Gerhard Holtmeier, Sprecher der Geschäftsführung der Dortmunder Energie- und Wasserversorgung, beim VKU-Stadtwerkekongress in Berlin.

Gerhard Holtmeier, Sprecher der Geschäftsführung der Dortmunder Energie- und Wasserversorgung, beim VKU-Stadtwerkekongress in Berlin.

Bild: © VKU Service/Joerg-Farys

Stadtwerke müssen künftig vor allem investierbar sein und bleiben, sowohl gegenüber Banken als auch gegenüber Anteilseignern. Diesen grundsätzlichen Appell zum Thema Finanzierung richtete Gerhard Holtmeier, der Vorsitzende der Dortmunder Energie- und Wasserversorgung (DEW21), am zweiten Tag des VKU-Stadtwerkekongresses in Berlin an die Branche. Und das ungeachtet eines Investitionsbedarfs allein in den Bereichen Wasser und Energie von bis zu vier Milliarden Euro bis 2045 in Dortmund.

"Geld entscheidet nicht über die Zukunft, sondern die Fähigkeit, auch dauerhaft zukunftsfähig zu bleiben." Ausreichend Kapital zur Finanzierung der Energiewende vor Ort sei im Markt vorhanden. Dieses Kapital brauche Vertrauen und Vertrauen entstehe nur durch Wettbewerbsfähigkeit.

Wettbewerbsfähigkeit als Grundlage

"Die Zukunft unserer Stadtwerke entscheidet sich daran, dass unser Kerngeschäft auf Dauer tragfähig ist", verdeutlichte der erfahrene Energiemanager. Nur dann bleibe man für Kapitalgeber attraktiv.

Im ersten Schritt gehe es beim Thema Finanzierungsherausforderungen deshalb darum, als Unternehmen kosteneffizient und gut aufgestellt zu sein und die richtigen Kompetenzen im Unternehmen zu haben. Digitalisierung etwa bedeute nicht mehr einfach den Umbau einer bestehenden IT in einer Organisation und einen Kostenfaktor, sondern vielmehr einen Kulturwandel. "Digitalisierung ist Teil der Wertschöpfung. Wir brauchen Menschen, die sehr flexibel damit arbeiten können", verdeutlichte er.

Realitätscheck für die Unternehmen

Die Transformation der Branche erfordere einen Realitätscheck eines jeden einzelnen Unternehmens. Damit einhergehe auch eine konsequente Priorisierung und eine Konzentration auf die Geschäftsfelder, die man wirklich machen müsse. Man müsse sich "maximal auf die Tätigkeiten konzentrieren, die man wirklich machen müsse". Sonst sei man für Banken nicht mehr attraktiv, warnt Holtmeier. Die DEW21 habe in den vergangenen Jahren die eigene Zukunftsfähigkeit in einem teils schmerzhaften Transformationsprozess gestärkt und die wirtschaftliche Stabilität zurückgewonnen. Das Unternehmen hat sich zudem ambitionierte Digitalisierungsziele bis 2030 gesetzt.

Reutlingen unterstützt Stadtwerke mit Kapitaleinlage

Der Investitionsbedarf der Branche für die Energiewende vor Ort bis 2045 liegt laut einer PwC-Studie im Auftrag der Förderbank KfW bei rund 535 Milliarden Euro. Ohne zusätzliches Eigenkapital wird kaum ein Stadtwerk das finanzieren können. Bei den Stadtwerken Reutlingen etwa übersteigt der Investitionsbedarf bis 2045 die Innenfinanzierungskraft bei Weitem.

Um die Finanzierungsfähigkeit der städtischen Tochter mit Blick auf diese Herausforderung zu stärken, hat die Stadt Reutlingen ein Nachrangdarlehen über 180 Millionen Euro aufgenommen. Dieses reicht sie in zehn Tranchen zu je 18 Millionen Euro pro Jahr zu marktüblichen Zinsen an die Stadtwerke weiter. Die erste Auszahlung der ersten Tranche ist noch im laufenden Jahr vorgesehen, wie Stadtwerke-Geschäftsführer Jens Balcerek in Berlin ausführte. Ähnliche, viel beachtete Modelle haben Enercity in Hannover und die Stadtwerke Halle in Sachsen-Anhalt umgesetzt.

Von einem ersten, wichtigen Schritt, um die Investitionsherausforderungen bewältigen zu können, sprach Balcerek. Man werde aber künftig weitere Finanzierungsbausteine benötigen. "Die Daseinsvorsorge gerät durch die Energiewende unter Druck", so der Reutlinger Stadtwerkechef. Auch Zuschüsse für die Leistungserbringung im ÖPNV und bei den Bädern würden künftig ein noch wichtigeres Thema.

Auch die Wemag geht neue Wege

Ein Nachrangdarlehen nach dem Reutlinger Modell ist beim Flächenversorger Wemag in Mecklenburg-Vorpommern allein schon wegen der kleinteiligen kommunalen Eigentümerstruktur nicht umsetzbar, erklärte im Anschluss Caspar Baumgart, der kaufmännische Geschäftsführer der Wemag.

Allein für den Stromnetzausbau rechnet der in Schwerin ansässige Kommunalversorger bis 2031 mit Investitionen von über einer Milliarde Euro. Die angeschlossene Leistung aus erneuerbaren Energien wird im Versorgungsgebiet von aktuell 3.200 Megawatt (MW) bis 2035 auf bis zu 10.000 MW steigen.

Stromnetzausbau und Projektfinanzierungen

Um dies stemmen zu können, setzt Baumgart auch auf Projektfinanzierungen außerhalb der Bilanz, etwa beim Bau von Umspannwerken. Hier ist das Unternehmen Teil eines Pilotprojekts in der Thüga-Gruppe.

Auch ein Darlehen über 220 Millionen Euro wurde bei der Europäischen Investitionsbank (EIB) aufgenommen. Die Laufzeit beträgt 20 Jahre. "Hier haben wir sehr positive Erfahrungen gemacht", berichtete Baumgart. Er hob dabei die "sehr flexiblen Konditionen und die zweijährige bereitstellungsfreie Zeit" hervor.

Kredit der Europäischen Investitionsbanik

Natürlich seien vor der Kreditbewilligung eine intensive Prüfung der Wemag durch die EIB erfolgt. „Das lief aber viel über einen direkten, persönlichen Kontakt und war ein sehr angenehmer Prozess“, betonte Baumgart. Natürlich sei das Darlehen mit langfristigen Reportingverpflichtungen verbunden. Für Direktkredite gebe es bei der EIB eine Mindestgrenze von 50 Millionen Euro; es gebe aber auch spezielle Programme mit kleineren Losgrößen, die für kleinere Stadtwerke interessant sein könnten.

KfW-Chef sieht Mezzanine-Programm auf gutem Weg

An neuen Lösungen für die Energiebranche arbeitet derzeit auch die Förderbank KfW. Erst im August waren zwei neue Programme gestartet, die auch das Thema Stromnetzausbau adressieren. Das von der Branche seit Langem gewünschte Programm zur Bereitstellung von Eigenkapital und eigenkapitalähnlichem Kapital (Mezzanine-Kapital) sei auf einem guten Weg, versicherte der KfW-Vorstandsvorsitzende Stefan Wintels beim VKU-Stadtwerkekongress. Das Programm, das gemeinsam mit dem Bund entwickelt wird, soll im Laufe des nächsten Jahres starten. "Wir sind dabei, ein Ökosystem zu entwickeln und benötigen hier vor allem Bündelung, Standardisierung und Transparenz", sagte der KfW-Chef.

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