Ein Vierpersonenhaushalt in Worms oder Ludwigsburg zahlt im Durchschnitt weniger als 300 Euro im Jahr für die Abwasserentsorgung, während es in Mönchengladbach oder Potsdam mehr als 900 Euro sind. Das ist das Ergebnis des Abwassergebührenrankings 2020, das das Institut der deutschen Wirtschaft Köln im Auftrag von Haus & Grund Deutschland erstellt und IW Consult veröffentlicht hat.
Im Ranking 2020 liegen 17 der 25 besten Städte in Bayern oder Baden-Württemberg. Die bestplatzierte ostdeutsche Stadt (Erfurt) kommt auf Rang 30. Unter den 25 Städten mit den höchsten Gebühren liegen 15 in NRW, davon 13 in der Metropolregion Rhein-Ruhr. 81 Städte haben seit 2017 die Gebühren erhöht, in 18 sind sie gesunken.
Viele Faktoren
"Das Badewasser abzulassen oder die Toilettenspülung zu betätigen, kostet in einigen Regionen Deutschlands doppelt oder gar dreimal mehr als in anderen", kritisierte der Verband anlässlich der Vorstellung des Gebührenvergleichs am Donnerstag. In vielen Städten seien die Gebühren zu hoch, sagte Präsident Kai Warnecke, Präsident des Verbandes Haus & Grund.
Wie hoch die Abwassergebühren im Einzelnen sind, hängt allerdings von vielen Faktoren ab, wie es in der Anaylse Abwassergebührenrankings 2020 heißt. Müssen beispielsweise mit Hilfe von Pumpen Höhen überwunden werden, ist das Kanalnetz alt, müssen Hochwasserschutz-Maßnahmen integriert sein oder gibt es eine besondere Infrastruktur für die Regenrückhaltung und die Beseitigung der Abwässer?
Weniger Nutzer führen zu Mehrkosten
Die Zahl der Einwohner spielt ebenso eine Rolle wie Zu- und Abwanderungsbewegungen. Denn wenn in einer Region die Bevölkerungsdichte sinkt, nimmt der Frischwasserverbrauch ab und das Abwasserkanalsystem wird weniger genutzt. Dadurch steigen die Kosten zur Erhaltung des Systems, die dann auf die Abwassergebühren aufgeschlagen werden. Bedeutsam ist auch die Stadtfläche. In Flächenstädten, in denen weite Wege überwunden werden und deshalb große Kanalnetze unterhalten werden müssen, sind die Abwassergebühren in der Regel höher als in kompakten Siedlungsgebieten mit gleicher Einwohnerzahl.
„Ob Siedlungs- und Nutzungsstruktur oder naturräumliche Gegebenheiten wie Meteorologie, Hydrologie, Geologie und Topographie: Entscheidend für die Organisation und Kosten der Abwasserentsorgung ist immer die tatsächliche Situation vor Ort", sagt ein Sprecher des VKU. "Abwasserkanäle sind kein Massenprodukt von der Stange, sondern ein Maßanzug, der eigens für die Rahmenbedingungen vor Ort angefertigt wurde und für Jahrzehnte ausgelegt ist. Im Klartext: Abwasserinfrastrukturen sind Maßanfertigungen für Generationen. Daher funktionieren einfache Vergleiche nicht und können keine Transparenz für Verbraucher schaffen.“
Vereinfachung ist irreführend
Wie alle Vergleichsstudien basiert das Ranking von Haus & Grund auf Annahmen zu typisierten Verbrauchsfällen und Wohngegebenheiten, was zu erheblichen Verzerrungen führen kann. Denn Haushaltsgröße und Wassergebrauch pro Einwohner – und damit auch Abwassermenge – fallen regional sehr unterschiedlich aus: Während im Bundesdurchschnitt ca. 127 Liter Wassergebrauch pro Einwohner und Tag verzeichnen, liegt der tatsächliche Wassergebrauch in den Bundesländern teilweise deutlich darüber oder darunter. Rankings brauchen vereinfachende Annahmen – aber diese gehen an der Situation vor Ort vorbei und schaffen deshalb keine Transparenz für die Verbraucher. (hp, mit Material von dpa)
