Bayern plant die Wasserversorgung der Zukunft. Bei der letzten Kabinettssitzung vor der Sommerpause – abgehalten auf der MS Starnberg auf dem Starnberger See – hat die Staatsregierung ihre Pläne für ein bayernweites Fernwassersystem bekräftigt und konkretisiert.
Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sprach von einem "Generationenprojekt", eine neue Wasserfernleitung für Bayern, die insbesondere für Nordostbayern und für Franken "eine Art Aquäduktsystem auf den Weg bringen soll". Am Ende soll die Versorgungslösung eine Länge von 1200 Kilometern erreichen und nach Söders Worten rund 30 Millionen Kubikmeter Wasser jährlich transportieren – ungefähr das Volumen des Eibsees.
Trockenstes Frühjahr seit 145 Jahren
Die klimatische Lage unterstreicht die Dringlichkeit: Bayern verzeichnet laut Kabinettsbericht das trockenste Frühjahr seit Beginn der Aufzeichnungen vor 145 Jahren. Im nordbayerischen Kitzingen wurde Ende Juni mit 40,8 Grad Celsius ein neuer Hitzerekord für den Freistaat gemessen. Von März bis Juni fielen in Südbayern nur 198 Millimeter Niederschlag – so wenig wie noch nie.
Auch das Grundwasser steht unter Dauerstress: Rund 80 Prozent der oberflächennahen Grundwassermessstellen und Quellen weisen aktuell niedrige bis sehr niedrige Messwerte auf, in den tieferen Grundwasserstockwerken zeigen über 70 Prozent der Messstellen eine Niedrigwassersituation.
Kernstück der bayerischen Antwort auf die Herausforderungen des Klimawandels ist das Projekt "SüSWasser" ("Sicherheit der überregionalen Systeme in der Wasserversorgung"), das das Umweltministerium gemeinsam mit den elf bayerischen Fernwasserversorgungsunternehmen gestartet hat. Aktuell wird an einer bayernweiten Maßnahmenplanung gearbeitet; die Fernwasserversorger haben dazu bis Ende Mai prioritäre Projekte gemeldet.
Die überregionalen Systeme decken heute den Trinkwasserbedarf von rund 2,6 Millionen Einwohnern. Von den weiteren Maßnahmen würden zusätzlich etwa 2,4 Millionen Menschen profitieren. Söder sprach von einer "Megaleitung", die eine schrittweise Umsetzung und ein langfristig gesichertes Finanzierungskonzept über Jahre bis Jahrzehnte erfordert.
Ring von Schwaben bis Niederbayern
Wie das System konkret aussehen soll, skizzierte Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) in der Pressekonferenz: Die Strategie fuße darauf, einen Ring zu bilden – ausgehend von Schwaben im Bereich der Lechschüttung. Die Spange führe über Westmittelfranken an Unterfranken vorbei nach Oberfranken und von dort über die Oberpfalz zurück in Richtung der Trinkwassertalsperre Frauenau in Niederbayern.
Im Rahmen des Projekts wird die bestehende Infrastruktur der elf Fernwasserversorger ertüchtigt und ausgebaut, zusätzlich würden redundante Systeme geschaffen – eine Aufgabe für die nächsten 30 Jahre, in die Staat und Versorger gemeinsam investieren wollen. Glauber zeigte sich überzeugt, dass die dritte große Säule aus regionalen Brunnen, Verbundleitungen im Städte- und kommunennahen Umfeld und der Wasserspange die Zukunft der Wasserversorgung in ganz Bayern sichern kann.
Neben dem Leitungsbau setzt Glauber auf die Stärkung der Grundwasserneubildung: Aus den Einnahmen des Wassercents sollen unter anderem speicherfähige "Schwammböden" gefördert werden, die im Herbst und Winter Wasser aufnehmen und über das Jahr halten. Nur über solche Böden könne der Regentropfen einsickern. Auch die Landwirtschaft müsse sich verändern und das Wasser stärker in der Fläche halten.
Vier Optionen im Rennen – Bodensee ist raus
Der Startschuss des Projekts SüSWasser, das unter dem Dach von Bayerns Gesamtstrategie "Wasserzukunft Bayern 2050" angesiedelt ist, fiel bereits 2021. In der Folge wurden verschiedene Handlungsoptionen geprüft, von denen im Herbst 2025 vier in die engere Wahl kamen.
Konkret sind das die Entnahme von Grundwasser aus dem Lechmündungsgebiet, die Entnahme aus dem Lechmündungsgebiet gekoppelt mit einem Wasserbezug aus der tschechischen Talsperre Nýrsko, die Entnahme aus dem Lechmündungsgebiet gekoppelt mit der Errichtung einer neuen dritten Talsperre in Bayern oder die Errichtung einer neuen dritten Talsperre allein.
Nun verdichtet sich die Wasserspange in Schwaben/Franken/Niederbayern als wahrscheinlichste Option. Für die ersten konkreten Umsetzungsschritte stellt das Umweltministerium in den kommenden drei Jahren bis zu vier Millionen Euro pro Jahr bereit.
Eine prominente Variante ist vom Tisch: Die Option, den Bodensee in die bayerische Fernwasserversorgung einzubeziehen, wird aus ökonomischer und fachlicher Sicht nicht weiterverfolgt.