Die Unterzeichner der Initiative (v.li.n.re.): Jürgen Eschment (Parforce Engineering und Consulting), Peter Fröhlich (PTC – Parforce Technology Cooperation), Christian Kabbe (EMG EasyMining Germany), Lars Linden (Ragn-Sellsföretagen), Dirk Waider (Gelsenwasser), Martin Braunersreuther (Phosphorgewinnung Schkopau) und Leo Homann (MSE Mobile Schlammentwässerung)

Die Unterzeichner der Initiative (v.li.n.re.): Jürgen Eschment (Parforce Engineering und Consulting), Peter Fröhlich (PTC – Parforce Technology Cooperation), Christian Kabbe (EMG EasyMining Germany), Lars Linden (Ragn-Sellsföretagen), Dirk Waider (Gelsenwasser), Martin Braunersreuther (Phosphorgewinnung Schkopau) und Leo Homann (MSE Mobile Schlammentwässerung)

Bild: © StudioLoske/Paul-Gerhard Loske/Gelsenwasser

Das Bundesumweltministerium hat am 21. August 2024 die Gemeinsame Erklärung zum Ausbau der Phosphorrückgewinnung aus Klärschlamm veröffentlicht. Sie basiert auf auf den Ergebnissen des Branchendialogs „Phosphorrückgewinnung aus Klärschlamm“, den das Bundesumweltministerium durchgeführt hat. Allerdings sind nicht alle Teilnehmer mit der Erklärung einverstanden.

Die „Initiative sauberer Phosphor“ hat sich dazu entschieden, die Erklärung nicht zu unterschreiben. „Aus unserer Sicht bestehen über den dort skizzierten Weg erhebliche Bedenken hinsichtlich der Umweltverträglichkeit und des Schutzes von Boden und Gewässern“, teilt sie in einem LinkedIn-Post mit.

Unterschiedliche Ansichten zu den Endprodukten

Zu der Initiative gehören Gelsenwasser, EMG Easy Mining Germany, MSE Mobile Schlammentwässerung, die PTC-Parforce-Technology Cooperation, Parforce Engineering und Consulting, KSR Klärschlammrecycling Bitterfeld-Wolfen, die Phosphorgewinnung Schkopau sowie die Ragn-Sellsföretagen AB.

Die Initiative begrüßt durchaus die Aktivitäten des Branchendialogs zur Phosphorrückgewinnung in Deutschland. Die Veranstaltung habe wichtige Erkenntnisse gebracht und relevante Akteure zusammengeführt. Der Dialog habe jedoch auch deutlich gemacht, dass die Ansprüche an die Qualitäten möglicher Endprodukte einer Phosphorrückgewinnung unter den Akteuren sehr unterschiedlich ausgeprägt sind, heißt es in der Erklärung.

Recyclingverfahren müssen Schadstoffe entfernen

Die Diskussion konzentriere sich zudem auf nationale Gesetze und vernachlässige weitgehend das europäische Düngemittelrecht. Um zu unterstreichen, dass „bei der Einhaltung von Umweltstandards der Umweltschutzgüter, insbesondere des Bodens, keine Verhandlungsmasse besteht“, unterstützt die Initiative die Entscheidung ihrer am Branchendialog teilnehmenden Mitglieder, die gemeinsame Erklärung nicht zu unterzeichnen.

Die Initiative hat Interesse an der Umsetzung einer hochwertigen Rückgewinnung von Phosphor aus den Klärschlammaschen, heißt es in der Stellungnahme. Diese Entscheidung spiegelt die Position der Initiative wider, da erhebliche Bedenken hinsichtlich der Umweltverträglichkeit und des Schutzes von Boden und Gewässern über den dort skizzierten Weg bestehen. „Recyclingverfahren, die Schadstoffe nicht ausreichend entfernen, sind für uns nicht akzeptabel“, so die Initiative.

Hochbelastete Aschen

Werden diese Klärschlämme in Monoverbrennungsanlagen verbrannt, entstehen Aschen, die über aufkonzentrierte Schwermetallgehalte verfügen. Diese Aschen wurden und werden noch immer regelkonform deponiert. In beiden Fällen bedeute dies, dass die Schadstoffe dem Wertstoffkreislauf und vor allem dem umweltoffenen Bereich entzogen sind.

Diese Aschen sollen künftig zur Phosphorrückgewinnung genutzt werden – ein wichtiger Schritt, um Deutschlands Abhängigkeit von Importen dieses kritischen Rohstoffs zu verringern und die Kreislaufwirtschaft zu stärken. Der in der gemeinsamen Erklärung skizzierte Weg birge jedoch das Risiko, dass Schadstoffe teilweise oder vollständig wieder in die Umwelt gelangen, wenn die Aschen nicht adäquat behandelt werden, heißt es in der Stellungnahme weiter.

Verschlechterung gegenüber dem Status quo

Dabei seien nicht nur die Schwermetalle zu berücksichtigen, sondern auch organische Spurenstoffe, die bei Verbrennungstemperaturen von 950 Grad Cesius nicht vollständig zerstört werden.

Das würde die Umweltbedingungen im Vergleich zum Status quo verschlechtern und einen neuen Eintragspfad für Schadstoffe in die Umwelt schaffen. Deshalb seien eine gründliche und sichere Weiterbehandlung sowie die Entfernung des Phosphors aus der Asche notwendig. "Nur so kann nach unserer Auffassung eine schadlose und ordnungsgemäße Verwertung sichergestellt werden", stellt die Initiative fest.

Moderne Düngemittel

In Nordeuropa gebe es grundsätzlich nur wenige Böden, die als Phosphatmangelstandorte bezeichnet werden können, jedoch sei das Phosphat für Kulturpflanzen in spezifischen Wachstumssituationen oft schwer verfügbar. Die Landwirtschaft benötige moderne Düngemittel, die den Nährstoffbedarf der Pflanzen genau decken, ohne Böden und Gewässer zu belasten.

Phosphathaltige Reststoffe erfüllten diese Anforderungen nicht und seien daher keine geeigneten Nährstofflieferanten für die Bedürfnisse einer modernen Landwirtschaft mit den angebauten Hochleistungssorten.

Phosphate für die Industrie

Bei der Rückgewinnung des kritischen Rohstoffs Phosphor gehe es nicht nur um die Produktion von Düngemitteln, sondern auch um die Sicherstellung der Phosphatversorgung für die Industrie. Die Rückgewinnung in Form von reinen Grundstoffen in marktrelevanten Mengen stärke die wirtschaftliche Resilienz Europas und Deutschlands.

Die "Initiative Sauberer Phosphor" ist fest davon überzeugt, "dass umweltfreundliche und nachhaltige Phosphorrückgewinnung nur durch eine enge Zusammenarbeit aller Akteure möglich ist: Wir bieten an, uns weiterhin aktiv in den Dialog einzubringen, um gemeinsam eine schutzgutbezogene Kreislaufwirtschaft zu fördern, die sowohl ökologischen als auch wirtschaftlichen Anforderungen gerecht wird.“ (hp)

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