Von Hans-Peter Hoeren
Die Stadtwerke Konstanz stehen vor großen Investitionsherausforderungen. Durch die Übernahme zweier gut frequentierter, ertragsstarker Innenstadtparkhäuser ab den Jahren 2026 respektive 2027 wird der Kommunalversorger künftig zusätzliche Deckungsbeiträge erzielen. Aus diesen sollen die Anfangsverluste des im Juli eröffneten neuen Parkhauses Europabrücke finanziert werden. Langfristig soll dieses neu übernommene Geschäftsfeld auch Ergebnisbeiträge liefern, aus denen etwa Teile der Energiewende vor Ort finanziert werden könnten. Allein für die Wärmewende müssen die Stadtwerke in den kommenden Jahren rund 550 Millionen Euro investieren.
Beide bestehenden Parkhäuser werden innerhalb der Stadt als "Betrieb gewerblicher Art“ geführt, deren Gewinne zu versteuern sind. Nach der Integration der Parkhäuser in die steuerliche Organschaft der Stadtwerke Unternehmensgruppe können diese Gewinne mit den Verlusten aus dem Betrieb der Bäder (rund acht Millionen Euro) und des ÖPNV (rund fünf Millionen Euro) verrechnet werden, erklärt Stadtwerke-Geschäftsführer Norbert Reuter auf ZfK-Anfrage.
Die dadurch erzielte Steuerersparnis bleibe damit in der Stadt. "Ferner ergeben sich frei werdende Personalressourcen, da die Verantwortlichkeiten für die Parkeinrichtungen innerhalb der Stadt auf mehrere Ämter verteilt waren“, so Reuter weiter.
Umgliederung des Stadtbus-Betriebs und Gründung einer neuen Mobiltochter
Die Erschließung dieses neuen Geschäftsfeldes hängt mit der Umgliederung des Stadtbusbetriebes von den Stadtwerken in die inhousefähige Stadtwerke Konstanz Mobil GmbH (KMG) zusammen, die Gesellschaft wurde Anfang August im Handelsregister eingetragen. Alle Mitarbeitenden sowie die Assets des Busbetriebes sind seit sind seitdem in der KMG angesiedelt.
Angestoßen wurde die Gründung der Mobiltochter durch eine Änderung der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofes und des Bundesgerichtshofes, sagt Reuter. Gemäß den Gerichten war eine Fortführung der bestehenden Betrauung der Stadtwerke Konstanz mit den ÖPNV-Leistungen im Stadtgebiet Konstanz nicht mehr möglich. Der Gemeinderat der Stadt Konstanz hatte deshalb vor einigen Jahren den Grundsatzbeschluss gefasst, dass alle landgebundenen Mobilitätsleistungen in einer neuen, inhousefähigen Tochtergesellschaft der Stadtwerke gebündelt werden sollen.
Durch die Übernahme der Innenstadtparkhäuser habe sich für die KMG die Möglichkeit zum Bau eines Parkhauses in direkter Nachbarschaft und auf teilweise eigenem Grundstück der Stadtwerke ergeben, sagt der Stadtwerke-Geschäftsführer. Dieses Parkhaus bediene unter anderem einerseits den Parkflächenbedarf des neu entstehenden Europaquartiers, aber auch bestehende Einrichtungen wie den neuen Fernbusbahnhof, das Veranstaltungshaus Bodenseeforum, es soll zudem bei Bedarf die eingeschränkt zur Verfügung stehenden Parkflächen in der Innenstadt entlasten.
Innenstadtlage der Parkhäuser sorgt für gute Ertragssituation
Für den Businesscase und die Abschreibungsdauer des neuen Parkhauses wurden verschiedene Szenarien unterstellt. Im günstigsten Szenario (schneller Quartiersaufwuchs) ist ein kostendeckender Betrieb des Parkhauses möglich. Im Europaquartier sind neben einem Gesundheitszentrum auch die Ansiedlung von Handel, Gewerbe, Gastronomie, Dienstleistung und Wohnen vorgesehen.
