Mehr als man sieht: Über 500 Kilometer Rohrleitungen, sowohl überirdisch als auch im Verborgenen bilden heute die Grundlage der Fernwärmeversorgung Leipzigs.

Mehr als man sieht: Über 500 Kilometer Rohrleitungen, sowohl überirdisch als auch im Verborgenen bilden heute die Grundlage der Fernwärmeversorgung Leipzigs.

Bild: © Leipziger Gruppe

In Leipzig haben die Stadtwerke die kommunale Wärmeplanung (KWP) schon an die städtische Politik übergeben. Ein erstes Pilotquartier wird nun von Stadt und Stadtwerken mit Fernwärme erschlossen. Der Fernwärmeausbau wird hier kooperativ vorangetrieben, da es auf dem Weg zur Klimaneutralität viele Herausforderungen gibt. "Früher haben wir mit Wohnungsgenossenschaften große Projekte gemacht, heute geht es um strukturierte Quartierserschließung", erklärt Maik Piehler, Vorstand der Leipziger Stadtwerke, auf der VKU-Vertriebstagung in Leipzig.

Als Stadt der Mieterinnen und Mieter, nur 13 Prozent der sächsischen Großstadt wohnen im Eigentum, stehen die Stadtwerke vor einer Vielzahl von Akteuren, die für einen Anschluss angesprochen werden müssen. In Rahmen der KWP wurden daher auch der Mieterschutzbund und die Verbraucherzentrale früh einbezogen. "Wir haben damit gute Erfahrungen gemacht", sagt Piehler, "diese Akteure sind nun auch bei unseren Bürgerinformationsveranstaltungen dabei."

Besonders kompliziert wird es für Planer, wenn ein Haus im Ausbaugebiet einer Eigentümergemeinschaft gehört, die selbst nicht in Leipzig ansässig ist. Hier haben sich die Hausverwaltungen als wertvolle Ansprechpartner erwiesen. Die Stadtwerke geben ihnen Informationen an die Hand, um die Eigentümer zu informieren.

Maik Piehler wird neuer Geschäftsführer der Stadtwerke Leipzig.Bild: © Leipziger Stadtwerke

Eine Stadtvilla zwischen Mietshäusern wird im Zweifel besser durch einer Wärmepumpe versorgt.

Maik Piehler

Geschäftsführer Stadtwerke Leipzig

Als wenig hilfreich beschreibt der Vorstand dabei einen Anschlusszwang: "Das ist nicht exekutierbar." Jeder und jede könne sich schließlich seine eigene Lösung einbauen und könnte damit sogar nachhaltiger sein: "Eine Stadtvilla zwischen Mietshäusern wird im Zweifel besser durch eine Wärmepumpe versorgt."

Die Ökogasdebatte um das Gebäudemodernisierungsgesetz führt laut Piehler nicht zum Tod des Fernwärmeausbaus. "Vielleicht brauchen wir drei Jahre länger beim Ausbau, aber er wird kommen, wo es wirtschaftlich sinnvoll ist", sagt Piehler.

Allerdings nimmt der Vorstand auch die Unsicherheit bei den Kundinnen und Kunden wahr: "Wir erklären die Gesetze, wir halten auch den Unmut aus, der dann geäußert wird", sagt Piehler. "Wir sind nicht mehr nur Absatzkanal, wir sind Bezugspunkt zur Lebensrealität." Was politisch im Bund passiere, habe allerdings mit dieser Lebensrealität oft weniger zu tun.

Den Kunden die Unsicherheit nehmen

Der Unsicherheit der Menschen begegnen die Leipziger auch indem sie Kundinnen und Kunden anbieten, die Verantwortung für ihren Gaskessel im Fernwärmeausbaugebieten übergangsweise zu übernehmen, also bis dort ein entsprechender Anschluss vorliegt.

Die Haverieoption ist unser Vertriebshebel für die Fernwärme.

Meike Thoma, Referentin Fernwärme bei der Rheinenergie

So eine "Haverieoption" gibt es auch in Köln, berichtet Meike Thoma, Referentin Fernwärme und Projektmanagement bei der Rheinenergie. Diese bieten die Stadtwerke in Ausbaugebieten zusammen mit einem Vorvertrag an: "Die Haverieoption ist unser Vertriebshebel für die Fernwärme", sagt Thoma. In einem Gebiet mit vielen Vorverträgen haben die Stadtwerke eine hohe Planbarkeit. Die Sorge des Kunden, er oder sie könne im Kalten sitzen, sollte die alte Gasheizung ausfallen, wird umgangen. Insbesondere Vermieter würden daraus resultierende Regressansprüche vermeiden wollen.

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