Wacken ist eine beschauliche Gemeinde in Schleswig-Holstein mit rund 2100 Einwohnern. Jeden August verwandelt sich der Ort in das Mekka der Heavy-Metal-Szene: Das "Wacken Open Air" zieht 80.000 Fans an – und stellt die regionale Abwasserinfrastruktur vor extreme Herausforderungen.
Aus über 1300 mobilen Toiletten, rund 500 Duschen und der Festivalküche fallen täglich etwa 2000 Kubikmeter Abwasser an, die per Lkw zur Kläranlage des Wasserverbands Süderdithmarschen transportiert werden.
Im Normalbetrieb reinigt die Anlage die Abwässer von drei Gemeinden mit insgesamt 3800 Einwohnergleichwerten. Während des Festivals muss sie ein Vielfaches davon bewältigen. "Wir puffern vor, dosieren gezielt und brauchen dafür beide Belebungsbecken", erklärt Dennis Behrens, Betriebsleiter der Kläranlage.
2013 wurden in einem der beiden Becken 50 sogenannte Aerostrip-Belüfter des österreichischen Herstellers Aquaconsult eingebaut. Das Ergebnis überzeugte: Der Stromverbrauch sank um rund 30 Prozent auf etwa 85.000 Kilowattstunden (kWh) pro Jahr, die Schlammmenge halbierte sich. Inzwischen wird auch das zweite Belebungsbecken mit weiteren 50 Elementen ausgestattet.
Kapazitätserweiterung ohne Neubau
Vor einer ähnlichen Herausforderung wie Wacken steht aufgrund des Wintertourismus der Abwasserverband Achental-Inntal-Zillertal (AIZ) in Tirol. In der Kläranlage Strass werden die Abwässer aus einem weitläufigen Einzugsgebiet gereinigt – mit stark schwankenden Spitzenlasten in den Wintermonaten. Außerdem nahm auch noch das Besucheraufkommen stark zu. Deshalb musste die Kapazität von 167.000 auf 250.000 Einwohnergleichwerte erhöht werden.

Diese Erweiterung sollte ohne den Bau neuer Becken gelingen. Die Lösung war das sogenannte Triple-A-Verfahren (Alternierende Aktivierte Adsorption) –, ein innovatives Belüftungsverfahren für die erste Reinigungsstufe. Dabei spielt die Belüftungstechnik von Aquaconsult eine zentrale Rolle: Aerostrip-Elemente sind in sämtlichen Klärstufen des AIZ im Einsatz und übernehmen nun auch im Triple-A-Verfahren eine Schlüsselfunktion. "Das Verfahren wird die Vorklärung revolutionieren", ist AIZ-Geschäftsführer Gerald Glaninger überzeugt.
Der gesamte Umbau kostete den Abwasserverband 1,8 Millionen Euro. Bei einem konventionellen Ausbau mit einer zusätzlichen Belebungsstraße für 5000 Kubikmeter für Klärschlamm wären Gesamtkosten von 4,3 Millionen Euro entstanden.
Vier Jahrzehnte Belüftungstechnik
Der Belüfter-Spezialist Aquaconsult hat seinen Sitz in Traiskirchen bei Wien. Das Unternehmen wurde vor 40 Jahren gegründet – ursprünglich als Beratungsunternehmen, was sich bis heute im Namen widerspiegelt. Seit 2006 ist Aquaconsult eine Tochtergesellschaft des japanischen Konzerns Sanki Engineering Co. Ltd.
Seit fast vier Jahrzehnten entwickelt das Unternehmen Belüftungstechnologien für kommunale und industrielle Kläranlagen. Kern des Portfolios sind die Aerostrip-Streifenbelüfter, die für einen gleichbleibend hohen Sauerstoffeintrag bei geringem Energiebedarf sorgen und einen stabilen Betrieb auch unter stark schwankenden Lasten ermöglichen.
Deutschland ist dabei der wichtigste Markt – Aquaconsult unterhält hier eine eigene Tochtergesellschaft in Rinnthal in Rheinland-Pfalz. Der deutsche Markt ist laut Angaben des Geschäftsführers Gerald Glaninger vor allem durch das Ersatz- und Modernisierungsgeschäft geprägt. Betreiber bestehender Anlagen suchen nach Wegen, ihre Systeme effizienter zu betreiben, ohne vollständige Neubauten zu realisieren. International sind neben Deutschland auch Japan und zunehmend Australien bedeutende Märkte.
Innovation auf der IFAT
Auf der IFAT 2026 präsentierte Aquaconsult die neueste Generation seiner Belüftertechnologie. Entwickelt wurde sie als Antwort auf eine Frage, die Betreiber großer Kläranlagen regelmäßig beschäftigt: Wie lässt sich die Lebensdauer der Systeme ohne Reduktion der Effizienz verlängern?
Das Konzept der neuen Gerätegeneration setzt auf ein Prinzip, das im Kläranlagenbetrieb bisher kaum konsequent umgesetzt wurde: Die Grundelemente des Aquastrips verbleiben dauerhaft im Beckenboden der Anlage. Lediglich die Membran – als zentrale Funktionskomponente – wird nach mehreren Jahren Betrieb getauscht.

Gerald Glaninger
Geschäftsführer von Aquaconsult
"Ein Membranwechsel ist bei unseren Systemen in der Regel erst nach 15 bis 20 Jahren erforderlich und kann direkt vor Ort durchgeführt werden", erläutert Glaninger. In Summe ermögliche das eine Betriebsdauer von 30 Jahren und mehr.
Kreislaufwirtschaft als Produktphilosophie
Neben der Langlebigkeit setzt Aquaconsult bei der Weiterentwicklung konsequent auf Materialeffizienz und Recyclingfähigkeit. Die eingesetzten Komponenten, darunter die TPU-Membran und ihre Halterung, bestehen aus trennbaren Materialien und lassen sich am Ende ihrer Nutzungsdauer sortenrein recyceln. Das Basisprofil kann zudem aus recyceltem Kunststoff gefertigt werden.
"Wir setzen bewusst auf langlebige Lösungen, die über Jahrzehnte Bestand haben", sagt Glaninger. Das gelte auch in Zeiten, in denen Kreislaufwirtschaft im industriellen Alltag nicht alleroberste Priorität hat.