"Das Parkraumkonzept der Stadt Konstanz ergibt für Parkflächen im Straßenraum höhere Kosten als beispielsweise in den Parkhäusern“, erklärt Reuter weiter. Dies, die gute Innenstadtlage und die damit verbundene hohe Frequentierung der Parkhäuser ergebe eine entsprechend gute Ertragssituation. Ferner habe man mit einer dynamischen Preisgestaltung sowie auch Kooperationen mit dem Einzelhandel und Veranstaltern zusätzliche Optimierungsoptionen.
Das neue Parkhaus Europabrücke umfasst 750 Pkw-Stellplätze und ist auf 1200 Stellplätze erweiterbar. Zudem gibt es Carsharing-Plätze, 80 Ladepunkte sowie 124 Fahrrad-Stellplätze. Unterstützt wird das Projekt vom Land Baden-Württemberg und aus aus dem Förderprogramm "E-Quartiershubs in Baden-Württemberg“.
Ihre Ladeinfrastruktur betreiben die Stadtwerke bereits kostendeckend
Durch das neue Parkhaus wird sich die öffentlich zugängliche Ladeinfrastruktur der Stadtwerke Konstanz verdoppeln. Aktuell betreibt der Kommunalversorger 75 öffentlich zugängliche Ladepunkte in der Stadt. "Die Ladeinfrastruktur können wir bereits kostendeckend betreiben“, versichert Reuter. Insgesamt wurden an den Ladepunkten in 2024 rund 39.666 Ladevorgänge verzeichnet und rund 706.265 kWh Strom abgegeben. Die Anzahl der Ladevorgänge ist im Vergleich zum Vorjahr um 14 Prozent gestiegen.
Stadtwerke Konstanz zeigen sich mit Bilanz für 2024 zufrieden
Wie gut der Kommunalversorger die geplanten zusätzlichen Deckungsbeiträge aus den Parkhäusern gebrauchen kann, verdeutlicht auch der Blick auf die Unternehmensbilanz für das Geschäftsjahr 2024. Zwar konnte man im Kerngeschäft mit einem Ergebnis von 3,98 Millionen Euro die Erwartungen übertreffen.
Rechnet man aber die Resultate aus den defizitären Sparten ÖPNV und Bäder hinzu, liegt das Gesamtergebnis nach Steuern bei minus 3,75 Millionen Euro. Das ist zwar deutlich besser als geplant; um den Querverbund zu finanzieren, ist aber dennoch seit einigen Jahren eine jährliche Kapitalzuführung der Stadt Konstanz in Höhe von 5,4 Millionen Euro notwendig. Diese sorgt unterm Strich für ein positives Gesamtergebnis in Höhe von 1,65 Millionen Euro.
Kapitalzuführung der Stadt soll weiterhin für ausgeglichene Ergebnisse sorgen
Das Unternehmen gehe in der Mittelfristplanung davon aus, dass im steuerlichen Querverbund die Ertragsbereiche (Versorgung und Schifffahrt) auch weiterhin die Verluste der Sparten ÖPNV (rund fünf Millionen Euro) und Bäder (rund acht Millionen Euro) mitfinanzieren, sagt Reuter. Inklusive der jährlichen Kapitalzuführung der Stadt Konstanz plane man ein mindestens ausgeglichenes Ergebnis.
"Ob diese Kapitalzuführung in Zukunft ausreicht, ist auch abhängig von verschiedenen Rahmenbedingungen, die gerade entstehen respektive sich perspektivisch entwickeln“, fährt der Stadtwerke-Geschäftsführer fort. Als Beispiele nennt er hier die im Koalitionsvertrag genannte Einrichtung eines Investitionsfonds für die Energieinfrastruktur oder auch die CO2-Bepreisung gemäßt dem Emissionshandelssystem ETS II.



