Abtauchen hieß es am Mittwoch für Spezialtaucher an der Baustelle des neuen Abwasserpumpwerks plus Regenwasserauffangbecken in Charlottenburg. Ihr Job ist unter anderem 300 Kubikmeter Beton im Grundwasser zu einer später festen Sohle zu formen. "Wir liegen mit dem Baufortschritt 14 Tage vor Plan", freute sich Stephan Natz, Sprecher der Berliner Wasserbetriebe. Bis in zwei Jahren soll die neue Anlage in den Probebetrieb gehen und ein 129 Jahre altes Abwasserpumpwerk auf der gegenüberliegenden Straßenseite ersetzen. 68 Mio. Euro werden in das Projekt investiert, das neue Abwasserpumpwerk hat ein Einzugsgebiet von über 100.000 Einwohner.
"Mit dem Vorhaben kommen wir dem Ziel ein Stück näher, angesichts zunehmenden Starkregens die Spree und weitere innerstädtische Gewässer vom Nähr- und Schadstoffeintrag zu entlasten und so die EU-Wasserrahmenrichtlinie umzusetzen", unterstrich Natz. Denn bei Starkregen fließt verunreinigtes Regenwasser in die innerstädtischen Gewässer. Mithilfe des neuen Regenwasserbeckens sowie von Abwasserkanälen soll es künftig aufgestaut werden, um Überläufe zu verhindern.
Überläufe in die Spree und andere Berliner Gewässer sollen halbiert werden
245.000 Kubikmeter Regenwasserstauraum wurden seit den 1990er Jahren in Berlin im innerstädtischen Bereich, das heißt innerhalb des S-Bahn-Rings, laut Angaben von Natz bereits realisiert. Bis 2023 sollen im Rahmen des sogenannten Stauraumprogramms Platz für 300.000 Kubikmeter Regenwasser geschaffen werden. Das neue Becken in Charlottenburg ist 7.000 Kubikmeter groß. Platz für 7.400 Kubikmeter verunreinigtes Regenwasser schafft der neue unterirdische Stauraumkanal am Mauer Park im Ortsteil Prenzlauer Berg. 17.000 Kubikmeter zusätzlicher unterirdischer Stauraum sollen in Berlin-Mitte im Bereich der Chaussestraße geschaffen werden. Im kommenden Jahr soll der Bau starten.
Zusätzlich wird an zwei Klärwerken außerhalb des Innenstadtbereich Platz für rund 90.000 Kubikmeter verunreinigtes Regenwasser bzw. Abwasser geschaffen, so Natz gegenüber der ZfK. Ziel sei es, die rechnerisch ermittelten Überläufe in die Spree und andere Berliner Gewässer künftig zu halbieren.
"Schwammstadt" gegen Klimaextreme
Daneben versucht die Hauptstadt mit einer dezentralen Regenwasserversickerung, Entsiegelung und Begrünung ("Schwammstadt") die Folgen der zunehmenden Klimaextreme abzufedern. Hierzu gründeten das Land Berlin und die Berliner Wasserbetriebe im Mai gemeinsam eine Regenwasseragentur. Sie ist bei den Wasserbetrieben angesiedelt und soll die Berliner Verwaltung, Planer und Bürger bei der Umsetzung dezentraler Lösungen für einen neuen Umgang mit Regenwasser unterstützen, damit Berlin wassersensibler und klimaangepasster wird. (hcn)



