Vertrag mit der MVV kündigen. Und wie es aus Fraktionskreisen heißt, wird er das auch tun. Denn die knapp 140.000-Einwohner-Kommune im Herzen Bayerns will sich alle Optionen offen halten. Die da wären: kompletter Rückkauf der Stadtwerke, neuer Vertrag mit der MVV, vermutlich mit höheren Eigenanteilen, oder Zusammenarbeit mit einem neuen Partner.
Grüne und SPD wollen zumindest Anteile erhöhen
In den vergangenen Wochen ist Bewegung in die Sache gekommen. Die Stadt werde sich externe Unterstützung an Bord holen, sagt Scharpf. Wer das sein soll, verrät er nicht. Nur so viel: "Jetzt werden wir zunächst einmal den Stadtrat mit der Frage befassen, welchen Berater wir uns an die Seite stellen." Und: "Ich bin nicht auf ein Ergebnis festgelegt. Entscheidend ist alleine, was für die Stadt und unsere Stadtwerke die beste Lösung ist."
Dabei gilt noch immer: Grüne und SPD und auch Scharpf selbst wollen am liebsten die Stadtwerkeanteile ganz oder teilweise zurückkaufen. Das haben sie schon im Wahlkampf versprochen. Die CSU, die die größte Fraktion im Stadtrat stellt, gibt sich bedeckt. "Ich bin da noch ohne Präferenzen und will mich von Experten beraten lassen", sagte Fraktionschef Alfred Grob dem "Donaukurier".
Bis Ende des Jahres muss Stadtrat handeln
Fest steht: Am 23. Oktober tritt der Stadtrat wieder zusammen. Dann soll er entscheiden, von wem sich die Kommune beraten lassen will. Fest steht auch: Handelt der Stadtrat bis Ende des Jahres nicht, verlängert sich der Vertrag mit dem MVV automatisch.
Preis für Rückkauf der Stadtwerke offen
Was nach Angaben der Stadt dagegen noch nicht feststeht, ist der Preis für den Rückkauf der Stadtwerke. Der "wäre noch zu bestimmen", heißt es aus der Stadtverwaltung. Ein dreistelliger Millionenbetrag dürfte es bei einer vollständigen Rekommunalisierung aber wohl schon werden. Die Teilprivatisierung vor 20 Jahren soll der Stadt jedenfalls 116 Millionen Euro in die Kassen gespült haben. (ab)
