Wie lässt sich die Wasserversorgung in Deutschland dauerhaft sichern? Darüber diskutierten drei Expertinnen aus der Branche beim Treffen des ZFK-Frauennetzwerks in Lübeck: Helena Köhler von der Stadtwerke-Lübeck-Gruppe, Katharina Seiffert von Hamburg Wasser und Grit Glanert vom Zweckverband Wismar tauschten sich über Wasserverfügbarkeit und Krisenvorsorge aus. Moderiert wurde das Gespräch von Christine Mesek vom AZV Südholstein.
In Lübeck, Hamburg und beim Zweckverband Wismar war die Wasserversorgung in diesem Sommer stabil. Akute Engpässe blieben laut den Panelistinnen aus. Entwarnung bedeutet das für die Versorger aber nicht. Denn die eigentliche Herausforderung liegt in der Zukunft: Anlagen und Netze kommen ans Ende ihrer Lebensdauer und müssen außerdem klimaresilienter werden. Gleichzeitig steigen Baukosten und Anforderungen an die Krisenvorsorge.
Engpass Finanzierung
Besonders deutlich wurde das am Beispiel des Zweckverbands Wismar. Viele Anlagen sind nach Angaben von Verbandsvorsteherin Grit Glanert 30 bis 35 Jahre alt. Andere Bestandteile des Wassernetzes sind sogar noch älter: "Die Netze sind zum Teil 50 bis 70 Jahre alt und da muss was passieren", sagte Glanert. Für die kommenden Jahre zeichnen sich deshalb umfangreiche Ersatzinvestitionen ab, um die Versorgung aufrechtzuerhalten.
Die Finanzierung ist dabei laut Glanert das größte Hemmnis: "Wir haben nur eine Finanzierungsmöglichkeit und das sind die Gebühren", sagte sie im Panel. Die Gebühren müssten Betrieb, Instandhaltung und Erneuerung tragen. Zugleich sollten sie für die Kund:innen sozialverträglich bleiben.
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Auch Hamburg Wasser könne die anstehenden Aufgaben nicht allein über Förderprogramme lösen, erklärte Katharina Seiffert. Diese Mittel hälfen zwar bei Notstromaggregaten oder Verbundleitungen. Aber: "Was man nicht darüber abdecken kann, ist Neubau und Instandhaltung. Und das ist der wesentliche Punkt", sagte sie.
Hamburg wächst zudem weiter. Nach Seifferts Einschätzung könnte der tägliche Wasserbedarf in den kommenden 15 Jahren um rund 50.000 Kubikmeter steigen. Zum Vergleich: Der durchschnittliche Trinkwasserverbrauch in Hamburg liegt derzeit bei rund 330.000 Kubikmeter pro Tag.
"Wir müssen unsere Anlagenkapazität erweitern", sagte Seiffert. In der dicht bebauten Stadt sei das eine planerische und finanzielle Herausforderung. Hamburg Wasser setze deshalb auf ein systematisches Asset-Management: Alter und Zustand der Anlagen sollen erfasst und Erneuerungen priorisiert werden. Essenziell sei auch, Bauvorhaben mit anderen Infrastrukturmaßnahmen abzustimmen, um Kosten und Baustellen zu bündeln.
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In Lübeck geht es um die Qualität und die langfristige Verfügbarkeit des Rohwassers. Weil im genutzten Grundwasserleiter nahe der Trave der Salzgehalt steigt, plant die Stadtwerke-Lübeck-Gruppe sieben neue Brunnen und eine rund acht Kilometer lange Leitung. Die Entnahme soll aus dem von Tiefenversalzung betroffenen Bereich verlagert werden.
"Wir wollen das Glücksspiel nicht weiterspielen", sagte Helena Köhler mit Blick auf die weitere Nutzung der gefährdeten Brunnen. Die Umsetzung sei jedoch langwierig: Allein die Sicherung der Leitungsstrecke dauerte nach Köhlers Angaben zwei Jahre.
Rückhalt aus der Politik zwingend
Die Panelistinnen zeigten auf, welche Schritte aus ihrer Sicht notwendig sind: Erstens müssten Wasserversorger Wasserrechte frühzeitig sichern und Grundwasser kontinuierlich überwachen. Zweitens brauche es ein systematisches Asset-Management. Drittens müssten Netze stärker verbunden und Anlagen redundant ausgelegt werden.
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Viertens müsse die Finanzierung planbarer werden. Die Versorger brauchten mehrjährige Förderprogramme für die Wasserwirtschaft, ausdrücklich auch für Netzerneuerung und Instandhaltung. "Wasser wird teurer werden. Und wir brauchen dafür den Rückhalt aus der Politik", betonte Glanert. Politiker:innen trauten sich nicht, Gebühren zu erhöhen, weil sie um ihre nächste Wahl fürchteten. Daher müssten Erhöhungen transparent begründet werden: Die Kund:innen bezahlten nicht nur das Wasser aus dem Hahn, sondern auch für die Versorgungssicherheit von morgen.
Fünftens solle Trinkwasser dort ersetzt werden, wo seine hohe Qualität nicht gebraucht werde, etwa in der Industrie. Dort müssten Brauch- und Prozesswasserkonzepte Vorrang haben.
Die drei Expertinnen Köhler, Seiffert und Glanert waren sich einig: Die Wasserversorgung steht schon unter Druck, wenn notwendige Investitionen zu spät beschlossen werden – und nicht erst, wenn es zu Wassermangellagen und Entnahmeverboten kommt.
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