Die Stadtwerke Bochum haben das abgelaufene Geschäftsjahr mit einem besseren Ergebnis abgeschlossen als erwartet. Grund dafür seien insbesondere Sondereffekte, erklärte der Sprecher der Geschäftsführung der Stadtwerke Bochum Holding, Frank Thiel, anlässlich der Bilanzpresskonferenz des Unternehmens.
Der Gewinn lag demnach bei 105,4 Millionen Euro und damit 15,5 Millionen Euro über Plan. 2025 sei für die Stadtwerke Bochum erneut ein sehr erfolgreiches Jahr gewesen, so Thiel. Ein weiteres Mal habe ein dreistelliges Ergebnis erzielt werden können. Das "gibt uns die notwendige Stabilität, um die großen Zukunftsinvestitionen für Bochum entschlossen anzugehen", betonte der Stadtwerke-Chec.
Zukunft unklar
Während 2026 nun eine "Normalphase" anstehe, erwartet Thiel spätestens ab 2027 herausfordernde Jahre. Als Gründe dafür nennt er die Transformation der Energieerzeugung und die damit verbundenen Kosten. Aber auch steigende Energiepreise aufgrund geopolitischer Krisen wie dem Krieg zwischen den USA und dem Iran.
2025 hätten sich vor allem Effekte aus dem Handelsgeschäft sowie aus dem 2024 vollzogenen Verkauf der Steag-Beteiligung positiv bemerkbar gemacht. Von den 105,4 Millionen Euro Gewinn würden 75 Millionen Euro an die Stadt Bochum abgeführt, hinzu kämen 22 Millionen Euro Konzessionsabgaben. Die Umsatzerlöse aller Gesellschaften zusammen lagen bei rund 1,13 Milliarden Euro.
"Eher weniger als jetzt"
Auf ZFK-Nachfrage sagte Thiel, für das aktuelle Jahr werde ein Ergebnis von dann 69 Millionen Euro angestrebt. "Es werden wohl mehr als 70 Millionen Euro", führte er aus. Auch die Umsatzerlöse dürften niedriger ausfallen. Der Manager rechnete mit "eher weniger als jetzt".
Zugleich unterstrichen die Stadtwerke, dass die 2024 begonnene "Investitionsoffensive in historischer Dimension" nötig sei. 2025 habe der Versorger rund 131 Millionen Euro "in die Transformation der Energie- und Wärmeversorgung" investiert. Bis 2030 sollen es insgesamt rund 1 Milliarde Euro sein.
Erste Kredite 2027
"Diese Investitionen werden unsere Ergebnisse in den kommenden Jahren belasten – unter anderem durch höhere Zinsaufwendungen und Abschreibungen", räumte Thiel ein. "Aber sie sind notwendig, um die Infrastruktur zu schaffen, von der Bochum langfristig profitieren wird."
Dafür braucht es auch geliehenes Geld. Erste Kreditaufnahmen seien "ab 2027" möglich, antwortete Thiel der ZFK. Bis zum Jahr 2030 sei eine Gesamtkreditaufnahme von "circa 200 bis 300 Millionen Euro" geplant.
Drei Kostentreiber
Elke Temme, Geschäftsführerin Transformation bei den Stadtwerken, nennt drei zentrale Kostentreiber: den Ausbau der Fernwärmenetze sowie des Glasfasernetzes und die Ertüchtigung der Stromnetze, sowohl durch physischen Ausbau als auch digitale Lösungen.
Ziel bei der Fernwärme sei etwa, das derzeitige Netz von 250 Leitungskilometern bis 2045 auf 500 Kilometer zu vergrößern. Aber nur dort, wo es wie zum Beispiel in der Innenstadt sinnvoll sei, und eher nicht in dezentralen, von Einfamilienhäusern geprägten Gebieten, so Temme. Dort seien Wärmepumpen die langfristig sinnvollste Lösung.
Digitalisierung gegen Engpässe
Darüber hinaus steige der Druck auf die Stromnetze, beispielsweise wegen der zunehmenden Zahl an Wärmepumpen und Ladesäulen. Dezentrale Einheiten würden es schwieriger machen, die maximale Last zu bedienen.
Deshalb wollen die Stadtwerke außer in "Kupfer und Assets" auch in die Digitalisierung etwa von Ortsnetzstationen investieren. "Nicht jede Herausforderung erfordert sofort Tiefbau. Oft helfen zunächst Daten, Transparenz und intelligente Steuerung, um Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit miteinander zu verbinden", erläuterte Temme.
Laut Thiel sollen die Potenziale der Digitalisierung auch gehoben werden, um die zu erwartenden Kostensteigerungen zu kompensieren. Dazu zählt er ebenso dynamische Tarife, die zum Beispiel Preissignale bei erhöhter Erneuerbareneinspeisung senden. "Wir wollen den Anteil dynamischer Tarife in den nächsten fünf Jahren auf mindestens zehn Prozent erhöhen", etwa durch Werbung. "Am Ende des Tages haben alle etwas davon", zeigte sich der Stadtwerke-Chef überzeugt.
Gas: "sehr große Wette"
Bei dem Thema Gasnetz verwies die Geschäftsführung auf die gesetzlichen Vorgaben, die derzeit noch im Bundestag beraten werden. Das Ziel sei aber, möglichst keine doppelten Infrastrukturen zu betreiben. Der Fokus eventueller Stilllegungen liege "klar auf Fernwärmegebieten", wo Kundinnen und Kunden eine Alternative angeboten werden könne, sagte Temme. Grundsätzlich sei Gas als Wärmelösung für die Zukunft aber eine "sehr große Wette mit vielen Faktoren, die dagegensprechen". Fernwärme und Wärmepumpen böten heute "die bessere Planbarkeit".
Preise sollen vorerst stabil bleiben
Trotz dieser Investitionen und geopolitischer Krisen sollen zumindest dieses Jahr Strom, Gas und Wasser indes nicht teurer werden. "Ich bin ziemlich sicher, dass es 2026 keine Steigerungen gibt", so Thiel weiter. Hier geht die Beschaffungsstrategie des Unternehmens also noch auf.
Aber "es kann natürlich sein, dass sich das '27, '28, '29 ändert". Er führt hierfür besonders die ungewisse Entwicklung im USA-Iran-Krieg an. Auch sei nicht vorhersehbar, wie sich der künftige Bedarf entwickeln wird oder wann nochmal Temperaturen von 40 Grad Celsius erreicht werden.